Ewigheim – Nachruf

Noch nicht einmal ein Jahr ist seit ihrem letzten Release vergangen, doch meldet sich die Thüringer Gothic-Metal-Band Ewigheim bereits mit einer neuen Scheibe zurück. «Nachruf» heisst ihr drittes Werk, welches noch rechtzeitig vor Weihnachten seinen Weg in auserlesene Plattenläden gefunden hat. Was nach Abschied klingt ist hoffentlich keiner, denn nach dem schwachbrüstigen Vorgänger offenbart die Band rund um Eisregen-Schlagerzeuger Yantit endlich ihr wahres Potential, schöpft melodiös und atmosphärisch aus dem Vollen und besingt in gewohnt depressiver Manier das Ende des Lebens. So schön kann der Tod sein.

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Artwork: RONNY FIMMEL/Ewigheim.de/Massacre Records

Wenn man es nicht besser wüsste, so könnte man meinen, dass Ewigheim das bestechende Ergebnis einer Kollaboration zwischen Rammstein und Unheilig sei. Der Thüringer Frontmann Allen B. Konstanz textet nicht nur ein Zwischending aus den bittersüssen Gedichten von Unheilig und der abgründigen Gesellschaftskritik Rammsteins, sondern bewegt sich auch stimmlich in den Sphären dieser beiden Musikgrössen. Trotz dieser Übereinstimmung mit anderen Bands wirkt der Stil von Ewigheim sehr eigen und fast schon ein wenig zu chaotisch. Diese unaufgeräumte Individualität wird gestützt durch ihr breites Spektrum an Klangmustern, sporadisch auftauchenden Elektro-Beats und einer ausgewogenen Mischung von leichten und eingängigen Songs (Die Augen zu, Heimweh, Falsches Herz, Glück im Unglück, Wenn es am Schönsten ist) sowie schleichenden Düstermelodien (Zwischen Menschen, Am Meer, Liebes Lied, Ein Nachruf).

Diese Vielfalt wird unterstützt durch die zahlreichen Sessionsmusiker und Freunde, die Ewigheim zu ihrem Nachruf eingeladen haben. Der wahrscheinlich bekannteste Gast ist Michael Roth, Sänger der Dark-Metal-Band Eisregen, der auch schon in den beiden früheren Alben Ewigheims eine tragende Rolle spielte. Für den Bonustrack Sanctum Imperium krächzte er mit seiner Blutkehle Zeilen der Todessehnsucht und sorgt damit gleichzeitig für den besten Song des Albums.
Ein weiteres Highlight der Scheibe ist der Song Am Meer: Statt auf repetitive Gitarrenriffs setzt man hier couragiert voll und ganz auf die Stimme Konstanz‘. Insgesamt wünscht man sich mehr Mut und Unerschrockenheit von der Band, die sich immer noch voller Hemmungen in ausgelutschte Verhaltensmuster der deutschen Metalszene zwängen will.  Obwohl sie sich mit ihrer dritten Scheibe bereits deutlich von anderen Bands abheben, scheint die Stilfindung und Heimsuchung noch nicht vollständig abgeschlossen zu sein. Immer noch versuchen sie mit einzelnen Songs eine trashige Doom-Stimmung erzeugen zu wollen, die mit der opernhaften Stimme des Sängers einfach nicht aufkommen will.
Durch die noch nicht ganz abgeschlossene Suche nach ihrer musikalischen Ausrichtung findet man auf Nachruf folglich auch viel an Füllmaterial. Insbesondere die Powerballaden haben noch viel Verbesserungspotential, welches auch durch die gesangliche Meisterleistung Konstanz‘ nicht kaschiert werden kann.

Fazit: Aller guten Dinge sind drei. Mit grossem Abstand ist Nachruf das bisher beste Album der Band Ewigheim. Trotzdem gibt es in vielen Bereichen noch Luft nach oben. Mit Yantit von Eisregen und Allen B. Konstanz von The Vision Bleak hat man zwei hervorragende Musiker an Bord. Die Vielfalt in ihrem Album ist lobenswert, und textlich kann man der Band auch nichts vorwerfen, doch die Reizüberflutung an verschiedenen Melodien und Gefühlsatmosphären muss jetzt noch zu einer klaren Struktur gebündelt werden, damit das nächste Album nicht so chaotisch und überbordend daherkommt.

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Das volle Review findet ihr auch auf negativewhite.ch

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