Die Medien im Bann des doppelzüngigen Papst Franziskus

Die europäischen und amerikanischen Medien preisen den Papst und kritisieren Barack Obama scharf. Fast schon über Nacht fand dieser Stimmungswandel statt, und umso schneller mussten sich auch die Medien der neuen Verbundenheit der Menschen anpassen. Die Objektivität des Religionsjournalismus litt bereits stark unter dem andauernden Pontifikat von Papst Franziskus.

Photo: FILIPPO MONTEFORTE/AFP/Getty Images

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Religionsjournalismus hatte schon immer einen Geruch der Unfreiheit um sich. Die heiklen und kontroversen Aussagen von Papst Franziskus werden komplett ignoriert und unter den Teppich gekehrt. Nicht mal eine Randnotiz sind sie in der heutigen Medienwelt.

Demnach gilt Papst Franziskus als Sympathie- und Hoffnungsträger. Menschenfreund. Helfer der Armen. Retter der Kirche. Erlöser der konservativen Ausrichtung des Katholizismus. Verbinder der Völker.

Damit steht er zusätzlich auch in einem krassen Kontrast zu seinem Vorgänger, dem inzwischen emeritierten Papst Benedikt XVI. Benedikt stand während seines Pontifikats beinahe ausschliesslich in der Kritik der Presse. Er wurde der Frauenfeindlichkeit und des Schwulenhasses bezichtigt. Er wurde dafür verantwortlich gemacht, dass sich AIDS in Afrika weiter ausbreiten konnte und so viel Leid auf der Welt geschehe.

Heiligenschein der Heuchelei
Die grausame Ironie ist, dass der Argentinier Jorge Maria Bergoglio zu seiner Zeit als Erzbischof und Kardinal von Buenos Aries, mit sehr viel extremeren Aussagen als denen von Benedikt auf sich aufmerksam machte, die zu seinen neugewonnenen Ansichten als Papst in einer unheimlichen Gegensätzlichkeit stehen.

  • Papst Franziskus, anno 2013: „Auch Atheisten kommen in den Himmel.“
  • Kardinal Bergoglio, prä Pontifikat:„Wer nicht zu Gott betet, der betet zu Satan.“
  • Papst Franziskus, anno 2013: „Wenn jemand schwul ist und Gott sucht, wer bin ich, ihn zu richten?
  • Kardinal Bergoglio, prä Pontifikat: „Homosexualität ist ein Werk des Teufels.“
  • Papst Franziskus, anno 2013: „Die Kirche selbst kann nicht ohne Frauen sein. Der weibliche Genius ist nötig an den Stellen, wo wichtige Entscheidungen getroffen werden.“
  • Kardinal Bergoglio, prä Pontifikat: „Frauen sind von Natur aus unfähig, politische Ämter zu bekleiden.“

Jetzt kann man sich natürlich darüber streiten, ob Papst Franziskus in Rom tatsächlich zu einer offeneren und progressiveren Weltanschauung gelangt ist, oder ob er mit diesen Aussagen lediglich Honig um die Münder der Menschen schmiert. Fakt ist allerdings, dass die breite Masse sowie die Medien die Äusserungen des Papstes auffressen und sich an ihnen wärmen. Keiner hinterfragt die Absichten des Papstes. Doch warum ist dies so?

Wie Franziskus von den Fehlern Benedikts profitiert
Der Mensch ist ein sehr visuelles Wesen. Benedikt XVI. hatte kein liebliches Lächeln wie Franziskus, wirkte älter als der dynamische Argentinier. Zu seinem Leidwesen war Ratzinger auch noch Deutsch, womit man in Europa und der Welt sowieso schon automatisch einen schlechten Ruf hat.

Ein weiterer Fehlschritt von Ratzinger war, dass er keinen festen Plan hatte, mit der er seinen Ruf festigen konnte. Jorge Maria Bergoglio sicherte bereits mit der Wahl seines Papstnamen, Franziskus, seine Absicht, als Helfer der Armen gelten zu wollen. Diesen Ruf hat er auch 300 Tage später immer noch. Mit dem Küssen von entstellten Menschen und nackten Häftlingsfüssen liefert er den Medien wöchentlich neue Bilder, die ihn in das perfekte Licht rücken.

Ich will mit diesem Beitrag allerdings nicht den Teufel an die Wand malen und möchte deshalb auch explizit klarstellen, dass Papst Franziskus allein schon durch sein freundliches Wesen und die Omnipräsenz in den Medien den Ruf der Kirche aufzubessern vermag. Schon vielen Menschen konnte Franziskus neue Hoffnung schenken, und auch in Zukunft wird er sicherlich noch durch viele gute Taten zu Recht auf seine Person aufmerksam machen und seine Institution in das rechte Licht rücken.

Doch diese Unvoreingenommenheit der Menschen und Medien ist sehr gefährlich. Wie jedes Oberhaupt einer grossen Gemeinde (1,2 Milliarden Katholiken!) hat auch Papst Franziskus eine feste Agenda, die er durchboxen will. Alleine deshalb sollte man seine Worte wieder vermehrt auf die Goldwaage legen und differenzierter betrachten. Zwar führt Franziskus einen eisernen Kampf gegen die Armut, was sehr lobenswert ist, doch in Sachen Toleranz gegenüber Homosexualität und Frauenrechten befindet sich Franziskus immer noch im selben Wagen wie Benedikt, allerdings mit angezogener Handbremse.

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2 Antworten zu Die Medien im Bann des doppelzüngigen Papst Franziskus

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