Die drei besten Vatikan- und Franziskusbücher 2013

2013 war für die römisch-katholische Kirche sehr ereignisvoll. Das Zwei-Päpste-Jahr wurde bereits im Februar eingeläutet, und dies nicht traditionell durch das Ableben des amtierendes Papstes. Der inzwischen emeritierte Papst Benedikt XVI. trat zurück, da er sich aufgrund seiner schlechter werdenden Gesundheit nicht mehr im Stande fühlte, das Petrusamt nach bestem Gewissen auszuführen. Der letzte Rücktritt eines Papstes fand vor fast genau 600 Jahren statt, als Gregor XII. auf dem Konzil von Konstanz 1415 abdankte, um ein Ende des Schismas, der Kirchenspaltung, herbeizuführen. Doch nicht nur der spezielle Amtsantritt von Franziskus I. war für Theologen ein Grund, dieses Jahr wieder vermehrt zu Feder, Papier und Tinte zu greifen. Viel mehr sorgte der Südamerikaner mit seinen radikalen Veränderungsplänen gegenüber dem Kirchensystem und der partiellen Neuauslegung der Glaubensausrichtung für reichlich Diskussionsbedarf.

3. Die Päpste – Norbert F. Pötzl und Johannes Saltzwedel

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Photo: SPIEGEL/Büro Jorge Schmidt/Bettmann/AKG Images/Getty Images/bpk

Fast dreissig Religionsjournalisten  der SPIEGEL Redaktion Deutschland sorgen in diesem Buch für eine grosse Vielzahl an unterschiedlichsten Beiträgen zur römisch-katholischen Kirche. Seien es  zeitnahe Berichte von den Örtlichkeiten des Vatikans, historische Beiträge zu den ehemaligen Päpsten, Interviews mit Kardinälen oder auch Ausblicke auf das Jahr 2014.

Man darf sich allerdings vom Cover des Buches nicht in die Irre führen lassen; wer denkt, dass Papst Franziskus I. in diesem Buch eine zentrale Rolle einnimmt, der irrt. Viel mehr ist der Argentinier und sein bevorstehenden Aufgaben eine Randnotiz am Ende des Buches. Ein Sinnbild für den gesamten Inhalt dieses Buches, denn das Werk aus dem Hause SPIEGEL wirkt eher wie ein chaotisches und ungeordnetes Sammelsurium an Texten, Reportagen und Interviews betreffend der Kirche, die zwar interessant sind, alleinstehend allerdings keine Publikation wert wären.

Das Buch ist jedem zu empfehlen, der sich einen oberflächlichen Überblick über die Geschichte, die Gegenwart und die Zukunft der römisch-katholischen Kirche verschaffen will, und dabei noch nicht zu tief in die Materie eindringen möchte.

2. Gottes schwarze Kasse – Fidelius Schmid

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Photo: Eichborn Verlag

Das Buch beschäftigt sich mit einer Frage, die Gianluigi Nuzzi in seinem weltweit berühmtgewordenen Buch „Vatikan AG“ (2009) eigentlich bereits beantwortet hat: Finanziert sich die Kirche mit kriminell erwirtschaftetem Geld?

Schon früh verdeutlicht sich in dem Buch, dass diese Frage ganz klar mit einem Ja beantwortet werden muss. Es geht um Geldwäsche für die Mafia, Schwarzgeld, Spendengelder, die direkt in die Taschen von hohen Amtsträgern fliessen, sowie Steuerhinterziehung und vieles mehr.
Dementsprechend hart geht der Autor auch mit den illegalen Geldgeschäften der Katholischen Kirche ins Gericht. Durch Informanten und strengvertrauliche Bankdokumente schafft es Schmid, Licht ins Dunkel zu bringen und die Kirche mit handfesten Beweisen zu kritisieren.

Grundsätzlich unterscheidet sich das Werk Schmids kaum von dem Welterfolg “Vatikan AG”, allerdings wird es durch seine Aktualität in den letzten Kapiteln umso spannender: Schmid findet für den Hoffnungs- und Sympathieträger Papst Franziskus I., der angeblich eine radikale Veränderung in den Führungspositionen der Vatikanbank plant, keine positiven Worte.

Man darf auf jeden Fall sehr darauf gespannt sein, ob Papst Franziskus I. seinen Worten Taten folgen lassen wird, oder ob sein Versprechen nur eine leere Drohung gegenüber der Mafia war. Eines ist allerdings klar: das organisierte Verbrechen in Italien geht seit jeher Hand in Hand mit der geheimnisvollen und ominösen Bank im Vatikan, und dies kann auch ein einzelner Mann nicht mehr ändern.

Das Buch ist Pflichtlektüre nicht nur für jeden Kirchenkritiker, sondern auch für alle enttäuschten Gläubigen, die ihr Misstrauen gegenüber der Festung in Rom mit einer ausgeklügelten und gründlichen Recherche stützen wollen.

1. Macht und Ohnmacht im Vatikan – Dr. Crista Kramer von Reisswitz

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Photo: HAUPTMANN & KOMPANIE Werbeagentur/Getty Images/FRANCO ORIGLIA

Die deutsche Vatikan-Expertin verschafft in diesem grossartigen Werk einen allumfassenden Überblick über die momentane Machtsituation im Vatikan. Wer zieht die Fäden im Vatikan? Welche Gruppierungen und Personen stellen sich dem neuen Papst entgegen? Von wem darf sich Franziskus I. Unterstützung erhoffen? Ist der Südamerikaner im Stande, die Kirche aus ihrer tiefsten Krise zu retten und den konservativen Mief der Benedikt-Ära zu beseitigen?

All diese Fragen werden in diesem zeitaktuellen Porträt ausführlich und mehr als zufriedenstellend beantwortet. Das Buch ist gut strukturiert und weist einen sinnvollen Aufbau auf. Crista Kramer von Reisswitz schafft es, die oft sehr trockene Materie mit ihrem sehr sympathischen Schreibstil spannend zu vermitteln. Angereichert werden ihre Ausführungen mit ihrem exklusiven Insiderwissen; einer der Hauptgründe, weshalb das Buch in seiner Art einzigartig ist und sich trotz der Überschwemmungsflut an Vatikanbüchern abheben kann.

Trotz ihren vielen Beziehungen im Vatikan, von denen die Autorin in ihrer Recherche profitiert, nimmt sie kein Blatt vor den Mund und sorgt für eine Unvoreingenommenheit, die in dieser heiklen Thematik durchaus benötigt wird.

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