Stimmen der Gottlosigkeit – Atheisten aus aller Welt erzählen ihre Geschichte (Teil 2/2)

Die Zahl der Gott- und Konfessionslosen steigt jährlich in einem noch nie dagewesenen Ausmass. Die Ausbreitung des Unglaubens betrifft vor allem die katholische Kirche – alleine das streng-katholische Irland verzeichnete in den letzten zehn Jahren einen Anstieg von 400%(!) an Atheisten auf der Grünen Insel. Doch auch alle anderen Weltreligionen verlieren ihre Schäfchen. Trotzdem ist Atheismus auch im 21. Jahrhundert immer noch ein Tabuthema. In mindestens sieben Ländern droht für Gotteslästerung und -leugnung sogar immer noch die Todesstrafe. Grund genug für das Jahr 2014 eine Lanze zu brechen und den Gottlosen der Welt Gehör zu verschaffen. 

Im zweiten Beitrag erzählen fünf Atheisten aus den USA, Australien, Indien und Japan ihre Geschichte.

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Lexington, Virginia, USA – ehemaliger Baptist

Als der Hurrikan Sandy grosse Teile von Haiti zerstörte sagte Pat Robertson, ein evangelischer Prediger, dass dies Gottes Strafe für die Sünden der Menschen sei. Ein guter Freund von mir, der sehr christlich war, sagte mir darauf, dass Pat Robertson dies nicht wissen könne. Niemand kenne Gott, auch nicht Pat Robertson. Allerdings führte er aus, dass Gott in der Bibel in der Tat Naturkatastrophen benutzte um Menschen zu bestrafen. Wir seien alle Sünder, und wir alle verdienen den Tod.

In diesem Moment habe ich realisiert, dass dies nicht meine Welt war. Überall wo ich hinsah sah ich Menschen, für die ich mein Leben opfern würde. Meine Familie, meine Freunde, aber auch Fremde auf der Strasse.

Alles um mich herum brach zusammen, ich war in meinem Glauben zutiefst erschüttert. Kein Geistlicher konnte mir meine vielen Fragen zufriedenstellend beantworten. Das war der Zeitpunkt als ich mir zum ersten Mal die Frage stellte: Was ist, wenn es gar keinen Gott gibt?

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Indianapolis, Indiana, USA – ehemaliger Protestant

Ich wuchs in einer strengchristlichen Gemeinschaft auf – im Bundesstaat Indiana. Ich war ein guter Christ und mit dem Christentum im Reinen.

Vor meinem 13. Lebensjahr dachte ich nie wirklich über Atheismus und Agnostizismus nach, doch dies alles änderte sich sehr schnell. Zwei Quellen öffneten mir die Welt der Gottlosigkeit – das Internet und mein Biologielehrer, Mr. Hamilton.

Ich begann Nachforschungen anzustellen, im Internet und in der Bücherei. Die Evolutionstheorie faszinierte mich, und war schlussendlich wahrscheinlich auch der Grund, weshalb ich ein Atheist wurde. Der Kreationismus, der uns in der Schule gelehrt wurde, war wissenschaftlicher Unsinn. Es war der erste Widerspruch in der Bibel, der sich mir offenbarte. Mein Glauben war erschüttert, und so begann ich die Bibel noch kritischer zu hinterfragen. Ich fand dutzende Beispiele dafür, dass die Bibel nicht Gottes Wort vermittelte, sondern lediglich die Meinungen von ranghohen Geistlichen der damaligen Zeit.

Dies führte mich zu der Ansicht, dass die Religion seit jeher nur ein Machtinstrument war und Gott bloss eine Erfindung.

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Sydney, New South Wales, Australien – ehemaliger Anglikaner

Meine Familie war nicht wirklich gläubig. Der einzige Einfluss den ich hatte war eine strenggläubige Tante. Ich habe nicht mehr viel Kontakt mit ihr, da sie der, meiner Meinung nach, schlimmsten Sorte von Gläubigen angehört. Sie predigt von Hass und Verdammung anstatt von Liebe und Einigkeit, wie es uns Jesus in der Bibel lehrt.

Aufgrund der Bibel war ich lange Zeit Christ. Es ist ein sehr faszinierendes Buch, und trotz meines fehlenden Glaubens an Gott lese ich sie auch heute gerne noch und suche nach Antworten. Es gibt oft Tage an denen ich mir wünsche, dass ich Gott akzeptieren und in mein Herz lassen könnte, doch leider wurde mir dies durch meine Tante verdorben.

Ich möchte keiner Gemeinschaft angehören, die so viel Missgunst, Hass und Trauer verbreitet hat auf der Welt, obwohl sie genau so vielen Menschen auch Hoffnung und Halt bietet.

Hinzu kommt, dass ich mein Leben nicht nach einem einzigen Buch ausrichten möchte. Ich finde Antworten auch im Buddhismus, dem Judentum und dem Islam.

Der Apostel Thomas war eine Person die einen Beweis brauchte um seinen Glauben zu bestätigen; Mir geht es genau so.

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Tokio, Kanto, Japan – Jüdischer Atheist
Ich wuchs auf in einer konservativen, jüdischen Familie, die sehr viel Wert auf die Aufrechterhaltung unserer Kultur und unserer Gemeinschaft legte.

So besuchte ich also eine jüdische Schule, hatte meine Bar Mitzvah, ging durch meine Konfirmation und ging schliesslich auch nach Israel.

Ironischerweise waren es einige Rabbis in Israel, dir mich zu einem kritischeren Denken führten. Diese kritische Denkweise und die Offenheit gegenüber anderen Religionen verhalf mir schliesslich, ein glücklicher Atheist zu werden.

Ich bezeichne mich allerdings immer noch als Jude. Mir scheint es, dass der Gottesglaube wichtig ist im Judentum, doch auch ohne Gott im Herzen ist man immer noch ein Jude. Ich finde immer noch sehr viele positive Aspekte im Judentum, doch auch genau so viele Kritikpunkte offenbaren sich mir.

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Bangalore, Karnataka, Indien – ehemaliger Moslem

Ich gab meinen Glauben aufgrund der Tatsache auf, dass Gott Menschen bestrafen soll, die nicht an ihn glauben. Ich habe nie verstanden, weshalb ihn dies kümmern sollte. Wie sollte ich, ein einfacher Mensch, einen Effekt auf ihn haben? Weder Anbetung noch Hass kann seine Kraft beeinflussen, wenn man bedenkt, dass er das Universum erschaffen habe. Warum sollte es ihn kümmern, dass ich trinke? Warum sollte es ihn kümmern, dass ich nicht täglich fünfmal zu ihm bete?

Ich verspürte nie eine Verbindung zu Allah. Und mit der Zeit fühlte ich mich immer mehr wie ein Heuchler, da ich immer noch dem Islam angehörte, obwohl ich alle Regeln brach. Ich trank ohne auch nur einen Gedanken an die Sünde zu verlieren, und anstatt fünfmal am Tag betete ich vielleicht fünfmal im Jahr.  Warum sollte ich also unehrlich zu anderen und mir selbst sein?

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