Wer glaubt was? Christliche Glaubensrichtungen im Überblick (1/3)

Vor rund 2000 Jahren predigte ein junger Mann namens Jesus in der heutigen Türkei und in Kleinasien seine Botschaft der Liebe. Gepeinigt von barbarischen Königen und ungerechten Herrschern entdecken die Menschen nach und nach einen neuen Glauben. Was als kleine Bewegung begann veränderte die Welt für immer. Fast ein Drittel aller Menschen auf der Welt nennt sich heute Christen. Doch wie wird das Christentum heute praktiziert? Welche Gemeinschaften haben sich innerhalb dieser Weltreligion gebildet? Und wie wurden die Lehren von Jesus Christus neu ausgelegt?

Quäkertum – Die Religion unter Freunden

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Der Quäker-Stern

Die Quäker führen ein Leben fern von Prunk und Protz und besinnen sich auf die fast zynisch wirkende Einfachheit ihres Daseins. Nicht zuletzt durch ihre frivole Art traten sie in ihrer noch jungen Geschichte bereits unter vielen Namen auf, die zum Teil eine ironische oder auch provokante Aussage beinhalten: Überbringer der Wahrheit, Stille Helfer, Heilige oder schlichtweg Freunde. In den konservativen Kreisen des Christentums sind sie durch ihre befremdlichen Bräuche auch als eigenartiges Volk bekannt.

Das freundschaftliche Auftreten eines Quäkers bildet das Fundament seiner Glaubenspraktizierung und zeigt sich im Alltag äusserst vielschichtig. Die Ablehnung einer Hierarchie war schon früh ein wichtiger Punkt ihres Dogmas. Sie weigerten sich vor anderen Menschen den Hut zu ziehen und sprachen durchs Band jeden mit du an. Auch in ihrem Wortschatz ist das Ausleben ihres Glaubens fest verankert: So verzichten sie in der Regel auf Fremdwörter und eine gehobene Sprache. In ihren Diskussionsthemen kennen sie keine Tabus und sprechen offen über alles.

Obwohl sie sich als stille Helfer bezeichnen drücken sie sich oft vor grossen Aufgaben und scheuen Verantwortung. Aufgrund dessen verzichten sie auch darauf, Eide und Schwüre abzulegen.

Die Einfachheit des Quäkertums bedeutet allerdings nicht bedingungslose Selbstständigkeit oder gar christlicher Anarchismus. In ihrer Lebensweise sind Quäker streng eingeschränkt: Tabak, Drogen, Alkohol und auch Glücksspiele sind strengstens verboten. Diese Dinge verkörpern nämlich den Zerfall von Gottlosen und zeugen von einer zügellosen Lebensweise, was ihrem Herren Jesus Christus gar nicht entsprochen hätte.

Durch ihre Offen- und Ungezwungenheit prägt sich auch die weite Palette an Quäkern in der Glaubenspraktizierung: Konservative Christen wie auch liberale oder evangelisch-reformierte Gläubige finden in ihren Reihen ein Zuhause. Schliesslich ist man bei den Quäkern immer unter Freunden.

Mormonentum – Bibel +1

mormon

Der Engel Moroni

Wie auch viele andere Glaubensgemeinschaften verstehen die Mormonen ihren Glauben als eine von Gott persönlich erforderte Wiederherstellung seines Idealbilds einer Urkirche. Da sie sich streng nach den Lehren Jesu Christi verhalten wurden sie erst als „Heilige der Letzten Tage“ bekannt. Ein Name, der auch heute noch nicht vollständig der Bezeichnung Mormonen gewichen ist.

Die Mormonen stechen insofern aus der Masse christlicher Konfessionen und Glaubensausrichtungen, da sie zusätzlich zur Bibel auch an das Buch Mormon glauben.

Geschrieben wurde das Buch Mormon von dem amerikanischen Propheten Joseph Smith, Jr.  Smith erschien am 21. September 1823 nach einem allabendlichen Gebet ein Gesandter des Herren – der Engel Moroni. Der in der Bibel gänzlich unerwähnte Engel überbrachte Smith folgende Botschaft: „Übersetze ein Buch von goldenen Platten, welche die Fülle des immerwährenden Evangeliums enthalten und in einem Hügel in der Nähe von Manchester, New York, USA, aufbewahrt seien.

Glücklicherweise hatte Joseph Smith, Jr. einen sehr wohlhabenden Nachbarn namens Martin Harris. Dieser besagte Nachbar fungierte nicht nur als einer der drei Zeugen, der die Existenz der goldenen Platten bestätigen kann, sondern half Smith auch mit der Übersetzung und dem Vertrieb der Texte. Die ersten Bücher Mormon erschienen am 26. März 1830, am selben Tag gründete  Smith mit sechs weiteren Freunden die Kirche Jesu Christi.

Das Buch Mormon ist für die Mormonen nichts weniger als das Wort Gottes, weshalb die Inhalte als unfehlbar und unumstösslich akzeptiert werden. Die wichtigsten Thesen des Buch Mormon sind, dass nur diejenigen Menschen errettet werden, die die Gesetze und Verordnungen des Evangeliums befolgen. Weiter glauben die Mormonen an Prophezeiungen, Visionen und Heilungen. Immer wieder für Kontroversen sorgt auch folgende, extrem pro-amerikanische Behauptung im Buch Mormon:  „Die Wiederherstellung der Zehn Stämme, das Zion (das Neue Jerusalem), wird auf dem amerikanischen Kontinent errichtet werden und ihre paradiesische Herrlichkeit empfangen.“ Auf die Rückkehr des Paradieses müssen die Mormonen aber gar nicht lange warten – sie glauben, dass Jesus Christus in naher oder ferner Zukunft persönlich auf die Erde zurückkehren und hier regieren wird. Unter seiner Hand werde die Erde komplett erneuert.

Da sie sich selbst als Urkirche sehen üben sie altbewährte Bräuche aus, die in der heutigen Zeit eher bizarr wirken: So ist die Polygamie, die Vielehe, besonders bei amerikanischen Mormonen gängig und wird offen praktiziert.

Römischer-Katholizismus – Tradition, Macht und Hierarchie

vatikan

Das Emblem des Vatikans – die zwei Schlüssel Petri.

Die Katholiken stellen seit eh und je die Mehrzahl der weltweit praktizierenden Christen. Insgesamt 1,2 Milliarden der 2,3 Milliarden Christen bekennen sich zu der angeblich von Apostel Petrus gegründeten Kirche. Katholiken gelten als eine eher konservative Gruppierung, obwohl dies durch ihre enorme Grösse natürlich stark variiert – nicht nur in ihrer Demographie sondern auch durch die geografischen Verhältnisse.

Verbunden werden alle Katholiken durch den Heiligen Vater – den Papst; eine feste Instanz seit 2000 Jahren. Der Papst gilt als Nachfolger des heiligen Petrus und als solcher von Christus zum obersten Schlüsselträger und Hirten der Kirche bestimmt.

Der katholische Glaube basiert nicht nur ausschliesslich auf der Bibel. Auch mündliche Überlieferungen und die in der Tradition der katholischen Kirche entwickelten Dogmen zählen zu heiligen Texten, die die Ausrichtung ihres Glaubens zeichnen. Durch diese vage Glaubensauslegung hat die Römisch-Katholische Kirche in der Vergangenheit bereits vielmals alte Lehren widerrufen und neue eingeführt. Beispielsweise wurde im Zweiten Vatikanischen Konzil in den 1960er-Jahren festgelegt, dass Gott ein liebevoller Vater sei. Bis zu diesem Zeitpunkt war er noch ein „gerechter Richter, der das Böse bestraft.“.

Durch die langjährige Geschichte wird der Katholizismus vor allem auch durch Bräuche und Gemeinschaft geprägt.  Von der Taufe bis zur Priesterweihe ist alles klar reguliert und muss einem strengen Schema folgen. Nicht zuletzt deshalb stellt der Römische-Katholizismus den Menschen in den Mittelpunkt und zelebriert das von Gott geschenkte Leben.

Nebst Gott und Jesus verehren Katholiken auch die Mutter Gottes, Maria, und zahlreiche andere Selige und Heilige Menschen. Durch diese Breitseite an Huldigungen preisen die Katholiken das vielfältige Wirken Gottes, der zu allen Zeiten Menschen in seinen Dienst gerufen hat – bis heute. Die meisten anderen Glaubensausrichtungen des Christentums lehnen diese Ansichten ab, da sie befürchten, dass dadurch Gottes Ehre unnötig geschmälert wird.

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