Religion in den Medien

Journalisten erzeugen Bilder von Religion, die einen Einfluss auf die Wahrnehmung der Bevölkerung ausüben. Dies beweist eine Studie des Nationalen Forschungsprogramm 58. Doch mit welchen Mitteln werden die grossen Weltreligionen stereotypisiert und in ein Schema gezwängt? Und wie stark ist die Wirkung der Medien tatsächlich?

ReliJour

Religionsjournalimus (Symbolbild)
Photo: SANDRO BUCHER

In der Schweiz herrscht wie auch in anderen westeuropäischen Ländern der Trend, dass die Zahl der Gläubigen jährlich zurückgeht. Viele finden in ihrem Alltag keine Bedeutung mehr für die Religion. Dennoch nimmt die Präsenz der Religionsthematik in den Medien zu.  Zu diesem Resultat kamen mehrere Studien des Nationalen Forschungsprogramms (NFP). Wie erklärt man sich bei den Journalisten diese Diskrepanz?

Muslime als Auslöser von negativem Religionsjournalismus
Eine starke Veränderung der religiösen Berichterstattung in der Schweiz findet man in den Monaten nach dem 11. September 2001. Bereits vorher deutete sich jedoch schon ein Umschwung an, der mit der steigenden Anzahl von Muslimen in der Schweiz zu begründen ist. Laut einer Volkszählung aus dem Jahr 2007 leben rund 440‘000 Menschen, die sich zum Islam bekennen, in der Schweiz. Dies entspricht 5,8% der gesamten Bevölkerung.

Die grosse Mehrheit der muslimischen Migranten lebt ihre Religion stärker aus als die christlichen Schweizer. Für viele Schweizer wurde es im Laufe der Jahre unverständlich, dass die Religion für einige Menschen etwas zentral Bestimmendes ist in ihrem Leben.  Deshalb wirkt der Islam für sie befremdlich und beängstigend, nicht zuletzt auch deshalb, weil die Muslime ihre Religion durch äusserliche Merkmale zu erkennen geben. Diese Angst vor dem Unbekannten wurde geprägt und weiter verstärkt durch die negative Konnotation des Islams in den Schweizer Medien.  «Islamismus» nennt sich dieses Konzept, dass seit den 90er-Jahren stellvertretend für den islamische Fundamentalismus steht. Islamismus gilt für viele Menschen seit den Terroranschlägen vom 11. September als die grösste Ursache für Krieg und Menschenrechtsverletzung auf der Welt.

«Religion ohne Sex und Gewalt ist uninteressant»
Es stellt sich die Frage, ob die Medien und der Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) dieser Negativspirale überhaupt entkommen oder gar etwas dagegen tun können.

Der Religionsjournalismusexperte Vinzenz Wyss äusserte sich im Rahmen eines Forschungsprojekts dazu und meinte, dass das Thema Religion besonders in den Printmedien trotz seiner allgemeinen Präsenz kaum «an sich» behandelt werde, sondern fast immer nur im Kontext anderer Themen. Man spreche hierbei von einer Mehrsystemrelevanz. Ein anderer vom Forscherteam interviewter Redakteur ergänzt: „Am besten ist Religion gekoppelt mit Sex, Gewalt, Erziehung, Schule oder Staat. Rein religiöse Fragen sind weniger interessant.“

Weiter meldeten sich im Abschlussbericht des Forschungsprojekts zahlreiche andere Journalisten zu Wort. Sie fassen zusammen, dass die Religion in den Redaktionen generell als ein sehr schwieriges Thema angesehen werde, bei dem man sich leicht die Finger verbrennen könne. Dies erschwere die Recherche, denn vielen kleinen Religionsgemeinschaften fehle auch die professionelle Presseabteilung wie in den grossen Kirchen. Auch gäbe es in der Schweiz kaum Experten für Religionsjournalismus.

Bisher sind die Journalisten und Redaktionen mit diesem Kurs jedoch gut gefahren. Sie geben der Bevölkerung das, was sie sich von Religionsjournalismus erhofft. Die Schweizer zeigen an der Religion an sich kein grosses Interesse mehr, sind aber interessiert daran, wenn diese für Konflikte und Probleme verantwortlich gemacht wird.  Durch diese oft einseitig vermittelte Sichtweise prägte sich auch das Bild der Religion in den letzten 15 Jahren.

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Religionen und ihre Rollenbilder
Dass nicht sämtliche Religionen einen negativen Ruf haben zeigt exemplarisch der Buddhismus. Obwohl es sich auch bei dem Buddhismus um eine fremde Religion handelt wird dieser laut Studien als eine friedlich-gewaltfreie und sozial engagierte Religion fern von dogmatischen Lehren gesehen.

Ausgelöst wird dieses positive Bild des Buddhismus hauptsächlich durch den Dalai Lama. Gefördert wird es dadurch, das dieser alle paar Jahre die Schweiz besucht und einen offenen Dialog mit jungen Schweizerinnen und Schweizern führt. Das Oberhaupt des Buddhismus gibt sich dadurch noch volksnaher als der römisch-katholische Papst und zeigt sich in seinen öffentlichen Reden zusätzlich als nicht-missionierend. Durch den neuen Papst Franziskus wird aber auch das Christentum wieder vermehrt in der Rolle der „Guten Mutter“ gezeigt, wie es die Medienwissenschaftlerin Carmen Koch ausdrückt.
Das Judentum hingegen werde durch den Holocaust und den andauernden Nahostkonflikt vor allem in der Rolle des Opfers präsentiert. Dem gegenüber stehen die Muslime, die fast ausschliesslich in der Rolle des Schuldigen zu sehen seien.

Die Rolle des Dauerschuldigen konnte das Christentum zu grossen Stücken wieder ablegen, seit Benedikt XVI. seinen Rücktritt bekanntgab und die Kindesmissbrauchsfälle in der Kirche von seinem Nachfolger stärker verfolgt werden.

«Auf den einfachsten Nenner gebracht wird das Christentum als die eigene Religion angesehen, zu der man trotz aller Kirchenkritik ein relativ positives Verhältnis hat. Alle anderen Religionen sind „fremd“. Hierbei wird der Buddhismus stereotyp als eine positive Religion, als gewaltfrei, friedlich, einladend und undogmatisch dargestellt. Der Islam wird ebenso stereotyp zum Inbegriff einer negativen Religion erklärt und als gewalttätig, Konflikte produzierend, unterdrückerisch und intolerant empfunden.» (Stolz et al. /MOSAiCH, Schlussbericht: 29)

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