Wer glaubt was? Christliche Glaubensrichtungen im Überblick (3/3)

Vor rund 2000 Jahren predigte ein junger Mann namens Jesus seine Botschaft der Liebe. Gepeinigt von barbarischen Königen und ungerechten Herrschern entdecken die Menschen nach und nach einen neuen Glauben, folgen seiner Lehre und bekennen sich zu Christus. Fast ein Drittel aller Menschen auf der Welt nennt sich heute Christen. Doch wie wird das Christentum heute praktiziert?

Koptische Kirche – Christentum im Orient

tawadros

Tawadros II., der Papst der Kopten

Die koptische Kirche ist die  zentrale christliche Kirche in Ägypten und wird aufgrund ihrer geographischen Lage auch als alexandrinische Kirche bezeichnet. In anderen Teilen von Nordafrika sind die Kopten aber auch präsent, so zum Beispiel im Sudan, in Libyen und zu gewissen Teilen in Algerien. Mitgliederzahlen sind sehr schwer zu ermitteln, man geht aber davon aus, dass heute zwischen 7 und 11 Millionen Menschen der koptischen Kirche angehören. Damit sind die Kopten die grösste christliche Gemeinschaft im Nahen Osten.

Der Legende nach wurde die koptische Kirche von dem biblischen Evangelisten Markus gegründet. Dieser solle während seinem Aufenthalt im Ägypten im Jahr 68 die Grundsteine für die koptische Kirche gelegt haben.
Was Petrus für die Römisch-Katholische Kirche in Rom ist, ist Markus für die koptische Kirche in Ägypten: Er gilt als der erste Bischof von Alexandria und damit als erster legitimer Papst der Kopten. Aufgrund dieser langen Historie ist die koptische Kirche eine der ältesten Kirchen des Christentums.

Die koptische Kirche breitete sich aus und entwickelte sich viele Jahre lang. Ihren ersten Rückschlag erlitt sie im Jahr 451, als im Konzil von Chalzedon eine Abspaltung dreier Gruppen erfolgte. Die Spaltung geschah über die Frage der gott-menschlichen Natur Christi. Die Kirche teilte sich in der Folge in drei Lager auf: die chalzedonische Kirche, die nicht-chalzedonische Kirche und die altorientalische Kirche.

Gut 200 Jahre später, im 7. Jahrhundert,  wurde die Kirche an ihren nächsten toten Punkt geführt, als der Prophet Mohammed im damaligen Arabien den Islam begründete. Der Islam wurde ähnlich wie das Christentum allen Menschen mit Gewalt aufgezwungen. Auch Ägypten wurde von der islamischen Eroberung nicht verschont. Die Kopten wurden verfolgt und ermordet, sollten sie den neuen Propheten Mohammed nicht anerkennen. Auch in der heutigen Zeit werden die Kopten von den Muslimen weiter diskriminiert. Viele Anschläge gehen auf diese Tatsache zurück: so zuletzt ein Bombenanschlag am 1. Januar 2011 in Ägypten, als mehr als 20 Kopten nach einem Neujahrsgottesdienst durch eine Autobombe getötet wurden.

Seit dem 4. November 2012 ist Tawadros II. der koptische Patriarch und Papst auf dem Stuhl des heiligen Markus. Tawadros II. gilt als weltoffen und konsensbereit. Nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt besuchte er andere Länder, so zum Beispiel Deutschland, wo er mit evangelischen und römisch-katholischen Bischöfen Gespräche führte. Auch Papst Franziskus im Vatikan hat er bereits besucht.

Tawadros II. spricht sich offen für die Säkularisierung, also die Trennung von Kirche und Staat, aus: «Wenn Religion und Politik vermischt werden, dann verderben sie einander, die Religion gehört dem Himmel, die Politik der Erde. Wenn wir Religion mit Politik mischen, dann werden beide verlieren.»

Kirche des Nazareners – eine kleine, heilende Weltreligion

Symbol der Kirche der Nazarener

Symbol der Kirche der Nazarener

Gegründet wurde die Kirche des Nazareners vor 106 Jahren in der kleinen Stadt Pilot Point im US-Bundesstaat Texas. Inzwischen hat die Kirche bereits mehr als 1,5 Millionen Mitglieder, die in über 150 Ländern der Erde vertreten sind.

Die Kirche gilt heute als eine Freikirche, die die Heiligungslehre fest in ihrem Glauben verankert hat.

Die Heiligungsbewegung wurde von John Wesley im 18. Jahrhundert begründet. Er lehrte, dass Jesus Christus, der „Nazarener“, durch religiöse und spirituelle Erfahrungen in  seinem Glauben weiter fortschreiten konnte. Nachdem Jesus genug Erfahrungen gesammelt hat erlangte er schliesslich die „Christliche Vollkommenheit“, was so viel bedeutet, dass er jede willentliche Sünde bewusst unterlassen konnte. Dieses Prinzip der Heiligung gelte auch für alle anderen Menschen. Jeder Mensch könne folglich also auch die christliche Vollkommenheit erreichen. Allerdings streitet man sich bis heute, wie diese Vollkommenheit tatsächlich erreicht werden kann: ob allein durch Gottes Gnade wie bei Jesus, oder ob doch die Willensanstrengung das zentrale Mittel ist.

 Presbyterianismus – Christentum in den Highlands

Statue von John Knox vor dem New College in Edinburgh

Statue von John Knox vor dem New College in Edinburgh

Die presbyterianische Kirche wurde von den schottischen  Reformatoren John Knox und Andrew Melville begründet, vertreten und geleitet. Angefangen hat dies im Jahr 1560, als der Reformator John Knox die schottischen Ausprägungen des Christentums im Buch «First Book of the Disciple» festlegte. Später wurde mit dem «Second Book of the Disciple» im Jahr 1578 die Church of Scotland endgültig gegründet.  Knox wendete sich schon früh in seinem Leben von der dekadenten katholischen Kirche ab. Als im Jahr 1533 die katholische Königin Maria Stuart den Thron bestieg, musste Knox nach Genf fliehen, wo er ein Anhänger von Calvin wurde.

Abgeleitet wird das „schottische Christentum“ folglich vom Calvinismus, dem die Reformatoren Knox und Melville angehörten. Presbyteros kommt aus dem Griechischen und heisst übersetzt „der Ältere“. Heute bezeichnet man alle reformierten Kirchen mit schottischen Ursprüngen als presbyterianisch. In der presbyterianischen Kirche wird die Autorität der christlichen Bibel und der Heiligen Dreifaltigkeit betont.

John Knox und Andrew Melville setzten sich eifrig für die Verbreitung ihrer neugeschrieben Glaubenslehre ein. So breitete sich der Presbyterianismus schnell auch in andere Teile des Vereinigten Königreichs aus. Dies gelang unter anderem deshalb, weil die Königin Maria Stuart die neuchristliche Bewegung bedingungslos duldete. Von England aus wurde der presbyterianische Glaube auch nach Kanada und in die Vereinigten Staaten von Amerika überliefert, die heute neben dem Vereinigten Königreich die meisten Mitglieder aufweisen.

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Eine Antwort zu Wer glaubt was? Christliche Glaubensrichtungen im Überblick (3/3)

  1. Thomas Bucher schreibt:

    ..ich wusste gar nicht, dass es so viele christliche Religionen gibt… ich nehme an – da 3/3 – dass es nun alle sind. Was ist das nächste Thema?

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