Domine, quo vadis?

Pünktlich zum höchsten Feiertag des Christentums veröffentlichte «Der Bund» drei Grafiken zum Zustand der Kirche in der Schweiz. So trostlos und ernüchternd wie das nasskalte Osterwetter fallen auch die Resultate der Statistiken aus: Die Dienste der Kirche werden kaum noch genutzt, die Zahl der konfessionslosen Schweizer steigt rasant. Wohin geht die Kirche?

Sowohl für Kleriker als auch für Laien sind die Resultate wohl kaum überraschend. Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass organisierte Religionen bei der progressiven Bevölkerung von heute kaum noch Anklang finden. Trotzdem ist die aus den Statistiken gewonnene Erkenntnis für die Kirchen des Landes sehr bedrückend: Ihre Dienste sind obsolet und redundant. Vor allem bei Hochzeiten ist der Einbruch besonders gravierend.

Nur noch jedes 5. Paar wird kirchlich getraut
Vor zwei Jahren haben sich rund 43000 Paare in der Schweiz zivil das Jawort gegeben. Davon hielten es nur noch 9000 Paare für notwendig, sich zusätzlich auch kirchlich trauen zu lassen. Die katholischen und evangelischen Traualtäre blieben in den letzten Jahren so verwaist wie noch nie. Zum Vergleich: Vor 20 Jahren waren es 60 Prozent mehr, die vor Gott ihre Liebe schworen.

Bei Taufen ist ebenfalls ein Rückschritt zu verzeichnen, auch wenn dieser weit weniger einschneidend ist als der von kirchlichen Trauungen: Von den rund 82000 geborenen Kindern in der Schweiz wurden knapp 36000 getauft – nicht einmal mehr jedes zweite.

Das Zeremoniell des Ablebens findet aber weiterhin in den Bethäusern statt und bleibt auch zukünftig eine der Hauptaufgaben der institutionalisierten Kirchen: Rund 64000 Menschen starben 2012 in der Schweiz, davon wurden fast 49000 kirchlich bestattet.

Konfessionslose Schweiz
Mehr als jeder fünfte Schweizer gehört heute offiziell keinem Glauben mehr an. Besonders in der Westschweiz und um Basel leben bemerkenswert viele Konfessionslose. In Waadt und Solothurn sind es jeweils 27 Prozent, in den Kantonen Genf und Neuenburg ist gar mehr als jeder Dritte konfessionslos. Spitzenwerte erreicht Basel-Landschaft: 44 Prozent aller Einwohner sind ohne Konfession.

Fernab von diesen hohen Zahlen befindet sich fast kein Kanton: Lediglich die erzkatholischen Glaubenshochburgen Uri (8%) und Appenzell-Innerrhoden (7%) weisen Werte unter 10 Prozent auf.

Ärgerlich ist, dass bei der Umfrage vom Bund bei den Konfessionslosen nicht zwischen Atheisten und Freikirchlern unterschieden wurde. Es existieren deshalb keine repräsentativen Zahlen darüber, wie viele Schweizer ihr Leben ohne Gott führen.

Herr, wohin willst du gehen?
Die stark voneinander abweichenden Resultate von Taufen und Bestattungen beweisen: Lediglich die ältere Generation der Schweiz hat noch eine wahrhaft existierende, innige Bindung zu der katholischen und evangelischen Kirche. Junge Gläubige suchen ihr Seelenheil in den Freikirchen des Landes, die mit dem frischeren Charme und dem vermittelten Gemeinschaftsgefühl auch langjährig glaubensleere Jugendliche wieder anlocken können.

Nebst dem biederen Auftreten schneiden sich die konservativen Kirchen mit dem konsequenten  Ausschluss von Atheisten aus sämtlichen sakralen Lebensabschnitten zusätzlich gleich doppelt ins eigene Fleisch. Diese verirren sich nämlich auch im Falle des wiederkehrenden Glaubens kaum noch in die verstaubten Glaubenshäuser zurück.

Zu verkrustet und eingefahren ist diese Trendwende. Der institutionalisierte Glaube hat ausgedient. Die vom Bund ausgewerteten Statistiken haben gezeigt, dass sich die katholischen und evangelischen Kirchen, zumindest in der Schweiz, zurzeit auf ihrem eigenen, letzten Kreuzgang befinden.

Die ausführlichen Statistiken und Grafiken findet ihr auf Der Bund.

 

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