Interview: Mundart-Rapper Melo

Am 13. Juni erscheint mit «Transfer» das erste Studio-Album des Luzerner Rapkünstlers Melo. Das Album verbindet ein breites Themenspektrum mit melodiösen Refrains. Eine tiefgründige Reise, auf der Gesellschaftskritik ebenso Platz findet wie Selbstreflexion und ironische Passagen. 

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Der Luzerner Mundart-Rapper Maurus „Melo“ Unternährer. Pressebild

Sandro Bucher: Melo, Du rappst bereits seit über 10 Jahren. Welche wichtigen Erfahrungen konntest du in dieser Zeit machen?

Melo: In den letzten Jahren habe ich durch die Musik viele Leute kennengelernt. Nebst den Erfahrungen mit Auftritten und allem, was dazugehört, habe ich vor allem durch das aktuelle Album gelernt, ein Projekt selber zu managen und mich zeitlich zu organisieren.

SB: Wie hat sich dein Stil in diesen Jahren verändert?

Melo: Ich denke, dass das aktuelle Album im Vergleich zu früher viel melodiöser daherkommt. Man entwickelt sich automatisch weiter mit jedem neuen Song, den man schreibt. Ebenfalls verändern sich mit den Jahren auch die persönlichen Ansichten, die sich dann thematisch in den Texten widerspiegeln.

SB: Was fasziniert dich am meisten an der Hip-Hop-Szene?

Melo: Mich fasziniert, dass so viele Leute produktiv sind und ihre Energie in etwas investieren, was ihnen in erster Linie Spass macht. Eine grosse Karriere mit dieser Musik ist hierzulande nicht sehr realistisch. Dass so viele Leute sich trotzdem seit Jahren dieser Musik widmen, beweist, dass sie mit Herzblut bei der Sache sind.

SB: Dein Album heisst «Transfer». Was hat es mit diesem Namen auf sich?

Melo: Transfer steht in erster Linie für den Wandlungsprozess, den ich in den letzten Jahren durchlaufen habe. Wie bereits erwähnt, sind meine Ansichten nicht mehr die gleichen wie vor zehn Jahren. Der Wandlungsprozess ist jedoch stetig. Dieses Album ist sozusagen ein Standbild, eine Momentaufnahme. Wahrscheinlich werde ich in ein paar Jahren wieder mit einem Lachen auf das aktuelle Album zurückblicken können. *lacht*

SB: Was ist das zentrale Thema deines Albums?

Melo: Das Themen-Spektrum der einzelnen Songs ist meines Erachtens sehr breit. Es reicht von Gesellschaftskritik über Storytelling bis hin zu selbstironischen Songs. Über das ganze Album gesehen, denke ich, passt es als Gesamtpaket zum Albumtitel.

SB: Für jemand, der noch nie von Melo gehört hat: Was kann man von dir und deiner Musik erwarten?

Melo: Man kann ehrliche Songs erwarten. Themen, die in irgendeiner Art und Weise jeden beschäftigen. Bei der Wahl der Instrumentals habe ich aber darauf geachtet, dass es abwechslungsreich ist. Ich wollte kein Album machen, auf dem jeder Song gleich klingt. Es hat also für jeden Geschmack etwas dabei.

SB: Vor einem Monat erklomm der Luzerner Rapper Mimiks die Charts. Viele Szenekenner sprachen dabei von einem «Frühling des Schweizer Hip-Hops». Warum befindet sich die Rap-Szene in der Schweiz wieder im Aufwind?

Melo: Das ist schwer zu sagen, es kann viele Gründe haben. Einerseits denke ich, ist es eine Art Modeerscheinung. Vor zehn bis 15 Jahren war Schweizer Rap beispielsweise sehr gross. Danach flachte es ein wenig ab. In den letzten Jahren scheint Schweizer Rap die Leute wohl wieder zu erreichen. Andererseits sind es vielleicht auch die Möglichkeiten der Technik. Heute hat eigentlich jeder die Möglichkeit, etwas aufzunehmen und es ins Internet zu stellen. Man braucht auch nicht mehr ein Major-Label, um erfolgreich und professionell zu sein, wie z. B. Cro in Deutschland.

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Link zum Musikvideo ‚Land in Sicht‘ auf YouTube

Dieses Interview findet ihr auch auf rontaler.ch

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