Der Nahe Osten im Auge der ISIS

Irak, Syrien, Israel, Jordanien und der Libanon sollen wieder islamische Gottesstaaten werden. Das ist das Ziel der militanten Terrororganisation ISIS. Die gewaltsame Errichtung einer Theokratie forderte schon viele Menschenleben und legt den Orient in Trümmer. 

isis

Die Terrororganisation ISIS findet im Nahen Osten immer mehr Anhänger und gewinnt an Stärke. Photo: @RH1435/Twitter

Samstag, 30. Dezember 2006: Der irakische Diktator Saddam Hussein wird hingerichtet. Mit seinem Tod endet das Jahr und die latente Ordnung, die er in seinem Staat aufrechterhalten hat.

Bis zu seiner Hinrichtung lebte die Bevölkerung des Irak unter einem gewaltsam-repressiven Regime. Die Brutalität des Diktators lieferte den Schutz und die Stabilität, die der Irak augenscheinlich brauchte. Als das Land von den USA invadiert und Hussein von seinem Posten verdrängt wurde, erzeugte dies ein „Macht-Vakuum“, dass verschiedene Fraktionen und Interessengruppen zu füllen versuchen – bis heute.

Aufstieg der ISIS

In den letzten 6 Monaten brachte eine Gruppe namens ISIS (Islamischer Staat Irak Syrien) mit einer ähnlichen Philosophie wie die Al-Qaeda mehrere dutzende Städte im Irak und in Syrien erbarmungslos unter ihre Kontrolle. Das gelang ihnen durch die Zusammenarbeit mit Dschihadisten und Salafisten, die zeitgleich gegen das Assad-Regime in Syrien kämpfen. Die hauptsächlich aus Sunniten bestehende Terror-Organisation will die säkular-schiitische Regierung des Irak stürzen und einen autonomen islamischen Staat errichten.

Eroberung einer Millionenstadt

Die ISIS-Terrormiliz überrannte Mitte Juni die zweitgrösste Stadt im Irak – Mossul. Die Millionenstadt ist seither in ihrer Kontrolle. Mit dieser Eroberung bewiesen die Dschihadisten, dass sie das Potential haben, sich auch dichtbevölkerten Gebieten zu ermächtigen. Auch Tikrit befindet sich seit einigen Tagen in der Gewalt der ISIS. Die Heimatstadt Saddam Husseins ist neben ihrem symbolischen Wert auch wirtschaftlich eine bedeutungsvolle Stadt, da sie über ausserordentlich viele Ölfelder verfügt.

Widerstandsloser Vormarsch

Die Machtkämpfe fielen bisher nicht so gewalttätig aus wie erwartet, da das irakische Militär auf die zahlreichen Angriffe nicht vorbereitet war und frühzeitig von den Schlüsselpositionen floh. Auch hunderttausende Zivilisten befinden sich momentan auf der Flucht, mit dem einzigen Ziel, die eingenommenen Städte hinter sich zu lassen. Genauso viele Zivilisten schliessen sich der ISIS an, da sie sich von der Organisation wieder eine Stabilität erhoffen, die ihnen durch den Tod Husseins entrissen wurde.

Da ISIS durch die eingeschüchterte Bevölkerung immer mehr Eigendynamik entwickelt, rücken sie ihrem grossen Ziel immer näher: Die Eroberung der Landeshauptstadt Bagdad.

Weltweite Sorgen

Eine längerfristige Machtübernahme des Nahen Ostens durch ultrakonservative Islamisten hätte weltweit verheerende Folgen. Deshalb intervenieren verschiedene Schlüsselstaaten. Diese wollen zur Schlichtung beitragen oder zumindest ihre eigene Sicherheit gewährleisten.

Die Vereinigten Staaten von Amerika unterstützen mit humanitärer und materieller Hilfe die korrupte al-Maliki Regierung, die de jure weiterhin die volle Kontrolle über den Irak hat. Kurdistan schliesst eine Einmischung in den Konflikt mit ihrer autonomer Militärkraft nicht aus. Die Türkei als NATO-Mitglied fordert eine sofortige Lösung des Problems durch das internationale Militärbündnis, da zurzeit immer noch 49 ihrer Bürger von ISIS gefangen gehalten werden.

ISIS ante portas

Eine grösstenteils gewaltlose Übernahme von Bagdad durch ISIS ist nicht unwahrscheinlich. Viele der irakischen Kämpfer sind nicht bereit ihr Leben zu geben um eine Stadt zu verteidigen, die keine starke Regierung hat. Diese defätistische Resignation legitimiert in vieler Hinsicht die bedrohliche Warnung, die ISIS beim Betreten von Städten und Dörfern ausspricht: „Legt eure Waffen nieder. Wir werden entweder eure Stadt einnehmen oder hier sterben.“

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