Christliche Premieren

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Der geschichtliche Wahrheitsgehalt vieler biblischer Begebenheiten darf zu Recht angezweifelt werden. Durch intensive Spurensicherung in Evangelien und zeitgenössischen Inschriften vermögen Historiker trotzdem, ein authentisches Bild der Entstehungsgeschichte des Christentums zu zeichnen. Wie hiess der erste Christ in Europa? Wann wurde das Kruzifix zum ersten Mal als Glaubenssymbol verwendet? Wie viel wissen wir über den Beginn des Glaubens?

Das erste Kreuz

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Im Obergeschoss eines Hauses in Herculaneum fand man den Abdruck eines Kreuzes in der Wand. Foto: Bruder-Dienst

Das traurige Schicksal der italienischen Landstadt Pompeji ist auch heute vielen Menschen noch präsent. Im Jahr 79 wurde die Stadt am Golf von Neapel von einer Vulkankatastrophe heimgesucht und durch die Folgen des Ausbruchs komplett unter einer zwölf Meter dicken Schicht aus Asche und Bims bedeckt.

Das Leben einer Kleinstadt wurde vollständig konserviert. Diese Tragödie stellte sich als Glücksfall für neuzeitliche Wissenschaftler heraus, denn nirgends sonst verfügt man über eine so unverfälschte und reine Momentaufnahme des Lebens vergangener Tage.

1813 wurde bei Ausgrabungsarbeiten in den Ruinen der Stadt eine Art Bäckerei freigelegt. Gegenüber der Eingangstür stiessen die Forscher auf einen unglaublichen Fund: Ein Abdruck eines christliches Kreuzes im Wandverputz.

Bisher gingen Historiker davon aus, dass sich das Kruzifix als christliches Glaubenssymbol erst viel später durchgesetzt hat, nicht bereits 40 Jahre nach der Kreuzigung Jesu. 1938 bestätigte sich bei Forschungen in der Nachbarstadt Pompejis, Herculaneum, dass das Kreuz im Bäckerladen kein Zufall war. Auch hier stiess man im Obergeschoss eines Familienhauses auf die Überreste eines Kreuzes an der Wand.

Quelle:

  • Eckhard J. Schnabel: Urchristliche Mission. TVG, 2002, S. 795
  • Leo G. Linder: Jesus, Paulus & Co. Gütersloher Verlagshaus, 2013, S. 238ff.

Die erste Kirche

Im Jahr 313 wird das Christentum zur offiziell bevorzugten Religion des Römischen Reichs ausgerufen – nur zwei Jahre nachdem die erste Christenverfolgung ihr Ende nahm. Hauptverantwortlich dafür war Kaiser Konstantin, der die Welt in vieler Hinsicht veränderte: Er schaffte den Kaiserkult ab und erliess zahlreiche Gesetze, die von christlichen Moralvorstellungen und –werten geprägt waren. Bis heute machen sich die erlassenen Gesetze von Konstantin bemerkbar: Er führte den Sonntag als Ruhetag ein.

Zwei Jahre nach seinem Amtsantritt liess er bedürftige Familien mit Kleidern und Nahrung versorgen. Finanziert wurde dies ausschliesslich aus des Kaisers Kassen.

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Die heutige Basilika von Aquileia. Foto: JÖRG/HolidayCheck

Ob Konstantin Christ war, oder ob er die Religion hauptsächlich als Opium für das Volk missbrauchte, sei dahingestellt. Dass sich seine Handschrift durch die ersten, entscheidenden Entwicklungsphasen des Christentums zieht ist jedoch nicht zu dementieren. So war er es, der erstmals ein christliches Kirchenbauprogramm in die Wege geleitet hat.

Die allererste Kirche entsteht im Jahr 314 in der Stadt Aquileia in der italienischen Provinz Udine, 45 Kilometer von Triest entfernt.

Natürlich gab es bereits vor dem Bau dieser Kirche zahlreiche Haus- und Saalkirchen, doch keine dieser Kirchen wurde mit dem Ziel erbaut, ausschliesslich Christen in ihrer Glaubenspraktizierung zu dienen. Immerhin hätte man damit bis vor 313 einen Märtyrertod riskiert.

Auch in der Kirche Aquileias hielt man sich ursprünglich mit offenen Bekenntnissen zurück: Während noch keinerlei Symbolik auf dem Mosaikfussboden oder an Wänden zu finden war, fand man diese erstmals in der zweiten Kirche, die wenige Jahre später neben ihr erbaut wurde.

Quelle:

  • Reisebuch.de: http://bit.ly/1sn7kp6 (16. Juli 2014)
  • Leo G. Linder: Jesus, Paulus & Co. Gütersloher Verlagshaus, 2013, S. 245ff.

Der erste Christ in Europa

Wir [Lukas, Silas und Paulus] legten von Troas ab und gelangten auf dem kürzesten Weg nach Samothrake; am folgenden Tag erreichten wir Neapolis.“ (Apg 16,11)

Nahe der Bucht von Neapolis betrat Paulus der Bekehrer zum ersten Mal europäischen Boden. Nur wenige Tage nach ihrer Ankauft reisten er, Silas und Lukas weiter nach Philippi. Zu dieser Zeit war Philippi, der angebliche Geburtsort Lukas‘, noch eine römische Kolonie.

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In Philippi spricht Paulus zu einer kleinen Gruppe Juden. Unter den Zuhörern befindet sich auch die zukünftige erste Christin in Europa. Foto: Ultimate Bible Picture Collection

In Philippi trafen die Reisenden auf eine kleine Gruppe Juden, die sich zum Gebet versammelt hatten. Man setzte sich dazu und kam mit einer Frau ins Gespräch: Lydia, eine Purpurhändlerin aus Thyatira in Kleinasien. Ihre anfängliche Skepsis schien schnell verschwunden: „Eine Frau namens Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; sie war eine Gottesfürchtige, und der Herr öffnete ihr das Herz, so dass sie den Worten des Paulus aufmerksam lauschte.“ (Apg 16,14)

Sie liess sich noch an Ort und Stelle taufen und nahm Paulus und seine Begleitschaft bei sich auf: „Vom Gefängnis aus gingen die beiden zu Lydia. Dort fanden sie die Brüder, sprachen ihnen Mut zu und zogen dann weiter.“ (Apg 16,40)

Der erste Christ in Europa war also eine Christin. Fortan liess sie die wachsende christliche Gemeinde in Philippi in ihrem Haus versammeln. Im Philipperbrief erwähnt Paulus zusätzlich auch die besondere finanzielle Hilfe durch die Gemeinde, die sie auf späteren Reisen unterstützte.

Quelle:

  • Wikipedia.de: http://bit.ly/1jwRYvk (16. Juli 2014)
  • Jean-Pierre Sterck-Degueldre: Eine Frau namens Lydia. Mohr Siebeck, 2004, S. 114
  • Leo G. Linder: Jesus, Paulus & Co. Gütersloher Verlagshaus, 2013, S. 200
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