Auserwählt von den YouTube-Göttern

Fünf Jahre lang hat mein kleines Gaming-Video auf YouTube rund 200 Views pro Tag verzeichnet. Seit dem 1. April jedoch sind es über 30 000. Und das durch reinen Zufall.

Eigentlich hausiere ich damit nicht sehr gerne. Aber ich habe einen kleinen Gaming-Channel auf YouTube, der sich primär mit der Computerspielserie «The Elder Scrolls» beschäftigt. Elder Scrolls ist eine aus Rollenspielen bestehende Game-Reihe, die derzeit zwölf Titel umfasst. Seit dem Release des fünften Teils ist Elder Scrolls auch einem grösseren Publikum bekannt: Mit 20 Millionen verkauften Kopien ist «Skyrim» (2011) eines der zwanzig meistverkauften Spiele aller Zeiten.

Meine Videos jedoch können weder mit dem Erfolg des Spiels, noch mit den professionellen Produktionen der Berufs-YouTuber mithalten: Sie sind schlecht geschnitten, haben kein Konzept und entstehen je nach Lust und Laune. Kurz: Sie bieten selten einen Mehrwert ausserhalb der reinen Unterhaltung.

So auch mein bisher einziges, erfolgreiches Video: Zu sehen ist ein Zauberer auf der Insel Vvardenfell, dem Spielort von «Morrowind» (2002). Durch geschicktes Austricksen des Leveling-Systems habe ich es geschafft, dass der «Akrobatik-Level» meines Charakters bei 3000 ist. Normalerweise ist das Level-Maximum bei 100. Das heisst, dass mein Charakter mit einem einzigen Hüpfer vom südöstlichsten bis zum nordöstlichsten Punkt der Map fliegen kann. Das scheint den Leuten zu gefallen, immerhin verzeichnete das Video über die letzten fünf Jahre rund 200 Views pro Tag.

Von zwei zu über 50 Kommentaren am Tag

Durch Sinnlos-Videos wie diese habe ich es geschafft, in den letzten elf Jahren rund 600 treue Abonnenten an meinen Channel zu binden. Laut der Social Media-Statistikwebsite «SocialBlade» lande ich damit auf dem ernüchternden, 2 000 000sten Platz der erfolgreichsten YouTube-Channel.

Da YouTube für mich aber von Anfang an nur ein Hobby war, war ich damit zufrieden. Ich erfreute mich an den rund zwei Kommentaren pro Tag und versuchte den Gamern, die sich nach dem Spielen von Skyrim auch über die früheren Teile der Serie informieren wollten, ein paar Tipps zu geben.

Am ersten April jedoch wurde diese familiäre Idylle zerstört: Plötzlich wurde ich auf dem Smartphone nicht mehr über zwei neue Kommentare pro Tag benachrichtigt. Viel mehr waren es um die fünfzig. Und sie alle galten dem springenden Zauberer, der seinen majestätischen Hopser für mittlerweile 30 000 Menschen pro Tag vollführt.

Kommentarflut bei Spurensuche

Ich ging davon aus, dass eine grössere Gaming-Seite das Video entdeckt und es in einem Beitrag geteilt hat. Dies, weil das in den letzten fünf Jahren bereits zwei, dreimal passiert ist. Doch die Videostatistiken zeigten, dass es etwas Anderes sein musste: Der Zugriff durch externe Quellen lag weiterhin bei 4 Prozent.

Als ratloser YouTube-Laie habe ich deshalb einfach mal in die Kommentarspalte gefragt, woher sie denn alle kommen. Nach nur fünf Minuten erhielt ich schon dutzendmal die gleiche Antwort: Das Video ist in der «Empfohlen»-Liste aufgetaucht, die seit einigen Jahren prominent und auf jeden persönlich zugeschnitten auf der Startseite von YouTube präsentiert wird.

Einer der Kommentatoren fasste diese kuriose Situation am besten zusammen: «You’ve been chosen by the YouTube Gods». Denn das Video landete nicht nur bei Gaming-interessierten Usern. Sondern auch bei Menschen, die sich überhaupt nicht für diese Materie interessieren und noch nie etwas von Elder Scrolls gehört haben.

Geld und Abonnenten durch «Fehler»

Wieso der YouTube-Algorithmus mein fünf Jahre altes Video plötzlich in die Empfohlen-Liste von mindestens 300 000 Usern gespült hat, kann wohl nie abschliessend geklärt werden. Auch frage ich mich, wie vielen weiteren unbekannten YouTubern dies auch schon widerfahren ist.

Was mir jedoch klar wurde, ist, wie einflussreich die Videoplattform von Google sein kann: durch diesen «Algorithmus-Fehler» habe ich in den letzten fünf Tagen rund 150 neue Abonnenten gewonnen. Ebenso durfte mir Google gestern einen dreistelligen Betrag überweisen, da ich vor dem Video Anzeigen geschaltet habe. Und es scheint, als würde dies noch einige Tage so andauern. Ohne, dass ich wirklich etwas dafür geleistet habe.

«Verleger werden die guten Journalisten nicht halten können»

Vom Macher zum Denker: Nach seinem Abgang bei «watson» denkt Hansi Voigt intensiv über die Zukunft des Journalismus nach. Ein Gedankenprotokoll, aufgezeichnet durch Sandro Bucher und Janosch Tröhler.

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Hansi Voigt – vom Macher zum Denker. (Bild: JANOSCH TRÖHLER)

Guter Journalismus wird nie gratis sein. Das ist eine Illusion. Bis jetzt finanzieren sich die Verlage durch Aufmerksamkeit – monetarisiert dank Werbung. Das funktioniert allerdings immer weniger, weil das Publikum den klassischen Werbefeldern immer weniger Beachtung schenkt. Leserinnen und Leser zahlen auch mit ihren Daten wie bei Facebook. Auch da können sich die Verleger überlegen, wie sie diese Informationen zu Geld machen können.

«Katzenvideos werden die Demokratie nicht bewahren»

Letztlich sind es bloss pauschale Fragen rund um das Finanzierungsmodell der Werbung, die ganz klar einen trashigen Journalismus fördern. «Watson» hat neben volkswirtschaftlichen Analysen auch Katzenvideos produziert. Weshalb? Weil ein Artikel, für den der Journalist einen Tag investiert hat, nicht ohne die Quersubventionierung durch die Aufmerksamkeit des Catcontents finanziert werden kann.

Weiterlesen auf presseverein.ch.

 

 

Von Sportlern mit Superkräften und breitbeinig sitzenden Männern

Von Februar bis Juni 2016 habe ich ein Praktikum bei der in der Schweiz führenden Fachredaktion für Wissenschaftsjournalismus, Scitec Media, absolviert. Während dieser Zeit entstanden sieben Artikel, die in den Wissensseiten der 20 Minuten publiziert wurden. Hier kann man sie nachlesen.

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Bild: SANDRO BUCHER

Sport-Asse haben den Zoom-Blick

Erfolgreiche Sportler haben die Fähigkeit, Bälle vergrössert zu sehen. Das lässt sich trainieren. Link zum Artikel.

Schizophrenie trifft Flüchtlinge häufiger

Millionen Menschen sind heute auf der Flucht. Darunter leidet ihre psychische Gesundheit. Link zum Artikel.

Sexistische Games rauben Männern das Mitgefühl

Durch das Spielen von sexistischen Games empfinden Männer weniger Mitgefühl für weibliche Gewaltopfer. Das zeigt eine US-Studie. Link zum Artikel.

Männer, die breitbeinig im ÖV sitzen, nerven Frauen

Viele Männer spreizen beim Sitzen ihre Beine weit auseinander. In den USA geht man nun dagegen vor. Link zum Artikel.

Schon ein gelegentlicher Klaps schadet Kindern

Schweizer Eltern ist es erlaubt, ihre Kinder zu schlagen. Doch bereits einige Ohrfeigen schaden, zeigt eine US-Studie. Link zum Artikel.

Mit diesen cleveren Tricks lernen sie viel leichter

Viele Lehrlinge und Studenten bereiten sich derzeit auf ihre Abschlussprüfungen vor – die meisten jedoch falsch. 20 Minuten zeigt, wie es richtig geht.
Link zum Artikel.

Unsere Vorurteile beeinflussen, wie gut Kinder lesen

Mädchen lesen besser als Jungs. Doch wird die Lesefähigkeit unter spielerischen Bedingungen getestet, wendet sich das Blatt. Link zum Artikel.

Interviews mit zwei atheistischen Flüchtlingen

Wie viele Flüchtlinge aus muslimischen Ländern Atheisten sind, wisse niemand. Manchmal werde ihnen nicht geglaubt. Und oft würden sie sich vor Mobbing oder Gewalt fürchten, schreibt Die Zeit. Auf diesem Blog habe ich bereits zwei Flüchtlinge aus Nationen mit der Staatsreligion Islam vorgestellt.

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Bild: SANDRO BUCHER

«Ich habe immer noch Hoffnung» – Interview mit Kacem El Ghazzali, Marokko

Weil er nicht an Gott glaubt, wurde Kacem El Ghazzali in seiner Heimat Marokko mehrfach attackiert und mit dem Tod bedroht. Vor vier Jahren ist der 24-Jährige in die Schweiz geflüchtet und hat sein altes Leben hinter sich gelassen. Seine Überzeugung bleibt ungebrochen, auch wenn er damit weiterhin sein Leben riskiert. Link zum Interview.

«Es besteht die Gefahr eines Bürgerkriegs» – Azam Khan, Bangladesch

Anfang April wurde der säkulare Blogger Nazimuddin Samad in Bangladesch auf offener Strasse ermordet. Wie bereits sechs Kritiker des radikalen Islamismus vor ihm. Einer von Nazimuddins Freunden, Azam Khan, lebt heute in der Schweiz. Auch er steht auf einer von islamistischen Gruppen zusammengestellten Todesliste von Atheisten. Link zum Interview.

Warum geniesst die katholische Kirche wieder mehr Vertrauen?

Laut einer österreichweiten Umfrage zum Thema Glaubwürdigkeit geniesst die katholische Kirche das Vertrauen von 46 Prozent der Bevölkerung. Das sind elf Prozent mehr als im letzten Jahr. Wie dieser Aufstieg zu erklären ist, zeigt unter anderem ein Blick auf die anderen Gewinner und Verlierer dieser Umfrage.

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Der Vatikan geniesst, zumindest in Österreich, wieder ein hohes Mass an Vertrauen. (Foto: ISABELLA PECHLIVANIS/pixelio.de)

Fast jeder zweite Mensch in Österreich schenkt der katholischen Kirche sein Vertrauen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage, die unter anderem von dem sozialwissenschaftlichen Institut Sora durchgeführt wurde. Und auch bei den abgefragten Persönlichkeiten glänzt die Kirche: Papst Franziskus erreicht mit 82 Prozent den zweiten Platz hinter Ski-Star Marcel Hirscher, dem 83 Prozent der befragten Personen vertrauen.

Was glaubwürdig macht

Auch wenn Katholikinnen und Katholiken in Österreich noch immer in der Mehrheit sind (60 Prozent), überrascht dieses hohe Mass an Vertrauen. Vor allem, wenn man sich ansieht, anhand welcher Eigenschaften das Vertrauen gemessen wurde:

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(Screenshot: Folie klar.SORA Glaubwürdigkeitsranking 2016)

Die stärksten statistischen Zusammenhänge mit Glaubwürdigkeit zeigen laut den Befragern folgende Beschreibungen: «ist ehrlich», «tut, was er/sie sagt» und «hält, was er/sie verspricht»; fast gleich stark wirken «ist offen und transparent» sowie «bei ihm/ihr passt alles zusammen», schreibt ORF.

Auch ohne viel Zynismus und Spott ist kaum von der Hand zu weisen, dass viele dieser Eigenschaften bei der katholischen Kirche nur wenig oder gar nicht zutreffen. Wie aber sind diese positiven Entwicklungen dann zu erklären?

«Der Franziskus-Effekt»

In den Skandaljahren 2010 bis 2013 verlor die Kirche nicht nur ihre Glaubwürdigkeit, sondern auch das Vertrauen hunderttausender Katholiken. Viele Gläubige konnten über die Pädophilie-Vorwürfe an ranghohen Bischöfen, Priestern und Pfarrern nicht hinwegsehen und wendeten der Kirche den Rücken zu. Die Beliebtheit der Kirche war auf einem neuen Tiefpunkt, die Zahl der Kirchenmitglieder sank täglich im vierstelligen Bereich.

Damals stellten sich viele Theologen und Laien nach dem Rücktritt von Benedikt XVI. die Frage: Kann ein einzelner Mann das Schiff Petri wieder auf Kurs bringen? Mittlerweile hat Franziskus bewiesen: Ja, er kann. Auch wenn er im Vatikan selbst nur wenig bewegt, findet durch seine zukunftsgerichteten und liberalen Aussagen ein Umdenken in der Öffentlichkeit statt. So wie vor ein paar Tagen, als er sagte, dass Homosexuelle, Frauen, Geschiedene und ausgebeutete Kinder eine Entschuldigung für ihre Behandlung durch die Kirche verdient haben.

Seit Franziskus Papst ist, findet ein Akt der Entrümpelung altbewährter Traditionen und Ansichten statt. Denn auch ihm war klar, dass an ihm die Glaubwürdigkeit der Kirche neu bemessen werden würde. So hat der sogenannte «Franziskus-Effekt» auf jeden Fall sehr viel damit zu tun, dass die Kirche derzeit einen Frühling der Vertrauenswürdigkeit erlebt.

Schwere Zeiten

Ein nicht minder wichtiger Faktor ist die momentane gesellschaftliche und politische Unsicherheit in Europa: Viele Menschen, auch solche, die sich nicht als Christen bezeichnen, verlangen derzeit von den Kirchen klare Haltungen und Mithilfe bei aktuellen Problemen, wie beispielsweise der Flüchtlingssituation. Denn dass sich Menschen in Krisensituationen oft zum Glauben hinwenden oder sich wieder ihrer religiösen Wurzeln bewusst werden, zeigte sich in der europäischen Vergangenheit schon des Öfteren.

Auch drückt sich die momentane Unsicherheit in den anderen Ergebnissen der Glaubenswürdigkeits-Umfrage aus: Der österreichischen Regierung vertrauen nur noch 30 Prozent (-7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr), der EU-Kommission 25 Prozent, Eva Glawischnig, einer österreichischen Grünen-Politikerin, nur noch 42 Prozent (-9 Prozent) und  Angela Merkel nur noch 45 Prozent (-25 Prozent!).

Der Heilige Zeitgeist

Zurzeit wird in der Schweiz über die «Ehe und Adoption für alle» diskutiert. Während neben liberalen Bewegungen sogar Theologiestudentinnen und -studenten diese Forderung unterstützen,  halten sich die Landeskirchen mit ihrem Zuspruch zurück. Nicht zuletzt, weil der Appell eine theologische Grundsatzfrage tangiert: Wie weit darf sich die Kirche dem Zeitgeist anpassen?

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Wie weit darf sich die Kirche aus theologischer Sicht dem Zeitgeist anpassen? (Bild: katholisches.info)

Die Menschen der Katholiken-Hochburg Irland haben mit ihrem Ja zur Heirat für gleichgeschlechtliche Paare vor rund einem Jahr eindrücklich gezeigt, dass konservative Kirchenkreise zumindest in dieser Gesellschaftsfrage den Kontakt zur Basis komplett verloren haben. Von einem «substanziellen Riss zwischen der katholischen Kirche und der Gesellschaft» sprach der Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, und bewertete den Ausgang des Referendums im Interview mit der Internetplattform „Vatican Insider“ als «Zeichen einer Kulturrevolution».

Kampf in der Schweiz

Von diesem irischen Revolutionsgeist beflügelt, kämpfen in der Schweiz unter anderem die Grünliberale Partei und die politische Bewegung «Operation Libero» für die Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften und die daraus entstehende Familienformen.

Währenddessen befürchten Gegner dieser Forderung, dass durch die Ehe für alle das traditionelle Familienbild geschwächt wird: «Es ist an der Zeit, die Demontage der traditionellen Familie zu stoppen», sagt EDU-Politiker Marco Giglio, Co-Präsident eines Komitees, dass die «Homo-Ehe» verhindern will. «Die Ausdehnung der Schwulenrechte ist ein Angriff auf die Familie.»

Kirche im Dilemma

Dass in der heutigen Zeit noch immer von einer traditionellen Familie gesprochen wird, ist eine Desavouierung des Zeitgeistes. Denn Familienkonstellationen und Lebensformen, die von der Tradition abweichen, sind längst gesellschaftliche Realität. Auch in der Schweiz. Trotzdem verzichten die hiesigen Landeskirchen immer noch darauf, klar Stellung zu beziehen.

Und das, obwohl eine Anpassung des Eherechts gar kein fundamentaler Umsturz der theologischen Stossrichtung der Kirche wäre. Schliesslich stammt das gesamte Eherecht in seinen Wesenszügen erst aus dem Hochmittelalter. Das erwähnt auch der österreichische Theologe Horst Herrmann in seinem Buch «Die sieben Todsünden der Kirche» und stützt damit seine These: «Die Kirche versucht noch immer, hundertfältig vorgenommene Adaptionen an vergangene Gesellschaftsformen und Ideologien als zeitlos gültige Aussageweisen auszugeben».

Klare Stellungnahme fehlt

Der Schweizer Theologe Walter Ludin kommt zum selben Schluss: «Vor Jahrhunderten hat sich die Kirche an den damaligen Zeitgeist angepasst. Nun tut sie so, als ob sie dabei ewige Wahrheiten verkünden würde», schreibt der Kapuziner in einem aktuellen Kirchenblog. «Gleichzeitig weigert sie sich, sich an heutige kulturelle Standards anzupassen. Zum Beispiel an demokratische Strömungen. Lieber bleibt sie monarchisch und behauptet, Jesus habe es so gewollt.»

Das Eherecht ist also kein in Stein gemeisseltes Dogma. Dennoch ist die Öffnung der Ehe eine ethische und moralische Grundsatzfrage, die die Geister scheidet und bis in den Kern des christlichen Familien- und Gesellschaftsbilds bohrt. Gerade deshalb ist es für die Landeskirchen unabdinglich, sich auch bei derart heiklen Gesellschaftsfragen zu äussern; was noch keine endgültige Positionierung an einer der polarisierenden Fronten zur Folge haben muss. Im Zentrum steht, wie bei jeder Debatte, die Suche nach Integration gesellschaftlicher Gegensätze, geleitet von den Mechanismen der demokratischen Auseinandersetzung. Keiner monarchischen.

Interview: Zeremonienleiter Daniel Stricker

Für immer mehr Menschen hat Religion keine Bedeutung mehr. Doch auch religionsferne Menschen werden bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen zeitweilig mit einem Besuch in der Kirche konfrontiert. Um diesen Konflikt zu verhindern, bietet Daniel Stricker eine Lösung: Der 45-jährige Schweizer hält Zeremonien ohne religiöse Rituale ab. Mit mittlerweile fast 60 Zeremonien im Jahr gilt er als der bekannteste Zeremonienleiter der Schweiz. 

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«Ich habe Zeremonien verachtet» (Bild: zVg)

Daniel, du bist gelernter Luftverkehrsangestellter, hast den Kundendienst von Sony geleitet und neben Videotheken sogar eigene Pizzakurierdienste betrieben. Wieso jetzt Zeremonienleiter?
Vor vielen Jahren habe ich eine schlimme Zeremonie in der Kirche erlebt. Mein bester Freund verstarb sehr jung. Bei der Abdankung meinte der Pfarrer, dass er gerne mehr über das Leben des Verstorbenen erzählen würde, doch es gäbe nichts zu sagen, weil dieser so jung verstorben sei. Diese Zeremonie war zwar noch nicht der Grund, weshalb ich Zeremonienleiter wurde, doch es war der Grund, weshalb ich Zeremonien fortan vermieden und verachtet habe.

Und was war dann der Grund?
Zwei Jahre nachdem ich meine Firma verkauft habe, wurde ich von einem entfernten Bekannten angefragt, eine Zeremonie für ihn zu leiten. Anfangs war ich aufgrund meiner Abneigung gegenüber Zeremonien skeptisch. Doch der Gedanke, es besser zu machen, liess mich nicht mehr los. Ich dachte, dass ich Zeremonien revolutionieren könnte, indem ich statt einer Predigt die Geschichte des Paars ins Zentrum rücke. In Wirklichkeit gibt es freie Redner wie mich natürlich schon seit der Aufklärung.

Heute bist du mit fast 60 Zeremonien im Jahr der bekannteste Zeremonienleiter der Schweiz. Welche Menschen suchen deine Begleitung
Neben religionsfernen Menschen und Atheisten traue ich auch viele Paare, die noch in einer Kirche sind, aber kirchenfern leben oder nicht derselben Konfession angehören. Sie suchen mich auf, gerade weil meine Zeremonien religionsneutral gestaltet sind. Ich habe keine Mission und erteile keinen Segen im Namen Gottes. Dadurch habe ich den Vorteil, Zeremonien kurzweiliger zu machen und mich viel stärker auf die Geschichte des jeweiligen Brautpaars abzustützen.

Trotzdem magst du es nicht, wenn Menschen deine Zeremonien als Alternative zur Kirche bezeichnen.
Ja, denn ich sehe mich nicht als Alternative. Das würde implizieren, dass wer anders das Original ist. Ich bin ein Zeremonienleiter, der einen neutralen Standpunkt einnimmt. Die institutionalisierten Religionen, die wir heute kennen, gibt es erst seit einigen tausend Jahren, während Ausgrabungen belegen, dass schon vor über einer Million Jahre Menschen Rituale durchgeführt haben. Die Kirchen haben die Zeremonien also nicht erfunden. Sie haben schlicht die existierenden Bräuche übernommen und ein Monopol beansprucht. Die Idee des Heiratens samt Eheringe und Ja-Wort sind wesentlich älter als das Christentum.

Wie äussert sich dieser neutrale Standpunkt konkret in den Zeremonien?
Ich habe nicht den Anspruch, Leute zu belehren, sondern einzig das Ziel, die Menschen zu berühren. Ich habe keine eigene Mission sondern sehe mich als Sprachrohr. Im Falle einer Hochzeit verkünde ich, dass die beiden Menschen sich gefunden haben und zusammenbleiben möchten. Dies möchte ich auf möglichst schöne Weise tun. Einen erzieherischen, moralischen, missionarischen oder anderswie belehrenden Anspruch habe ich nicht.

Und dieses Bedürfnis nach Feiern und Ritualen steigt auch bei jüngeren Menschen wieder. Wie erklärst du dir diesen Trend?
Durch die ständige Erreichbarkeit haben junge Menschen immer weniger Fixpunkte und Routine im Alltag. Dadurch werden sie sehr ungeduldig. Zeremonien hingegen sorgen für Entschleunigung und schaffen gerade dadurch Stunden und Tage, die man sein ganzes Leben lang nicht mehr vergisst.

Mit 60 Zeremonien im Jahr feierst du mindestens einmal in der Woche mit Menschen. Ist die Tendenz steigend?
Ja, vor allem bei Trauerfeiern. Doch da jede Zeremonie viel Zeit und Energie beansprucht, kann ich gar nicht mehr machen. Ich habe mir sogar schon überlegt, mittelfristig etwas kürzer zu treten. Sonst besteht die Gefahr, dass ich eines Tages in eine Routine verfalle und ich meinem Anspruch nicht mehr gerecht würde.

Wäre dann der nächste Schritt, andere zu Zeremonienleitern auszubilden?
Ich bin dabei, einen Online-Kurs zu machen. In diesem möchte ich Interessierten beibringen, wie man Zeremonien schreibt, führt, aber vor allem auch, wie man Kunden gewinnt. Es gibt tausende von Zeremonienleitern in Deutschland und in der Schweiz, doch aufgrund ihrer Internetauftritte vermute ich, dass die meisten von ihnen im Jahr zwischen null und zwei Zeremonien machen. Obwohl sie zwar die Begeisterung und vermutlich auch das Talent mitbringen, stehen viele vor demselben Problem: es ist niemand da, der ihnen die handwerklichen Aspekte detailliert aufzeigt. Und es fehlt am Wissen, wie man eine Dienstleistung günstig und effektiv anpreist. Doch wenn man in dieser Nische Erfolg haben will, muss man zu den allerbesten gehören.

Hast du für dein Engagement auch schon Kritik von religiösen Menschen erhalten?
Nur selten. Vielleicht haben die meisten Kritiker einfach den Anstand, zu schweigen. Vor einigen Jahren leitete ich eine Zeremonie, bei der die Mutter der Braut von Anfang an gegen eine Hochzeit ohne Religionsbezug war. Bei der Zeremonie selbst sass sie mit verschränkten Armen in der ersten Reihe. Schlussendlich war sie die erste, die geweint hat. Das hat mir gezeigt: Auch wenn Menschen sehr religiös sind, fallen ihre Vorbehalte ab, wenn man es schafft, sie auf eine gute Art zu berühren. Und bei Beerdigungen sind Menschen, die jemand verloren haben, der ihnen sehr nahe stand, sowieso untröstlich. Egal ob sie an Gott glauben oder nicht.

Welche war die schönste Zeremonie, die du je erlebt hast?
Eine meiner schönsten Zeremonien war die Hochzeit von einer Muslimin und einem Reformierten. Sie wollten in der Nähe eines Bergrestaurants heiraten und gingen fest von gutem Wetter aus. Doch es regnete in Strömen. Das Ausweichszenario war eine Scheune, in der nichts vorbereitet war und sogar noch ein Traktor stand. Ein paar Kerzen und Scheinwerfer reichten für eine unglaubliche Atmosphäre. Dieses Beispiel zeigt, dass teure Hochzeiten manchmal eher wie ein Schleier über der eigentlichen Zeremonie liegen. Es braucht nicht viel Geld, um einen unvergesslichen Tag zu erleben.

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Das Interview erschien auf hpd.de.

«Es besteht die Gefahr eines Bürgerkriegs»

Anfang April wurde der säkulare Blogger Nazimuddin Samad in Bangladesch auf offener Strasse ermordet. Wie bereits sechs Kritiker des radikalen Islamismus vor ihm. Einer von Nazimuddins Freunden, Azam Khan, lebt heute in der Schweiz. Auch er steht auf einer von islamistischen Gruppen zusammengestellten Todesliste von Atheisten.

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Azam Khan. (Bild: zVg)

Ostersonntag. Die Strassen sind wie leergefegt, dicke Nebelschwaden hängen über dem Kanton Thurgau. In der beschaulichen Gemeinde Tobel-Tägerschen hat der säkulare Blogger Azam Khan eine neue Heimat gefunden. Eine Heimat, in der er das Haus verlassen kann, ohne mit einem Angriff auf sein Leben zu rechnen.

Auch heute hat er schlecht geschlafen. Wie jeden Morgen nach dem Aufstehen blickt er auf sein Handy und hofft, dass der Bildschirm frei von Schreckensnachrichten aus seiner Heimat bleibt. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein weiterer Freund auf dem Weg nach Hause, zur Arbeit oder zur Universität brutal ermordet wird“, sagt der 32-jährige Bengale, der durch seine einnehmende und schüchterne Art wesentlich jünger wirkt.

Am nächsten Tag, Ostermontag, hat das Gericht von Bangladesch einen Antrag auf die Streichung des Islam als Staatsreligion abgelehnt. Die Kammer aus drei Richtern wies den Antrag innert Minuten zurück, wie ein bengalischer Journalist berichtete. Wenige Tage später ereilte Azam die Nachricht vom Tod seines Freundes, Nazimuddin Samad.

Mediale Hetze gegen Atheisten

„Die Konflikte zwischen uns säkularen Bloggern und den radikalen Islamisten begannen 2013, sieben Jahre nachdem wir unseren Blog gegründet haben“, erzählt Azam. In den ersten sieben Jahren seien die säkularen Freidenkenden von der Regierung noch nicht als Bedrohung wahrgenommen worden. Das änderte sich, als die religiös-konservative Bangladesh Nationalist Party öffentlich gegen die Blogger hetzte und auch die Staatsmedien dazu trieb, Propaganda gegen Atheisten zu betreiben. „Täglich war in gewissen Zeitungen zu lesen, dass Ungläubige böse Menschen seien, die dem Land schaden wollen.“

Leben auf der Todesliste

Wenige Tage nach der ersten öffentlichen Kundgebung der Bangladesh Nationalist Party wurde ein Gründer des Blogs auf offener Strasse mit Macheten ermordet. Zwei Jahre später wurde ein atheistischer Blogger während einer Buchmesse in der Hauptstadt Dhaka erdolcht. „Sie beide standen auf einer von islamistischen Gruppen zusammengestellten Abschlussliste von Atheisten. Zusammen mit 84 anderen Menschen, die von den Fanatikern zum Abschuss freigegeben wurden. Zu diesen zähle auch ich heute noch.“

Die sunnitischen Gruppierungen nennen sich Hefazat-e-Islam und Jamaat-e-Islami. „Diese Organisationen werden von der Bangladesh Nationalist Party beschützt“, ist sich Azam sicher. „Auch von Pakistan, Saudi-Arabien, der Türkei und den USA werden sie finanziell unterstützt.“ Dies, um den Handel und die Beziehungen zu dem Land mit vielen Bodenschätzen und reicher Agrikultur aufrecht zu erhalten.

Verfolgung Andersgläubiger

Im dem südasiatischen Land ist der Islam erst seit 1988 die offizielle Staatsreligion. Der Militärmachthaber Hussain Muhammad Ershad verankerte diese, um sich den Rückhalt der islamistischen Wählerinnen und Wähler zu sichern. Heute ist Bangladesch mit über 80 Prozent Musliminnen und Muslimen in der Bevölkerung eines der islamischsten Länder der Welt. Und radikale Tendenzen und die Gewalt nehmen seit Jahren zu. „Neben Atheisten werden auch Christen und Hindus verfolgt. Aber auch Andersgläubige innerhalb des Islams, beispielsweise Schiiten, Sufis und Ahmadiyya-Muslime“, sagt Azam.

Angst vor einem Bürgerkrieg

Nach dem Tod von Nazimuddin Samad protestierten mehr als 1.000 Studenten auf den Strassen Dhakas gegen die Regierung Bangladeschs. Sie werfen ihr vor, nicht entschieden gegen gewaltbereite Muslime vorzugehen und fordern, dass die Täter so schnell wie möglich gefasst und verurteilt werden. „Es besteht seit geraumer Zeit die Gefahr, dass in Bangladesch ein Bürgerkrieg ausbrechen wird“, sagt Azam.

Das Problem sei, dass Militär und Polizei seit Jahren schleichend islamisiert werden, so Azam. „Das alles begann, als der Islam als Staatsreligion deklariert wurde. Damit öffneten sie auch dem Islamischen Staat (IS) Tür und Tor.“

Ende April wurde ein bengalischer Professor auf offener Strasse mit Macheten ermordet, weil dieser zum Atheismus aufgerufen haben soll. Vor wenigen Tagen wurde ein christlicher Arzt im Westen Bangladeschs auf ähnliche Weise getötet. Zu beiden Morden hat sich der Islamische Staat (IS) bekennt.

Flucht in die Schweiz

Azam Khan gelang die Flucht aus Bangladesch im Februar dieses Jahres. „Ich ging zu der Schweizer Botschaft und verlangte ein Visum. Glücklicherweise wussten sie über die Missstände in der Regierung und die Ermordungen von Bloggern wie mir. Schon nach wenigen Tagen erhielt ich ein Schengenvisum und durfte ausreisen.“

Mit einem Schengenvisum können Personen bis zu drei Monate in der Schweiz bleiben. „In dieser Zeit werde ich weiter auf Facebook bloggen, ein Buch über globalen Terrorismus schreiben und Deutsch lernen.“

Sobald sich die Situation in Bangladesch beruhigt, will Azam in seine Heimat zurückkehren. „In Bangladesch herrscht nur wenig Armut, es gibt genügend Nahrung und Arbeitsplätze. Wir lebten gut, bevor der Islam zur Staatsreligion wurde.“

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Der Artikel erschien auf hpd.de.

«Mein Senf»: Religiöse Macht und Ohnmacht

Das Schweizer Radio Fernsehen verfügt als einziges Medienhaus in der Schweiz über eine Fachredaktion, die sich ausschliesslich mit Fragen des Glaubens und der Religion beschäftigt. Das es mit diesem lobenswerten Engagement alleine in der Schweizer Medienlandschaft steht, ist bedenklich, scheint doch gerade in der heutigen Zeit eine differenzierte Auseinandersetzung mit diesen Themen so wichtig. Wie aber geht das SRF mit der Verantwortung um, die sie sich mit einem «medialen Religions-Monopol» geschaffen hat? «Mein Senf» dazu auf SRG Insider.

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«Sendungen wie das „Wort zum Sonntag“ sind in unserer pluralistischen Gesellschaft nicht mehr zeitgemäss.» Illustration: SRG INSIDER

Dass SRF mit seinem lobenswerten Engagement alleine in der Schweizer Medienlandschaft steht, ist bedenklich, scheint doch gerade in der heutigen Zeit eine differenzierte Auseinandersetzung mit diesen Themen so wichtig. Im Jahr produziert die SRF-Religionsredaktion rund 400 journalistische Beiträge. Diese können in zwei Gruppen unterteilt werden: Sendungen über Religion und religiöse Sendungen.

Mit Sendungen über Religion wie den Sternstunden leistet die SRF-Religionsredaktion einen essentiellen und mehr oder weniger ausgewogenen Beitrag in der Schweizer Medienwelt. Gleichzeitig hält sie aber an religiösen Sendungen fest, die in unserer pluralistischen Gesellschaft nicht mehr zeitgemäss sind: Im ‹Wort zum Sonntag› werden Gedanken aus sogenannt christlicher Sicht vermittelt. Dabei kommen Theologinnen und Theologen der drei Landeskirchen sowie ab und an ein Vertreter der evangelisch-methodischen Kirche zu Wort.

Weiterlesen auf SRG Insider

Atheisten sind…

Nachdem Atheisten diese Woche mit Psychopathen gleichgestellt und als grosses Risiko für die Welt bezeichnet wurden, habe ich mir die Frage gestellt, was nichtgläubige Menschen sonst noch sind und denken. Um das herauszufinden, habe ich sämtliche in der Schweizer Mediendatenbank sowie in Google News archivierten Texte der letzten fünf Jahre durchforstet, die Antworten darauf geben wollen, was Atheisten ausmacht.

Bild: SANDRO BUCHER

«[…] Atheisten sind auch bloss Menschen. Auch sie suchen letztlich Frieden, wollen geliebt werden und lieben, sorgen sich um den Planeten. Sie glauben an sich selbst und an die Welt. Der Glaube ist der Punkt, wo Atheisten und Gläubige sich treffen. […]», Hindu-Friedenbotschaft Sri Sri Ravi Shankar im Interview mit Die Zeit, 30. Juni 2011.

«[…] Atheisten sind gebildeter, toleranter und wissen mehr über den Gott, an den sie selbst nicht glauben. […]», Ergebnisse des Pew Center 2010 in einer Umfrage in den USA, Spiegel, 25. Juli 2011.

«[…] Militante Atheisten haben dafür gesorgt, dass die Religion Erfahrungsbereiche exklusiv für sich beansprucht, die von Rechts wegen allen Menschen gehören – und die für ein säkulares Leben zurückzufordern, uns nicht unangenehm sein sollte. […]», Atheist und Bestsellerautor Alain de Botton, Weltwoche, 16. Februar 2012.

«[…] Atheisten sind die unbeliebteste Glaubensgruppe der USA. Fast die Hälfte der Amerikaner würde eine atheistische Schwiegertochter oder einen Schwiegersohn ablehnen – aber nur ein Drittel eine muslimische. […]», Ergebnisse einer amerikanischen Studie, Annabelle, 7. März 2012.

«[…] Bücher dezidiert atheistischen Inhalts landen auf den Bestsellerlisten, atheistische Autoren sind gern gesehene Gäste in Talkshows, Verlage, die bisher vornehmlich Bücher christlicher oder dem Christentum nahestehender Autoren verlegten, bemühen sich eifrig um die Bestseller ausländischer Autoren, wenn deren Programm der Atheismus ist. […], Religionsphilosoph und Religionswissenschafter Hubertus Mynarek im Interview mit Profil, 25. Mai 2012.

«[…] Ein auffallendes Merkmal vieler Atheisten ist, dass sie eine katholische Schule besuchten, teils gepaart mit einem liberalen Elternhaus. Die beiden Pole führten irgendwann, häufig noch in der Pubertät, zu einem „Erweckungserlebnis“, das ihnen die Augen geöffnet habe gegenüber einer Realität, in der Kirche und Staat viel enger miteinander verknüpft sind, als das allgemein wahrgenommen wird. […]», Freidenker Ronald Bilik im Interview mit Profil, 25. Mai 2012.

«[…] Atheisten sind nicht nur von Gott Befreite, sie leben mit anderen Notwendigkeiten, in ihrem Fall mit jener, in allem einzig auf sich selbst, also den Menschen, verwiesen zu sein. […]» Frankfurter Rundschau Online, 21. Juli 2012.

«[…] Heute haben nicht nur Moslems, sondern auch andere Europäer, die unterschiedlichen Traditionen entstammen oder Atheisten sind, persönliche und kulturelle Prioritäten, die sich nicht in christlichen Werten fassen lassen – und dieser Anteil der Bevölkerung wird weiter steigen. […]», Cicero, 1. September 2012.

«[…] Religion schafft eine Basis, auf der Fremde gut miteinander auskommen. Nur eine Fraktion entzieht sich gänzlich: die Atheisten. Und sie müssen dafür bezahlen. In mehrheitlich religiösen Gesellschaften sind Atheisten immer diejenige Gruppe, der die Leute am wenigsten vertrauen. […]» Sozialpsychologe-Professor Ara Norenzayan, Spiegel, 22. Dezember 2012.

«[…]Atheisten sind ansteckend in ihrer Zweifelsucht, und sie fürchten keinen strafenden Gott. Mehr noch, sie finden es ulkig, dass die anderen so unermüdlich in ihren Aberglauben investieren.», Spiegel, 22. Dezember 2012.

«[…]Atheisten verstehen nicht, warum Religionen anstrengend und teuer sind. Sie sehen nur die gigantische Verschwendung von Zeit und Energie. […]», Spiegel, 22. Dezember 2012.

«Atheisten sind beachtenswert ehrliche Menschen, da sie zu ihren ­intellektuellen und spirituellen Fragen stehen. Dabei sind sie allerdings gläubiger, als sie wahrhaben wollen, denn sie glauben, dass es keinen Gott gibt.» Freikirchler René Christen im Interview mit Migros-Magazin, 11. März 2013.

«[…] Atheisten sind nicht gut auf Religion zu sprechen, erst recht nicht in England. […]», Basler Zeitung, 15. Mai 2013.

«[…]Atheisten sind nicht notwendigerweise kämpferische Reli­gionsgegner. Im Gegenteil, viele von ihnen sind offen für spirituelle Fragen. […]», Stefan Huber, Professor für empirische Religionsforschung an der Uni Bern im Interview mit reformiert, 29. November 2013.

«[…] Atheisten sind in der Regel Einzelgänger. Sie reden nicht mit einer Stimme. Und sie fühlen sich mitunter diffamiert als eigennützig, verbohrt, abgewandt von der Gesellschaft. Sich mit Gleichgesinnten zusammenzuschliessen und die eigenen Überzeugungen offensiv zu vertreten, verspricht offenbar vielen Abhilfe: ein sichtbares Zeichen dafür, dass man ebenfalls ein gutes und wertvolles Mitglied einer Gemeinschaft sei. […]», St. Galler Tagblatt, 14. Juni 2014.

«[…] Die ostdeutschen Atheisten sind das beste Beispiel dafür, dass einem Atheisten nichts zu einem guten Leben fehlt. […]», Religionssoziologe Gert Pickel im Interview mit der Reformierten Presse, 14. November 2014.

«[…] Im Kontakt mit Menschen, die sich Atheisten nennen, ist mir immer mehr aufgegangen, was Menschen zur Kirche hinaustreibt: die Verlogenheit. Wenn sie uns das vorhalten, so sind sie päpstlicher als viele, die sich papsttreu nennen. […] Die Atheisten sind uns immer wieder unangenehme Mahner für das, was Papst Franziskus seinen engsten Mitarbeitern kurz vor Weihnachten ans Herz gelegt hat. Es könnte kurz zusammengefasst werden mit den Worten: Was wir beten, zum Leben werden lassen; was wir leben, zum Gebet werden lassen. […]», Schweizer Benediktiner Martin Werlen, Sonntag, 8. Januar 2015

«[…] Solange Unsicherheit herrscht und die grossen Götter regieren, werden Atheisten gehasst, wie viele Umfragen ergeben haben. Die Frommen fürchten, die Gottlosen könnten sie ausnutzen, da sie nicht an göttliche Regeln gebunden sind. Doch diese Angst wird schnell vergessen, wenn der Staat die strafende Rolle Gottes übernimmt. […]», Sozialpsychologe-Professor Ara Norenzayan, Basler Zeitung, 23. März 2015.

«[…] Atheisten sind immer Klugscheißer, das unterscheidet sie von den Agnostikern. Agnostiker und Atheisten verbindet ihre Ablehnung religiöser Institutionen. Doch während der Agnostiker die Beschränktheit des menschlichen Erkenntnisvermögens betont und somit eine gewisse intellektuelle Demut offenbart, ist der Atheist restlos von sich und seinem überlegenen Intellekt überzeugt, was ihm nach seiner Überzeugung das Recht gibt, jede Form von Religiosität in den Dreck zu ziehen. […]», The European, 28. Mai 2015

«[…] Innenminister Thomas de Maizière stellt pauschal urteilend einen direkten Zusammenhang zwischen Fremdenfeindlichkeit und Atheismus her, weswegen mehr Christlichkeit besser wäre. Die Grüne Katrin Göring-Eckardt unterstellt Atheisten kognitive Störungen, weshalb das komplexe Christentum, „verständlich und lebensnah“ vermittelt werden müsse. […]», Berliner Zeitung, 28. Dezember 2015.

«[…] Wer an Gott glaubt, verwendet mehr Hirnzellen für Mitgefühl als für analytisches Denken. Das Gehirn von Atheisten arbeitet genau andersherum. Dadurch sind sie intelligenter, aber auch kaltherziger. Diese Eigenschaften definieren auch Psychopathen. […]», FOCUS Online, 25. März 2016.

«[…] Für viele moderne wissenschaftliche Atheisten sind die Religionen etwas, das mit Gottesbeweisen beginnt und von ihnen abhängt. […]», David Gelernter, amerikanischer Informatiker und Netzkritiker im Interview mit der Süddeutschen Zeitung, 26. März 2016.

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