«Verleger werden die guten Journalisten nicht halten können»

Vom Macher zum Denker: Nach seinem Abgang bei «watson» denkt Hansi Voigt intensiv über die Zukunft des Journalismus nach. Ein Gedankenprotokoll, aufgezeichnet durch Sandro Bucher und Janosch Tröhler.

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Hansi Voigt – vom Macher zum Denker. (Bild: JANOSCH TRĂ–HLER)

Guter Journalismus wird nie gratis sein. Das ist eine Illusion. Bis jetzt finanzieren sich die Verlage durch Aufmerksamkeit – monetarisiert dank Werbung. Das funktioniert allerdings immer weniger, weil das Publikum den klassischen Werbefeldern immer weniger Beachtung schenkt. Leserinnen und Leser zahlen auch mit ihren Daten wie bei Facebook. Auch da können sich die Verleger überlegen, wie sie diese Informationen zu Geld machen können.

«Katzenvideos werden die Demokratie nicht bewahren»

Letztlich sind es bloss pauschale Fragen rund um das Finanzierungsmodell der Werbung, die ganz klar einen trashigen Journalismus fördern. «Watson» hat neben volkswirtschaftlichen Analysen auch Katzenvideos produziert. Weshalb? Weil ein Artikel, für den der Journalist einen Tag investiert hat, nicht ohne die Quersubventionierung durch die Aufmerksamkeit des Catcontents finanziert werden kann.

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Von Sportlern mit Superkräften und breitbeinig sitzenden Männern

Von Februar bis Juni 2016 habe ich ein Praktikum bei der in der Schweiz führenden Fachredaktion für Wissenschaftsjournalismus, Scitec Media, absolviert. Während dieser Zeit entstanden sieben Artikel, die in den Wissensseiten der 20 Minuten publiziert wurden. Hier kann man sie nachlesen.

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Bild: SANDRO BUCHER

Sport-Asse haben den Zoom-Blick

Erfolgreiche Sportler haben die Fähigkeit, Bälle vergrössert zu sehen. Das lässt sich trainieren. Link zum Artikel.

Schizophrenie trifft Flüchtlinge häufiger

Millionen Menschen sind heute auf der Flucht. Darunter leidet ihre psychische Gesundheit. Link zum Artikel.

Sexistische Games rauben Männern das Mitgefühl

Durch das Spielen von sexistischen Games empfinden Männer weniger Mitgefühl für weibliche Gewaltopfer. Das zeigt eine US-Studie. Link zum Artikel.

Männer, die breitbeinig im ÖV sitzen, nerven Frauen

Viele Männer spreizen beim Sitzen ihre Beine weit auseinander. In den USA geht man nun dagegen vor. Link zum Artikel.

Schon ein gelegentlicher Klaps schadet Kindern

Schweizer Eltern ist es erlaubt, ihre Kinder zu schlagen. Doch bereits einige Ohrfeigen schaden, zeigt eine US-Studie. Link zum Artikel.

Mit diesen cleveren Tricks lernen sie viel leichter

Viele Lehrlinge und Studenten bereiten sich derzeit auf ihre Abschlussprüfungen vor – die meisten jedoch falsch. 20 Minuten zeigt, wie es richtig geht.
Link zum Artikel.

Unsere Vorurteile beeinflussen, wie gut Kinder lesen

Mädchen lesen besser als Jungs. Doch wird die Lesefähigkeit unter spielerischen Bedingungen getestet, wendet sich das Blatt. Link zum Artikel.

Das Ergrauen des Regenbogens

Vor 22 Jahren machten sich Homosexuelle im katholischen Irland noch strafbar, heute leuchtet die grüne Insel bunt: 62,1 Prozent aller Wähler votierten Ende Mai für eine Verfassungsänderung, die gleichgeschlechtliche Ehen ermöglicht. Trotz dieses richtungsweisenden Resultats zeigen sich die Befürworter der Homo-Ehe in Mitteleuropa zögerlich und lassen der Gegenpartei freie Hand bei der Meinungsbildung.

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Foto: FRANK NICOLAI/hpd.de

Dass die Katholiken-Hochburg Irland die Homo-Ehe erlaubt, ist die bisher greifbarste Versinnbildlichung davon, dass katholische Kleriker und konservative Kreise bei der Homo-Ehen-Frage den Kontakt zur Basis verloren haben. Von einem «substanziellen Riss zwischen der katholischen Kirche und der Gesellschaft» sprach der Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, und bewertete den Ausgang des Referendums im Interview mit der Internetplattform „Vatican Insider“ als «Zeichen einer Kulturrevolution».

«Schwulenrechte greifen Familien an»

Ein Grossteil der Schweizerinnen und Schweizer zeigt sich bisher noch nicht beflügelt vom irischen Revolutionsgeist. Am 10. Juni wurde ein neues Komitee gegründet, das die Homo-Ehe in der Schweiz verhindern und das traditionelle Familienbild stärken will. «Es ist an der Zeit, die Demontage der traditionellen Familie zu stoppen», sagt Co-Präsident und EDU-Politiker Marco Giglio, «die Ausdehnung der Schwulenrechte ist ein Angriff auf die Familie.» Geplant ist bereits ein Referendum gegen die Pläne des Bundesrats, homosexuellen Paaren die Adoption zu erlauben. Der bisher einzige, verhaltene Kommentar zur Gründung des Komitees kommt vom Schwulen-Verband «Pink Cross»: Geschäftsleiter Bastian Baumann bezeichnet den Verein im Interview mit der Schweizer Tageszeitung «20 Minuten» als «verschlossene Gruppe, die die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat.»

Unbiegsame Befangenheit

Trotz oder gerade wegen den steilen Behauptungen des EDU-Politikers Marco Giglio neigen Befürworter der gleichgeschlechtlichen Ehe und des Adoptionsrechts für homosexuelle Paare dazu, sämtliche Gegenparteien als eine Desavouierung des Zeitgeistes abzuwinken, und verhindern damit wichtige Diskussionen, die zu einer Einlenkung und Annäherung führen könnten. Zwar sind in der Schweiz ähnliche Forderungen wie in Irland pendent – die Grünliberalen fordern eine parlamentarische Initiative, die die Ehe und die eingetragene Partnerschaft für alle öffnet – doch die Meinungen beider Lager sind derart festgefahren, dass auch die Strahlkraft des irischen Votums niemanden zu erweichen scheint.

Politische Zerrissenheit

Die Öffnung der Homo-Ehe ist eine ethische und moralische Grundsatzfrage, die die Geister scheidet und bis in den Kern des traditionellen, christlichen Familien- und Gesellschaftsbilds bohrt. Gerade deswegen stehen vor allem Politiker im Zwiespalt. So auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die als CDU-Politikerin um die Haltung des traditionellen Teils ihrer Partei weiss, aber auch die gesellschaftliche Stimmung in Deutschland kennt. Nicht nur sie wird deshalb vor die Frage gestellt, ob sie bei der Ehe-Frage gegen die Mehrheit des Bundestags, des Bundesrats und der Bevölkerung regieren möchte: Laut einer aktuellen Umfrage des deutschen Wochenmagazins «Stern» sind 74 Prozent dafür, dass Lebensgemeinschaften von gleichgeschlechtlichen Partnern vollkommen der traditionellen Ehe gleichgestellt werden.

Mehr Mut zur Meinung

Unabhängig der Denkweise ist es für Volksvertreter unabdinglich, sich auch bei derart heiklen Gesellschaftsfragen zu äussern; was noch keine klare Positionierung an einer der polarisierenden Fronten zur Folge haben muss. Im Zentrum steht, wie bei jeder Debatte, die Suche nach Integration gesellschaftlicher Gegensätze, geleitet von den Mechanismen der demokratischen Auseinandersetzung.

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Der Artikel erschien zusätzlich auf tink.ch und hpd.de.