Kirchenkritik oben ohne

In ihrem Kampf um die Gleichberechtigung hat die Feministen-Gruppe Femen auch Kirche und Religion im Visier. Dabei fĂ€hrt die europaweit agierende Frauenorganisation besonders in Deutschland mit schweren GeschĂŒtzen auf. Doch ob entblösste BrĂŒste auf dem Altar des Kölner Doms oder brennende Kruzifixe in Berlin – im klerikalen Kreis zeigt man sich unbeeindruckt von den provokativen Aktionen. In der Bevölkerung stossen sie derweil auf Unmut.

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Femen-Aktivistin Josephine Witt am 25. Dezember 2013 wÀhrend der Weihnachtsmesse im Kölner Dom auf dem Altar. Photo: UDO GOTTSCHALK

„I AM GOD“ lautete die Botschaft der 20-jĂ€hrigen Femen-Aktivistin Josephine Witt, als sie wĂ€hrend der Weihnachtsmesse 2013 auf den Altar des Kölner Doms sprang. FĂŒr Kardinal Joachim Meisner war die provokante Protestaktion schnell erledigt. National hingegen erntete Femen fĂŒr die Tat viel Missgunst. Der religionspolitische Sprecher der GrĂŒnen, Volker Beck, bezeichnete sie als eine respektlose und unnötige Störung der GlĂ€ubigen beim Gottesdienst. Auch der PrĂ€sident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois GlĂŒck, empfand die Handlung als verletzend und rĂŒcksichtslos.

Der Plan von Femen scheint ein Rohrkrepierer zu sein: Statt Anerkennung und Beistand ernten sie in der deutschen Bevölkerung Spott und HÀme.

Vorhersehbares Versagen

Mit diesen negativ zu bewertenden Resultaten hĂ€tte die Feministinnen rechnen mĂŒssen, denn die Deutschen betrachten das Christentum als die eigene Religion, zu der sie trotz aller Kirchenkritik ein relativ positives VerhĂ€ltnis pflegen. Das zeigen nationale Forschungsstudien. Alle anderen Religionen wirken gegenĂŒber dem Christentum „fremd“. Da bei den internationalen Aktionen von Femen nicht klar ist, ob sie atheistisches Gedankengut propagieren oder schlicht gegen die institutionalisierte Religion protestieren, wirkt die Frauenorganisation als genauso befremdlich und undurchschaubar. ZusĂ€tzlich wird die Gruppe mit den inzwischen inflationĂ€r stattfindenden Protestaktionen grösstenteils nur noch als störende Randnotiz betrachtet. Mit entblössten BrĂŒsten schockt man eine zunehmend offener werdende Gesellschaft auch nicht mehr.

Unnachgiebiges Unentschieden

Mit Femen und Kirche treffen zwei ĂŒberaus starrköpfige und eigensinnige Vereinigungen aufeinander. Erstere will zwar liberal auftreten, doch die femen‘sche Ideologie ist so engstirnig wie die Dogmen der katholischen Kirche. Mit inhaltslosen Floskeln und Provokation um der Provokation willen erreicht man keine neue Reform und wird bereits an den Mauern der GotteshĂ€user abschmettern.

Die Forderungen von Femen sind zwar in vieler Hinsicht berechtigt, doch sie versuchen ihre Anliegen mit falschen Mitteln und Wegen zu erzwingen – auch in dieser Beziehung unterscheiden sich die Frauenrechtlerinnen nicht merklich von ihrem Gegenspieler. Die Kirche setzt sich ein fĂŒr NĂ€chstenliebe, Familienwerte und Tradition, setzen diese Moralvorstellungen allerdings um mit einer mittelalterlichen VerhĂŒtungs- und Abtreibungspolitik und dem kategorischen Ausschluss von Frauen aus hohen Ämtern im Klerus.

Femen plĂ€diert fĂŒr mehr Offenheit, mehr Rechte fĂŒr Frauen und fordert einen offenen Dialog, setzen diese Ansuchen allerdings um mit sinnfreien Aktionen, die lediglich fĂŒr kollektives KopfschĂŒtteln sorgen und damit den Diskurs schon vor der eigentlichen Entstehung unterbinden.

Die aufrĂŒhrerischen Aktionen rĂŒtteln nicht an den christlichen Lehren und Regelungen, sondern verletzen höchstens die GefĂŒhle und den Stolz von GlĂ€ubigen. Ob man gegen die Institution Kirche ist oder nicht, den Glauben und die Religion anderer Menschen ist zu achten, tolerieren und respektieren – ob Christen, Muslime, Hindus, Juden oder Buddhisten.