Interviews mit zwei atheistischen FlĂŒchtlingen

Wie viele FlĂŒchtlinge aus muslimischen LĂ€ndern Atheisten sind, wisse niemand. Manchmal werde ihnen nicht geglaubt. Und oft wĂŒrden sie sich vor Mobbing oder Gewalt fĂŒrchten, schreibt Die Zeit. Auf diesem Blog habe ich bereits zwei FlĂŒchtlinge aus Nationen mit der Staatsreligion Islam vorgestellt.

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Bild: SANDRO BUCHER

«Ich habe immer noch Hoffnung» – Interview mit Kacem El Ghazzali, Marokko

Weil er nicht an Gott glaubt, wurde Kacem El Ghazzali in seiner Heimat Marokko mehrfach attackiert und mit dem Tod bedroht. Vor vier Jahren ist der 24-JĂ€hrige in die Schweiz geflĂŒchtet und hat sein altes Leben hinter sich gelassen. Seine Überzeugung bleibt ungebrochen, auch wenn er damit weiterhin sein Leben riskiert. Link zum Interview.

«Es besteht die Gefahr eines BĂŒrgerkriegs» – Azam Khan, Bangladesch

Anfang April wurde der sÀkulare Blogger Nazimuddin Samad in Bangladesch auf offener Strasse ermordet. Wie bereits sechs Kritiker des radikalen Islamismus vor ihm. Einer von Nazimuddins Freunden, Azam Khan, lebt heute in der Schweiz. Auch er steht auf einer von islamistischen Gruppen zusammengestellten Todesliste von Atheisten. Link zum Interview.

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«Es besteht die Gefahr eines BĂŒrgerkriegs»

Anfang April wurde der sÀkulare Blogger Nazimuddin Samad in Bangladesch auf offener Strasse ermordet. Wie bereits sechs Kritiker des radikalen Islamismus vor ihm. Einer von Nazimuddins Freunden, Azam Khan, lebt heute in der Schweiz. Auch er steht auf einer von islamistischen Gruppen zusammengestellten Todesliste von Atheisten.

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Azam Khan. (Bild: zVg)

Ostersonntag. Die Strassen sind wie leergefegt, dicke Nebelschwaden hĂ€ngen ĂŒber dem Kanton Thurgau. In der beschaulichen Gemeinde Tobel-TĂ€gerschen hat der sĂ€kulare Blogger Azam Khan eine neue Heimat gefunden. Eine Heimat, in der er das Haus verlassen kann, ohne mit einem Angriff auf sein Leben zu rechnen.

Auch heute hat er schlecht geschlafen. Wie jeden Morgen nach dem Aufstehen blickt er auf sein Handy und hofft, dass der Bildschirm frei von Schreckensnachrichten aus seiner Heimat bleibt. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein weiterer Freund auf dem Weg nach Hause, zur Arbeit oder zur UniversitĂ€t brutal ermordet wird“, sagt der 32-jĂ€hrige Bengale, der durch seine einnehmende und schĂŒchterne Art wesentlich jĂŒnger wirkt.

Am nĂ€chsten Tag, Ostermontag, hat das Gericht von Bangladesch einen Antrag auf die Streichung des Islam als Staatsreligion abgelehnt. Die Kammer aus drei Richtern wies den Antrag innert Minuten zurĂŒck, wie ein bengalischer Journalist berichtete. Wenige Tage spĂ€ter ereilte Azam die Nachricht vom Tod seines Freundes, Nazimuddin Samad.

Mediale Hetze gegen Atheisten

„Die Konflikte zwischen uns sĂ€kularen Bloggern und den radikalen Islamisten begannen 2013, sieben Jahre nachdem wir unseren Blog gegrĂŒndet haben“, erzĂ€hlt Azam. In den ersten sieben Jahren seien die sĂ€kularen Freidenkenden von der Regierung noch nicht als Bedrohung wahrgenommen worden. Das Ă€nderte sich, als die religiös-konservative Bangladesh Nationalist Party öffentlich gegen die Blogger hetzte und auch die Staatsmedien dazu trieb, Propaganda gegen Atheisten zu betreiben. „TĂ€glich war in gewissen Zeitungen zu lesen, dass UnglĂ€ubige böse Menschen seien, die dem Land schaden wollen.“

Leben auf der Todesliste

Wenige Tage nach der ersten öffentlichen Kundgebung der Bangladesh Nationalist Party wurde ein GrĂŒnder des Blogs auf offener Strasse mit Macheten ermordet. Zwei Jahre spĂ€ter wurde ein atheistischer Blogger wĂ€hrend einer Buchmesse in der Hauptstadt Dhaka erdolcht. „Sie beide standen auf einer von islamistischen Gruppen zusammengestellten Abschlussliste von Atheisten. Zusammen mit 84 anderen Menschen, die von den Fanatikern zum Abschuss freigegeben wurden. Zu diesen zĂ€hle auch ich heute noch.“

Die sunnitischen Gruppierungen nennen sich Hefazat-e-Islam und Jamaat-e-Islami. „Diese Organisationen werden von der Bangladesh Nationalist Party beschĂŒtzt“, ist sich Azam sicher. „Auch von Pakistan, Saudi-Arabien, der TĂŒrkei und den USA werden sie finanziell unterstĂŒtzt.“ Dies, um den Handel und die Beziehungen zu dem Land mit vielen BodenschĂ€tzen und reicher Agrikultur aufrecht zu erhalten.

Verfolgung AndersglÀubiger

Im dem sĂŒdasiatischen Land ist der Islam erst seit 1988 die offizielle Staatsreligion. Der MilitĂ€rmachthaber Hussain Muhammad Ershad verankerte diese, um sich den RĂŒckhalt der islamistischen WĂ€hlerinnen und WĂ€hler zu sichern. Heute ist Bangladesch mit ĂŒber 80 Prozent Musliminnen und Muslimen in der Bevölkerung eines der islamischsten LĂ€nder der Welt. Und radikale Tendenzen und die Gewalt nehmen seit Jahren zu. „Neben Atheisten werden auch Christen und Hindus verfolgt. Aber auch AndersglĂ€ubige innerhalb des Islams, beispielsweise Schiiten, Sufis und Ahmadiyya-Muslime“, sagt Azam.

Angst vor einem BĂŒrgerkrieg

Nach dem Tod von Nazimuddin Samad protestierten mehr als 1.000 Studenten auf den Strassen Dhakas gegen die Regierung Bangladeschs. Sie werfen ihr vor, nicht entschieden gegen gewaltbereite Muslime vorzugehen und fordern, dass die TĂ€ter so schnell wie möglich gefasst und verurteilt werden. „Es besteht seit geraumer Zeit die Gefahr, dass in Bangladesch ein BĂŒrgerkrieg ausbrechen wird“, sagt Azam.

Das Problem sei, dass MilitĂ€r und Polizei seit Jahren schleichend islamisiert werden, so Azam. „Das alles begann, als der Islam als Staatsreligion deklariert wurde. Damit öffneten sie auch dem Islamischen Staat (IS) TĂŒr und Tor.“

Ende April wurde ein bengalischer Professor auf offener Strasse mit Macheten ermordet, weil dieser zum Atheismus aufgerufen haben soll. Vor wenigen Tagen wurde ein christlicher Arzt im Westen Bangladeschs auf Àhnliche Weise getötet. Zu beiden Morden hat sich der Islamische Staat (IS) bekennt.

Flucht in die Schweiz

Azam Khan gelang die Flucht aus Bangladesch im Februar dieses Jahres. „Ich ging zu der Schweizer Botschaft und verlangte ein Visum. GlĂŒcklicherweise wussten sie ĂŒber die MissstĂ€nde in der Regierung und die Ermordungen von Bloggern wie mir. Schon nach wenigen Tagen erhielt ich ein Schengenvisum und durfte ausreisen.“

Mit einem Schengenvisum können Personen bis zu drei Monate in der Schweiz bleiben. „In dieser Zeit werde ich weiter auf Facebook bloggen, ein Buch ĂŒber globalen Terrorismus schreiben und Deutsch lernen.“

Sobald sich die Situation in Bangladesch beruhigt, will Azam in seine Heimat zurĂŒckkehren. „In Bangladesch herrscht nur wenig Armut, es gibt genĂŒgend Nahrung und ArbeitsplĂ€tze. Wir lebten gut, bevor der Islam zur Staatsreligion wurde.“

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Der Artikel erschien auf hpd.de.

Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?

Da ich mich sowohl beruflich als auch privat mit Religion auseinandersetze, durfte ich jene Frage, die Gretchen dem Faust in Goethes epochalem Werk stellt, schon öfters beantworten. Nicht selten wird die Gretchenfrage dabei begleitet von dem Nachtrag: «Aber du bist doch Atheist, warum beschĂ€ftigst du dich ĂŒberhaupt mit Religion und der Kirche?»

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Faust im Studierzimmer (GemÀlde von Georg Friedrich Kersting, 1829)

Im Schweizer Sonnenkanton Tessin erschlich ich mir vor rund siebzehn Jahren meinen ersten, unlauteren Blick hinter die Kulissen der katholischen Kirche. Vor einem tiefliegenden Pfarrhausfenster bat ich meine Grossmutter, auf ihre Schultern steigen zu dĂŒrfen, um einen Blick ins Innere des Gotteshauses werfen zu können. Von meinem neuen Aussichtspunkt aus, sah ich direkt auf die Halbglatze des Pfarrers und konnte ihn beim Schreiben eines Briefes beobachten – ein Bild, das sich bis heute bei mir eingeprĂ€gt hat.

Weitere Erinnerungen an die ersten Sommerferien in der SĂŒdschweiz beinhalten diverse Kirchen-, Kloster- und Kapellenbesichtigungen sowie meine fortwĂ€hrende Fragerei von «Was bedeutet dieses Symbol?» ĂŒber «Wer ist dieser Heilige?» bis «Was ist der Unterschied zwischen katholisch und reformiert?». Fragen nach dem «Wieso, Weshalb, Warum» wĂŒrden erst spĂ€ter folgen. Wie auch Gretchen habe ich in meinen Kindesjahren die Kirche und die Religion nicht hinterfragt und hĂ€tte sie wohl dabei bekrĂ€ftigt, als sie in Goethes Faust die damalige öffentliche Meinung aussprach: «Man muss dran glauben!»

Steigende Meinungsvielfalt

Die Gretchenfrage zeigt auf, wie viel sich seit Goethes Zeiten verĂ€ndert hat. Fausts zurĂŒckhaltendes «Muss man daran glauben?» muss nicht mehr hinter vorgehaltener Hand geflĂŒstert werden. Eine Befragung des Schweizer Bundesamtes fĂŒr Statistik zeigt, dass 2016 fast jede vierte Person in der Schweiz konfessionslos ist. Gretchen wĂŒrde das gar nicht gefallen.

Doch konfessionslos heisst noch nicht religionslos, und deshalb befindet sich ein Grossteil der europĂ€ischen Bevölkerung vermutlich irgendwo zwischen Faust und Gretchen. Viele Menschen machen sich ein eigenes Bild des Göttlichen, einige setzen auf Esoterik und Astrologie, einige sagen ja zu Gott und nein zur Kirche und wiederum andere sind Religion und Kirche gegenĂŒber indifferent oder gar feindlich.

Bindung durch Distanz

Obwohl ich in der erzkatholischen Innerschweiz aufgewachsen bin und die Grundlagen und die Verfassung der Schweiz stark von sogenannten christlichen Werten geprĂ€gt sind, war eine Identifikation fĂŒr mich nach meinen Kindestagen nie mehr spĂŒrbar. Mein fragiler Draht zu Gott und meinem Glauben zerbrach bereits an der ersten, kritischen Auseinandersetzung am Ende meiner Primarschulzeit. Als Folge davon habe ich den Atheismus als fĂŒr mich richtige Auseinandersetzung mit der Religion entdeckt. Ironischerweise wurde ich durch den subjektiven Religionsunterricht in meiner Entscheidung bekrĂ€ftigt.

Mein unablĂ€ssiges Interesse an den Systemen und Menschen hinter der Religion wurde durch diese Distanzierung jedoch nur noch intensiver. Da GlĂ€ubige etwas besitzen, das mir fehlt und ich glĂŒcklicherweise dennoch nicht vermisse, bleiben die GesprĂ€che mit ihnen fĂŒr mich stets ertragreich und interessant, sofern sie grundehrlich mit ihrem Glauben umgehen und sie nicht doktrinistisch und gnadenlos festgefahren sind. Aber auch hier begegne ich einer paradoxen Bindung: Je mehr ich mich mit Religion auseinandersetze, desto abwegiger wird es fĂŒr mich, je einem Glauben anzuhĂ€ngen.

Förderung des Dialogs

BĂŒcher und Essays von Christopher Hitchens, Richard Dawkins und Sam Harris halfen mir dabei, die zeitgenössische Philosophie der AufklĂ€rung als GegenstĂŒck zur institutionalisierten Religion und blindem Glauben besser zu verstehen und bildeten einen wichtigen BrĂŒckenschlag zum Existenzialismus. Religion wurde fĂŒr mich fassbarer, verstĂ€ndlicher und logischer. Die delphischen Strukturen und Schemen wurden nach und nach aufgebrochen.

Gerade in der heutigen Zeit ist es enorm wichtig, dass man sich wieder intensiver und objektiver mit Religion und Glaube auseinandersetzt. Und dennoch ist in den (sozialen) Medien eine zunehmende VerhĂ€rtung der Fronten zu beobachten. Atheistinnen und Freidenker werden nicht ernst genommen oder schiessen polemisch gegen GlĂ€ubige, wĂ€hrend Christinnen und Christen ĂŒber Churer Bischöfe und Musliminnen und Muslime ĂŒber den Islamischen Zentralrat der Schweiz definiert werden. Diese FrontenverhĂ€rtung kann und muss durchbrochen werden, um einen differenzierten Dialog mit den Religionen zu ermöglichen. Denn unser gesellschaftliches Zusammenleben ist ohne irgendeine Form der Religion gar nicht denkbar. Sie ist ein Spiegel unserer geistigen SouverĂ€nitĂ€t oder eben AbhĂ€ngigkeit.

«Extremismus gibt es nicht»

Tony Blair bezeichnete es als das grösste Problem des 21. Jahrhunderts: Fundamentalismus. Durch welterschĂŒtternde Ereignisse wie die TerroranschlĂ€ge vom 11. September oder die GrĂ€ueltaten des IS wird oft nur von islamischem Fundamentalismus als neuzeitliche Erscheinung gesprochen. Dabei gab es diese Tendenzen schon immer – in allen Weltreligionen.

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«Der siebente Kreuzzug gegen Jerusalem» (1838–1850) von Francesco Hayez zeigt das Ausmass von religiösem Fundamentalismus im spĂ€ten Mittelalter.

Die im wahrsten Sinne des Wortes mittelalterliche «Cruzada» der katholischen Kirche, antisemitische «Orthodoxie» im Namen des Kommunismus, «Gusch Emunim» im jĂŒdischen Israel, «Bharatiya Janata» im hinduistischen Indien, der islamistische «Dschihad» im Nahen und Mittleren Osten: Fundamentalismus hat seit jeher viele Namen. So vielseitig wie seine Bezeichnungen sind auch die fĂŒr militante Menschen verlockenden Varianten seiner VielfĂ€ltigkeit.

«Das Kokain des Volks»

In seiner Schrift «Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie» aus dem Jahr 1844, bezeichnete Karl Marx die Religion als Opium des Volks. Bis heute gilt diese Aussage als eines der berĂŒhmtesten Zitate des Protagonisten der Arbeiterbewegung. Dass die Wirkung der Religion nur bedingt Ähnlichkeit mit einem beruhigenden Schmerz- und Schlafmittel aufweist, glaubt nicht nur Wolfgang Wippermann, Professor fĂŒr Neuere Geschichte an der Freien UniversitĂ€t Berlin: «Marx hatte mit seinem Vergleich nicht Recht. Religion kann schlimmer als Opium sein. Religion kann die Menschen wie die Drogen Kokain und Crack aufputschen und aggressiv machen.» Mit dieser These eröffnet Wippermann sein Buch «Fundamentalismus – Radikale Strömungen in den Weltreligionen».

Tink.ch sprach mit dem Fundamentalismus-Experten im Rahmen des «Extremismus-Schreibens» vom ehemaligen Premierminister des Vereinigten Königreichs, Tony Blair, das Anfang Jahr in der britischen Wochenzeitung «The Observer» veröffentlicht wurde.

Islamistischer Splitter

Ein Grossteil der deutschsprachigen und amerikanischen Bevölkerung assoziiert Fundamentalismus ausschliesslich mit der islamistischen Ausrichtung und ignoriert dabei, dass die radikalen Strömungen in sĂ€mtlichen Weltreligionen auftauchen. Das zeigen diverse Umfragen, die unter anderem in England, Deutschland und den USA durchgefĂŒhrt wurden. Wippermann warnt vor dieser einengenden und engstirnigen Sichtweise: «Es ist falsch, unter Fundamentalismus nur den islamischen zu verstehen. Die Leute, die das machen, kritisieren den Splitter und ĂŒbersehen den Balken in ihren Augen.»

Das Debatten-dÀmpfende Definitions-Dilemma

Um Fundamentalismus zu bekĂ€mpfen, muss man nicht nur verstehen, dass er in allen Weltreligionen auftaucht, sondern auch, dass seine UrsprĂŒnge genauso divers sind.

Wegweisend ist demgemĂ€ss der regelmĂ€ssige Aufruf, ĂŒber religiösen Fundamentalismus zu reden. Dieser Appell ist nicht nur an sĂ€mtliche Glaubensgemeinschaften gerichtet, sondern an alle Menschen, die sich eine friedfertigere Zukunft ohne Hass und diskriminierendes Gedankengut erhoffen.

So lobenswert der rege Austausch auch wĂ€re: Oft werde bei dem GesprĂ€ch ĂŒber Fundamentalismus unbewusst der falsche Ansatz gewĂ€hlt, mahnt Wippermann.

Definitorische Differenzierungen sind bei komplexen Themen wie Religion schwer einzuhalten, nicht zuletzt auch durch die in der RealitĂ€t fliessenden ÜbergĂ€nge von einem Extrem ins andere. Denn extrem ist Fundamentalismus nicht. Der in den Medien oft erwĂ€hnte «Extremismus» ist, so Wippermann, ein fehlleitender Begriff: «Extremismus gibt es nicht. Bei diesem Konstrukt werden linke und rechte Bewegungen und Parteien, die sich zu weit von einer imaginĂ€ren und niemals genau definierten Mitte entfernt haben sollen, kriminalisiert.» Wippermann betont, dass der Begriff weder in der deutschen Verfassung, noch in irgendeinem Gesetz des Landes auftauche.

Auge um Auge der falsche Ansatz

Durch den unerbittlichen Vormarsch des Islamischen Staats (IS) werden in der internationalen Gemeinschaft unlĂ€ngst wieder Stimmen laut, die Waffenlieferungen fĂŒr die Kurden und militĂ€rische Interventionen fordern. Wippermann ist sich sicher, dass damit der falsche Ansatz gewĂ€hlt wird: «Mit militĂ€rischen Interventionen kann man weder den islamischen, noch den christlichen, jĂŒdischen, hinduistischen, oder einen anderen  Fundamentalismus ĂŒberwinden.»

Gratwanderung der Toleranz

Dass der Kampf gegen den Fundamentalismus nicht nur auf politischer, sondern hauptsĂ€chlich auch auf der theologischen Ebene gefĂŒhrt werden muss, zollt seinen Tribut: Eine neutrale EinschĂ€tzung des Themas ist nicht möglich, da die Gotteslehre seit jeher durch ideologische Wertvorstellungen eines jeden praktizierenden GlĂ€ubigen neu definiert wird. Das zeigt auch eine Studie des Schweizer Nationalfonds, die Ende Oktober 2014 veröffentlicht wurde: Â«Ăœber das eigene Bild von Gott und das Praktizieren einer Religion entscheidet in der sogenannten Ich-Gesellschaft jede und jeder fĂŒr sich alleine.»

Trotzdem gilt in der Religion dieselbe Grundregel wie ĂŒberall, wo sich demokratische und friedliebende Modelle aufzeichnen: Die Freiheit des Einzelnen hört da auf, wo die Freiheit des Anderen anfĂ€ngt. Wenn sich die Religionsfreiheit und die Rechts- und Verfassungsordnung anbellen, muss letztere gewissenlos zubeissen.  Denn ob das militante Denken gestĂŒtzt wird durch schriftliche Erzeugnisse, oder ob der Glaube nur als pervertierter Vorwand genutzt wird, um Mordaufrufe und UnterdrĂŒckung im Namen Gottes zu rechtfertigen: «Fundamentalismus», so Wippermann, «ist gefĂ€hrlich und nicht zu tolerieren.»

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Dieser Artikel erschien im Tink Jugendmagazin 04/14.

Interview: Atheist Kacem El Ghazzali

English Version

Weil er nicht an Gott glaubt, wurde Kacem El Ghazzali in seiner Heimat Marokko mehrfach attackiert und mit dem Tod bedroht. Vor vier Jahren ist der 24-JĂ€hrige in die Schweiz geflĂŒchtet und hat sein altes Leben hinter sich gelassen. Seine Überzeugung bleibt ungebrochen, auch wenn er damit weiterhin sein Leben riskiert.

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„Ich werde meine Arbeit nicht wegen Todesdrohungen beenden. Das war mir schon in Marokko klar.“ – Kacem El Ghazzali

HPD.de: In frommen LĂ€ndern wie Marokko wird der Glaube von vielen gar nicht erst in Frage gestellt. Was hat dich dazu gebracht, deine Religion zu hinterfragen?
Kacem El Ghazzali: Menschen scheinen am liebsten den einfachen Weg zu gehen. Deshalb ziehen sie es vor, all den SĂ€tzen auszuweichen, die mit grossen Fragezeichen enden. Etwas in Frage zu stellen bedeutet, dass man sich auf eine endlose Reise der Suche, der Zerstörung und des Neuaufbaus begibt. Man konfrontiert sich selbst mit seiner Vergangenheit, mit seinen eigenen Wahrheiten und all denjenigen Menschen, die ein Teil davon waren. Diese GefĂŒhle verstĂ€rken sich, wenn die Dinge, die man in Frage stellt, als heilig gelten oder von politischen und religiösen AutoritĂ€ten geschĂŒtzt werden, wie beispielsweise der Islam in der islamischen Welt. Ich habe mich nicht dafĂŒr entschieden, ein Atheist zu werden. Ich wurde dazu gezwungen von der Kraft der Logik. Warum ich meine Religion hinterfragt habe? Ich fand sie unlogisch. Und sie verursacht mehr Schaden als Gutes.

Hast du es je bereut, Atheist zu werden?
Ich habe lange versucht, glĂ€ubig zu sein, da es einfacher ist. Schlussendlich war ich immer voller kritischer Fragen. Es gibt viele andere in der islamischen Welt wie mich. Das Tabu der UnglĂ€ubigkeit wird langsam gebrochen, doch die Situation ist immer noch schwierig und gefĂ€hrlich fĂŒr alle, die sich dafĂŒr entscheiden, in der islamischen Welt zu ihrem Unglauben zu stehen.

Wieso ist diese Problematik im Islam weit ausgeprÀgter als im Christentum?
Der christliche Glaube durchlief bereits einen Prozess der Reformation. Auf der anderen Seite haben wir den Islam und seine Gesetze, die noch keinerlei Anzeichen einer Reformation zeigen. Der politische Islam erhĂ€lt GlaubwĂŒrdigkeit und UnterstĂŒtzung, weil die Menschen denken, dass er auf den Gesetzen Gottes beruht. Es ist nicht ein reines Glaubensproblem. Ich habe kein Problem damit, wenn sich jemand dazu entscheidet, seinen Glauben blind zu akzeptieren, solange der Glaube persönlich bleibt und keine politische Ordnung rechtfertigen soll.

Wie haben deine Familie und Freunde darauf reagiert, als du dich zum Atheismus bekennt hast?
Es war fĂŒr alle ein Schock. Die meisten von ihnen hörten es nicht von mir persönlich. Sie erfuhren es durch die Nachrichten in den Medien und Hasskampagnen in den sozialen Netzwerken. Alle meine Freunde, bis auf zwei, von denen einer Muslim ist, haben sĂ€mtlichen Kontakt zu mir abgebrochen und mich fortan wie ein Aussenseiter behandelt.

Wie bist du mit den Todesdrohungen umgegangen, die du tagtÀglich erhalten hast?
Die Todesdrohungen zeigen lediglich, dass meine Argumente korrekt sind. Die Muslime sagen, dass ihre Religion eine Religion des Friedens sei; das mĂŒsse man akzeptieren oder sterben. Aus diesen GrĂŒnden ignoriere ich die Drohungen und Hassmails einfach. Zur selben Zeit erhalte ich viele Dankeskarten und E-Mails mit netten Worten. Nicht nur von jungen Menschen, sondern auch von Ă€lteren, die mir dafĂŒr danken das zu sagen, was sie vor einigen Jahren nicht sagen konnten. Wir haben noch einen langen Weg vor uns, bis wir eine Gesellschaft der PluralitĂ€t aufbauen können.

Hast du je darĂŒber nachgedacht, deinen Kampf gegen den Islam aus Angst abzubrechen?
Es ist wichtig zu betonen, dass ich nicht gegen den Islam per se kĂ€mpfe, da es auch viele friedvolle Muslime gibt, deren Religionsfreiheit ich verteidige. Meine kritischen Worte gelten all denjenigen, die den Islam blind befolgen und keine Diskussion oder moderne Auslegungen zulassen. Diese Menschen arbeiten hart daran, ein gemeinsames Zusammenleben zu verhindern. Sie versuchen die Gesellschaft in Gut und Böse zu unterteilen – GlĂ€ubige und UnglĂ€ubige. Ich werde meine Arbeit nicht wegen Todesdrohungen beenden. Das war mir schon in Marokko klar.

Du lebst mittlerweile seit gut vier Jahren in der Schweiz. Wie erlebst du das Land?
Die Schweiz ist wegen seinem politischen System ein einzigartiges Land mit einer stabilen Ökonomie. Die Schweiz ist bekannt fĂŒr seine NeutralitĂ€t, die ihr grosse Bewunderung und zur selben Zeit massive Kritik beschert. Es ist schwierig, ĂŒber solche Dinge zu reden, ohne das staatliche System zu kennen. Es gibt trotz der Offenheit auch konservative Kantone wie Wallis und Schwyz – im Wallis wurde ein Lehrer namens Valentin Abgottspon entlassen, weil er ein Kruzifix von der Wand seines Klassenzimmers entfernte. Solche Dinge wĂŒrden in ZĂŒrich und Genf nie passieren. Die Abstimmungsergebnisse bei politischen Initiativen beweisen das.

Was können die westlichen LÀnder zu dem Wandel beisteuern, den du forderst?
Der Westen muss sich erst seiner eigenen Situation bewusst werden. Einst schien es so, als wĂŒrden wir uns in die richtige Richtung entwickeln. Heutzutage scheint man sich wieder rĂŒckwĂ€rts zu bewegen. Die westlichen Regierungen verbĂŒnden sich aus rein ökonomischen GrĂŒnden mit islamischen und theokratischen Staaten. Wir mĂŒssen uns ĂŒberlegen, ob das moralisch und ethisch vertretbar ist.

Stimmt dich die offene Schweiz optimistisch oder wird durch den krassen Kontrast zu Marokko nur noch deutlicher, dass der Wandel noch lange ausbleiben wird?
Die Welt war schon immer so. Kriege und menschliche Katastrophen sind ein Teil unserer Existenz. Wir Menschen haben mehr Schaden angerichtet als Gutes getan, nicht nur an uns selbst sondern auch an unserer Erde. Ich habe immer noch Hoffnung auf eine bessere Zukunft, aber diese ist noch weit entfernt. Darum glaube ich, dass wir öfters an die Zukunft denken sollten. Nicht nur an die, in der wir leben werden, sondern auch die der kommenden Generationen.

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Der Artikel erschien zusÀtzlich auf hpd.de.

Interview: Secular activist & writer Kacem El Ghazzali

Deutsche Version

Because he doesn’t believe in God, Kacem El Ghazzali from Morocco has been attacked and threatened with death. Four years ago, the 24-year-old blogger fled to Switzerland and left his old life behind him. His conviction is unbroken, and thus, he still risks his life to this day.

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„I don‘t think that I will stop my work because of the death threats, this was clear for me since I was in Morocco.“ – Kacem El Ghazzali

HPD.de: In devout countries such as Morocco, many people don’t even question their belief. What lead you to challenge your religion?Kacem El Ghazzali: People in general seem to walk the easy roads and take the easy options, that’s why they prefer to live as simple as possible and avoid all those phrases which end with big question marks.  To question something means that you are going on an endless road of searching, seeking, destroying and rebuilding. It‘s like opening fire on yourself, your past, your truths, and all those who used to live in it. Especially if the things you are putting into question are considered to be holy, forbidden or protected by political and religious authorities as it is the case for Islam in the Islamic world. In my case, I did not choose to be an Atheist, it was actually forced on me by the power of question and logic.  Why did I choose to challenge (my) religion? I found it illogical. And it causes more harm than good.

Did you ever regret being forced to become an Atheist?
Honestly, I tried hard to be a believer because it‘s easier. But at the end of the day, I was always full of critical questions. There are many others in the Islamic world who are like me, this taboo of silence is chattering  down, however, the situation is still difficult and dangerous for all of those who decided to be Atheists in Islamic countries to show up and talk about it.

Why do so many people blindly accept the faith in countries like Morocco?
Because they are believers. The difference is that those of the Christian belief already went through a process of enlightenment and reformation. And even nowadays, if some Christian fundamentalists in Switzerland refuse to recognize the right of others to be Atheists, they won‘t be able to do anything against it. This is because of the enlightenment age in the western countries. On the other side we have Islam and it‘s laws, which have not witnessed any form of reformation. The fact that makes political Islam get credibility and support is because people think it‘s against God’s laws.  It‘s not only a problem of faith, rather than  if the faith is kept as a personal matter or being used to justify it‘s political order. I have no problem if someone decides to accept his faith blindly as long as he keeps it away from the public sphere.  And do not try to force it on others, including family members.

How did your friends and family react when you told them that you’re an Atheist?
It was a shock for all of them. Most of them  did not hear it from me personally; they got to know the news from the media and the hate campaigns against me on Social Media networks. All my friends except two close friends, one of them being a Muslim, cancelled all contact with me and started to look at me as if I am an outsider and do not belong to them anymore.

How did you deal with the dozens of death threats you received for your Bahmut blog?
I have been recieving death threats for a quite long time now, and I am not surprised. It just shows that we still have a long way to go in order to establish a society of plurality and acceptance of the other. I just ignore all those death threats and hate e-mails. At the same time, I recieve lots of thank you cards and e-mails, not only from young people but also some eldery followers who thank me for saying what they could not express once. Those who are threatening me just prove how my argument is right. They say Islam is a religion of peace, and I say „no, it‘s not.“ Than they say: „No, say it‘s a religion of peace, accept it or we will kill you!“

Did you ever think about quitting your „fight“ against the Islam because of things like that?
It‘s important to make clear that I am not fighting Islam per se, there are lots of peaceful Muslims, and I defend their religious freedom. My critical words are for those who follow Islam blindly, letting no room for discussion or modern interpretation to the religion itself. They work hard to silence any attempt to live together and do not recognize the rights of others, especially apostates of Islam. They try to devide society into good and evil, infidels and believers . I don‘t think that I will stop my work because of the death threats, this was clear for me since I was  in Morocco.

You lived in Switzerland for almost four years now. How do you witness our country?
Switzerland is a unique country due to it‘s political system and stable economy. It‘s also a very attractive country for many to live in. That’s why there is always  ongoing debates about immigration here. Switzerland is known for it‘s neutrality, which earns it a big admiration and at the same time huge and massive criticism.  Living in Switzerland has been an interesting task for me, not only on a personal level, but also in my tries to understand and learn from the Swiss experience.

What about religion in Switzerland?
I have not met that many religious people here or attended any religious events. From what I‘ve read in the news and on Social Media, it‘s hard to talk about Switzerland without understanding ist federal system.  There are cantons which are very conservative, like Wallis and Schwyz. In Wallis, for example, a teacher called Valentin Abgottspon got fired from school for removing a christian cross from his classroom. These things wouldn‘t happen in cantons like Zurich or Geneva. The results of public political initiatives prove this.

What can we, the western world, do, to make things better?
The West needs to think of it‘s own current situation first. The West once seemed to go the right way to enlightenment and freedom . But nowadays, it seems that it‘s going backwards again.  The western governments ally with islamic and theocratic states  because of their oil and because of economical benefits… These are some of the things that the West needs to find answers for.

Comparing Morocco and Switzerland: Do you feel like the world is evolving in the right direction? Or is it just getting worse?
The world has been like this all the time. Wars and human catastrophes are part of us and our existence. We humans have done more damage than good, not only to ourselves but also to our beautiful earth. I still somehow try to have a hope on a better future, but I can not see it there soon.  That’s why I believe that we are in need of humanism values, we need to stop for a while and think about the future. Not the future which we gonna live. but the future of the coming generations.

Der Nahe Osten im Auge der ISIS

Irak, Syrien, Israel, Jordanien und der Libanon sollen wieder islamische Gottesstaaten werden. Das ist das Ziel der militanten Terrororganisation ISIS. Die gewaltsame Errichtung einer Theokratie forderte schon viele Menschenleben und legt den Orient in TrĂŒmmer. 

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Die Terrororganisation ISIS findet im Nahen Osten immer mehr AnhÀnger und gewinnt an StÀrke. Photo: @RH1435/Twitter

Samstag, 30. Dezember 2006: Der irakische Diktator Saddam Hussein wird hingerichtet. Mit seinem Tod endet das Jahr und die latente Ordnung, die er in seinem Staat aufrechterhalten hat.

Bis zu seiner Hinrichtung lebte die Bevölkerung des Irak unter einem gewaltsam-repressiven Regime. Die BrutalitĂ€t des Diktators lieferte den Schutz und die StabilitĂ€t, die der Irak augenscheinlich brauchte. Als das Land von den USA invadiert und Hussein von seinem Posten verdrĂ€ngt wurde, erzeugte dies ein „Macht-Vakuum“, dass verschiedene Fraktionen und Interessengruppen zu fĂŒllen versuchen – bis heute.

Aufstieg der ISIS

In den letzten 6 Monaten brachte eine Gruppe namens ISIS (Islamischer Staat Irak Syrien) mit einer Ă€hnlichen Philosophie wie die Al-Qaeda mehrere dutzende StĂ€dte im Irak und in Syrien erbarmungslos unter ihre Kontrolle. Das gelang ihnen durch die Zusammenarbeit mit Dschihadisten und Salafisten, die zeitgleich gegen das Assad-Regime in Syrien kĂ€mpfen. Die hauptsĂ€chlich aus Sunniten bestehende Terror-Organisation will die sĂ€kular-schiitische Regierung des Irak stĂŒrzen und einen autonomen islamischen Staat errichten.

Eroberung einer Millionenstadt

Die ISIS-Terrormiliz ĂŒberrannte Mitte Juni die zweitgrösste Stadt im Irak – Mossul. Die Millionenstadt ist seither in ihrer Kontrolle. Mit dieser Eroberung bewiesen die Dschihadisten, dass sie das Potential haben, sich auch dichtbevölkerten Gebieten zu ermĂ€chtigen. Auch Tikrit befindet sich seit einigen Tagen in der Gewalt der ISIS. Die Heimatstadt Saddam Husseins ist neben ihrem symbolischen Wert auch wirtschaftlich eine bedeutungsvolle Stadt, da sie ĂŒber ausserordentlich viele Ölfelder verfĂŒgt.

Widerstandsloser Vormarsch

Die MachtkĂ€mpfe fielen bisher nicht so gewalttĂ€tig aus wie erwartet, da das irakische MilitĂ€r auf die zahlreichen Angriffe nicht vorbereitet war und frĂŒhzeitig von den SchlĂŒsselpositionen floh. Auch hunderttausende Zivilisten befinden sich momentan auf der Flucht, mit dem einzigen Ziel, die eingenommenen StĂ€dte hinter sich zu lassen. Genauso viele Zivilisten schliessen sich der ISIS an, da sie sich von der Organisation wieder eine StabilitĂ€t erhoffen, die ihnen durch den Tod Husseins entrissen wurde.

Da ISIS durch die eingeschĂŒchterte Bevölkerung immer mehr Eigendynamik entwickelt, rĂŒcken sie ihrem grossen Ziel immer nĂ€her: Die Eroberung der Landeshauptstadt Bagdad.

Weltweite Sorgen

Eine lĂ€ngerfristige MachtĂŒbernahme des Nahen Ostens durch ultrakonservative Islamisten hĂ€tte weltweit verheerende Folgen. Deshalb intervenieren verschiedene SchlĂŒsselstaaten. Diese wollen zur Schlichtung beitragen oder zumindest ihre eigene Sicherheit gewĂ€hrleisten.

Die Vereinigten Staaten von Amerika unterstĂŒtzen mit humanitĂ€rer und materieller Hilfe die korrupte al-Maliki Regierung, die de jure weiterhin die volle Kontrolle ĂŒber den Irak hat. Kurdistan schliesst eine Einmischung in den Konflikt mit ihrer autonomer MilitĂ€rkraft nicht aus. Die TĂŒrkei als NATO-Mitglied fordert eine sofortige Lösung des Problems durch das internationale MilitĂ€rbĂŒndnis, da zurzeit immer noch 49 ihrer BĂŒrger von ISIS gefangen gehalten werden.

ISIS ante portas

Eine grösstenteils gewaltlose Übernahme von Bagdad durch ISIS ist nicht unwahrscheinlich. Viele der irakischen KĂ€mpfer sind nicht bereit ihr Leben zu geben um eine Stadt zu verteidigen, die keine starke Regierung hat. Diese defĂ€tistische Resignation legitimiert in vieler Hinsicht die bedrohliche Warnung, die ISIS beim Betreten von StĂ€dten und Dörfern ausspricht: „Legt eure Waffen nieder. Wir werden entweder eure Stadt einnehmen oder hier sterben.“