Interviews mit zwei atheistischen FlĂŒchtlingen

Wie viele FlĂŒchtlinge aus muslimischen LĂ€ndern Atheisten sind, wisse niemand. Manchmal werde ihnen nicht geglaubt. Und oft wĂŒrden sie sich vor Mobbing oder Gewalt fĂŒrchten, schreibt Die Zeit. Auf diesem Blog habe ich bereits zwei FlĂŒchtlinge aus Nationen mit der Staatsreligion Islam vorgestellt.

atheismus
Bild: SANDRO BUCHER

«Ich habe immer noch Hoffnung» – Interview mit Kacem El Ghazzali, Marokko

Weil er nicht an Gott glaubt, wurde Kacem El Ghazzali in seiner Heimat Marokko mehrfach attackiert und mit dem Tod bedroht. Vor vier Jahren ist der 24-JĂ€hrige in die Schweiz geflĂŒchtet und hat sein altes Leben hinter sich gelassen. Seine Überzeugung bleibt ungebrochen, auch wenn er damit weiterhin sein Leben riskiert. Link zum Interview.

«Es besteht die Gefahr eines BĂŒrgerkriegs» – Azam Khan, Bangladesch

Anfang April wurde der sÀkulare Blogger Nazimuddin Samad in Bangladesch auf offener Strasse ermordet. Wie bereits sechs Kritiker des radikalen Islamismus vor ihm. Einer von Nazimuddins Freunden, Azam Khan, lebt heute in der Schweiz. Auch er steht auf einer von islamistischen Gruppen zusammengestellten Todesliste von Atheisten. Link zum Interview.

Warum geniesst die katholische Kirche wieder mehr Vertrauen?

Laut einer österreichweiten Umfrage zum Thema GlaubwĂŒrdigkeit geniesst die katholische Kirche das Vertrauen von 46 Prozent der Bevölkerung. Das sind elf Prozent mehr als im letzten Jahr. Wie dieser Aufstieg zu erklĂ€ren ist, zeigt unter anderem ein Blick auf die anderen Gewinner und Verlierer dieser Umfrage.

751388_original_R_by_Isabella Pechlivanis_pixelio.de
Der Vatikan geniesst, zumindest in Österreich, wieder ein hohes Mass an Vertrauen. (Foto: ISABELLA PECHLIVANIS/pixelio.de)

Fast jeder zweite Mensch in Österreich schenkt der katholischen Kirche sein Vertrauen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage, die unter anderem von dem sozialwissenschaftlichen Institut Sora durchgefĂŒhrt wurde. Und auch bei den abgefragten Persönlichkeiten glĂ€nzt die Kirche: Papst Franziskus erreicht mit 82 Prozent den zweiten Platz hinter Ski-Star Marcel Hirscher, dem 83 Prozent der befragten Personen vertrauen.

Was glaubwĂŒrdig macht

Auch wenn Katholikinnen und Katholiken in Österreich noch immer in der Mehrheit sind (60 Prozent), ĂŒberrascht dieses hohe Mass an Vertrauen. Vor allem, wenn man sich ansieht, anhand welcher Eigenschaften das Vertrauen gemessen wurde:

SORA_Folie
(Screenshot: Folie klar.SORA GlaubwĂŒrdigkeitsranking 2016)

Die stĂ€rksten statistischen ZusammenhĂ€nge mit GlaubwĂŒrdigkeit zeigen laut den Befragern folgende Beschreibungen: «ist ehrlich», «tut, was er/sie sagt» und «hĂ€lt, was er/sie verspricht»; fast gleich stark wirken «ist offen und transparent» sowie «bei ihm/ihr passt alles zusammen», schreibt ORF.

Auch ohne viel Zynismus und Spott ist kaum von der Hand zu weisen, dass viele dieser Eigenschaften bei der katholischen Kirche nur wenig oder gar nicht zutreffen. Wie aber sind diese positiven Entwicklungen dann zu erklÀren?

«Der Franziskus-Effekt»

In den Skandaljahren 2010 bis 2013 verlor die Kirche nicht nur ihre GlaubwĂŒrdigkeit, sondern auch das Vertrauen hunderttausender Katholiken. Viele GlĂ€ubige konnten ĂŒber die PĂ€dophilie-VorwĂŒrfe an ranghohen Bischöfen, Priestern und Pfarrern nicht hinwegsehen und wendeten der Kirche den RĂŒcken zu. Die Beliebtheit der Kirche war auf einem neuen Tiefpunkt, die Zahl der Kirchenmitglieder sank tĂ€glich im vierstelligen Bereich.

Damals stellten sich viele Theologen und Laien nach dem RĂŒcktritt von Benedikt XVI. die Frage: Kann ein einzelner Mann das Schiff Petri wieder auf Kurs bringen? Mittlerweile hat Franziskus bewiesen: Ja, er kann. Auch wenn er im Vatikan selbst nur wenig bewegt, findet durch seine zukunftsgerichteten und liberalen Aussagen ein Umdenken in der Öffentlichkeit statt. So wie vor ein paar Tagen, als er sagte, dass Homosexuelle, Frauen, Geschiedene und ausgebeutete Kinder eine Entschuldigung fĂŒr ihre Behandlung durch die Kirche verdient haben.

Seit Franziskus Papst ist, findet ein Akt der EntrĂŒmpelung altbewĂ€hrter Traditionen und Ansichten statt. Denn auch ihm war klar, dass an ihm die GlaubwĂŒrdigkeit der Kirche neu bemessen werden wĂŒrde. So hat der sogenannte «Franziskus-Effekt» auf jeden Fall sehr viel damit zu tun, dass die Kirche derzeit einen FrĂŒhling der VertrauenswĂŒrdigkeit erlebt.

Schwere Zeiten

Ein nicht minder wichtiger Faktor ist die momentane gesellschaftliche und politische Unsicherheit in Europa: Viele Menschen, auch solche, die sich nicht als Christen bezeichnen, verlangen derzeit von den Kirchen klare Haltungen und Mithilfe bei aktuellen Problemen, wie beispielsweise der FlĂŒchtlingssituation. Denn dass sich Menschen in Krisensituationen oft zum Glauben hinwenden oder sich wieder ihrer religiösen Wurzeln bewusst werden, zeigte sich in der europĂ€ischen Vergangenheit schon des Öfteren.

Auch drĂŒckt sich die momentane Unsicherheit in den anderen Ergebnissen der GlaubenswĂŒrdigkeits-Umfrage aus: Der österreichischen Regierung vertrauen nur noch 30 Prozent (-7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr), der EU-Kommission 25 Prozent, Eva Glawischnig, einer österreichischen GrĂŒnen-Politikerin, nur noch 42 Prozent (-9 Prozent) und  Angela Merkel nur noch 45 Prozent (-25 Prozent!).

Der Heilige Zeitgeist

Zurzeit wird in der Schweiz ĂŒber die «Ehe und Adoption fĂŒr alle» diskutiert. WĂ€hrend neben liberalen Bewegungen sogar Theologiestudentinnen und -studenten diese Forderung unterstĂŒtzen,  halten sich die Landeskirchen mit ihrem Zuspruch zurĂŒck. Nicht zuletzt, weil der Appell eine theologische Grundsatzfrage tangiert: Wie weit darf sich die Kirche dem Zeitgeist anpassen?

28_-Februar-20-Uhr-Sedisvakanz-beginnt
Wie weit darf sich die Kirche aus theologischer Sicht dem Zeitgeist anpassen? (Bild: katholisches.info)

Die Menschen der Katholiken-Hochburg Irland haben mit ihrem Ja zur Heirat fĂŒr gleichgeschlechtliche Paare vor rund einem Jahr eindrĂŒcklich gezeigt, dass konservative Kirchenkreise zumindest in dieser Gesellschaftsfrage den Kontakt zur Basis komplett verloren haben. Von einem «substanziellen Riss zwischen der katholischen Kirche und der Gesellschaft» sprach der Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, und bewertete den Ausgang des Referendums im Interview mit der Internetplattform „Vatican Insider“ als «Zeichen einer Kulturrevolution».

Kampf in der Schweiz

Von diesem irischen Revolutionsgeist beflĂŒgelt, kĂ€mpfen in der Schweiz unter anderem die GrĂŒnliberale Partei und die politische Bewegung «Operation Libero» fĂŒr die Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften und die daraus entstehende Familienformen.

WĂ€hrenddessen befĂŒrchten Gegner dieser Forderung, dass durch die Ehe fĂŒr alle das traditionelle Familienbild geschwĂ€cht wird: «Es ist an der Zeit, die Demontage der traditionellen Familie zu stoppen», sagt EDU-Politiker Marco Giglio, Co-PrĂ€sident eines Komitees, dass die «Homo-Ehe» verhindern will. «Die Ausdehnung der Schwulenrechte ist ein Angriff auf die Familie.»

Kirche im Dilemma

Dass in der heutigen Zeit noch immer von einer traditionellen Familie gesprochen wird, ist eine Desavouierung des Zeitgeistes. Denn Familienkonstellationen und Lebensformen, die von der Tradition abweichen, sind lÀngst gesellschaftliche RealitÀt. Auch in der Schweiz. Trotzdem verzichten die hiesigen Landeskirchen immer noch darauf, klar Stellung zu beziehen.

Und das, obwohl eine Anpassung des Eherechts gar kein fundamentaler Umsturz der theologischen Stossrichtung der Kirche wĂ€re. Schliesslich stammt das gesamte Eherecht in seinen WesenszĂŒgen erst aus dem Hochmittelalter. Das erwĂ€hnt auch der österreichische Theologe Horst Herrmann in seinem Buch «Die sieben TodsĂŒnden der Kirche» und stĂŒtzt damit seine These: «Die Kirche versucht noch immer, hundertfĂ€ltig vorgenommene Adaptionen an vergangene Gesellschaftsformen und Ideologien als zeitlos gĂŒltige Aussageweisen auszugeben».

Klare Stellungnahme fehlt

Der Schweizer Theologe Walter Ludin kommt zum selben Schluss: «Vor Jahrhunderten hat sich die Kirche an den damaligen Zeitgeist angepasst. Nun tut sie so, als ob sie dabei ewige Wahrheiten verkĂŒnden wĂŒrde», schreibt der Kapuziner in einem aktuellen Kirchenblog. «Gleichzeitig weigert sie sich, sich an heutige kulturelle Standards anzupassen. Zum Beispiel an demokratische Strömungen. Lieber bleibt sie monarchisch und behauptet, Jesus habe es so gewollt.»

Das Eherecht ist also kein in Stein gemeisseltes Dogma. Dennoch ist die Öffnung der Ehe eine ethische und moralische Grundsatzfrage, die die Geister scheidet und bis in den Kern des christlichen Familien- und Gesellschaftsbilds bohrt. Gerade deshalb ist es fĂŒr die Landeskirchen unabdinglich, sich auch bei derart heiklen Gesellschaftsfragen zu Ă€ussern; was noch keine endgĂŒltige Positionierung an einer der polarisierenden Fronten zur Folge haben muss. Im Zentrum steht, wie bei jeder Debatte, die Suche nach Integration gesellschaftlicher GegensĂ€tze, geleitet von den Mechanismen der demokratischen Auseinandersetzung. Keiner monarchischen.

«Mein Senf»: Religiöse Macht und Ohnmacht

Das Schweizer Radio Fernsehen verfĂŒgt als einziges Medienhaus in der Schweiz ĂŒber eine Fachredaktion, die sich ausschliesslich mit Fragen des Glaubens und der Religion beschĂ€ftigt. Das es mit diesem lobenswerten Engagement alleine in der Schweizer Medienlandschaft steht, ist bedenklich, scheint doch gerade in der heutigen Zeit eine differenzierte Auseinandersetzung mit diesen Themen so wichtig. Wie aber geht das SRF mit der Verantwortung um, die sie sich mit einem «medialen Religions-Monopol» geschaffen hat? «Mein Senf» dazu auf SRG Insider.

Illustration_Religion_Mein Senf.9f3a488806c0ebd68d621c2bce7de9d61114
«Sendungen wie das „Wort zum Sonntag“ sind in unserer pluralistischen Gesellschaft nicht mehr zeitgemĂ€ss.» Illustration: SRG INSIDER

Dass SRF mit seinem lobenswerten Engagement alleine in der Schweizer Medienlandschaft steht, ist bedenklich, scheint doch gerade in der heutigen Zeit eine differenzierte Auseinandersetzung mit diesen Themen so wichtig. Im Jahr produziert die SRF-Religionsredaktion rund 400 journalistische BeitrĂ€ge. Diese können in zwei Gruppen unterteilt werden: Sendungen ĂŒber Religion und religiöse Sendungen.

Mit Sendungen ĂŒber Religion wie den Sternstunden leistet die SRF-Religionsredaktion einen essentiellen und mehr oder weniger ausgewogenen Beitrag in der Schweizer Medienwelt. Gleichzeitig hĂ€lt sie aber an religiösen Sendungen fest, die in unserer pluralistischen Gesellschaft nicht mehr zeitgemĂ€ss sind: Im â€čWort zum Sonntagâ€ș werden Gedanken aus sogenannt christlicher Sicht vermittelt. Dabei kommen Theologinnen und Theologen der drei Landeskirchen sowie ab und an ein Vertreter der evangelisch-methodischen Kirche zu Wort.

Weiterlesen auf SRG Insider

Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?

Da ich mich sowohl beruflich als auch privat mit Religion auseinandersetze, durfte ich jene Frage, die Gretchen dem Faust in Goethes epochalem Werk stellt, schon öfters beantworten. Nicht selten wird die Gretchenfrage dabei begleitet von dem Nachtrag: «Aber du bist doch Atheist, warum beschĂ€ftigst du dich ĂŒberhaupt mit Religion und der Kirche?»

faust
Faust im Studierzimmer (GemÀlde von Georg Friedrich Kersting, 1829)

Im Schweizer Sonnenkanton Tessin erschlich ich mir vor rund siebzehn Jahren meinen ersten, unlauteren Blick hinter die Kulissen der katholischen Kirche. Vor einem tiefliegenden Pfarrhausfenster bat ich meine Grossmutter, auf ihre Schultern steigen zu dĂŒrfen, um einen Blick ins Innere des Gotteshauses werfen zu können. Von meinem neuen Aussichtspunkt aus, sah ich direkt auf die Halbglatze des Pfarrers und konnte ihn beim Schreiben eines Briefes beobachten – ein Bild, das sich bis heute bei mir eingeprĂ€gt hat.

Weitere Erinnerungen an die ersten Sommerferien in der SĂŒdschweiz beinhalten diverse Kirchen-, Kloster- und Kapellenbesichtigungen sowie meine fortwĂ€hrende Fragerei von «Was bedeutet dieses Symbol?» ĂŒber «Wer ist dieser Heilige?» bis «Was ist der Unterschied zwischen katholisch und reformiert?». Fragen nach dem «Wieso, Weshalb, Warum» wĂŒrden erst spĂ€ter folgen. Wie auch Gretchen habe ich in meinen Kindesjahren die Kirche und die Religion nicht hinterfragt und hĂ€tte sie wohl dabei bekrĂ€ftigt, als sie in Goethes Faust die damalige öffentliche Meinung aussprach: «Man muss dran glauben!»

Steigende Meinungsvielfalt

Die Gretchenfrage zeigt auf, wie viel sich seit Goethes Zeiten verĂ€ndert hat. Fausts zurĂŒckhaltendes «Muss man daran glauben?» muss nicht mehr hinter vorgehaltener Hand geflĂŒstert werden. Eine Befragung des Schweizer Bundesamtes fĂŒr Statistik zeigt, dass 2016 fast jede vierte Person in der Schweiz konfessionslos ist. Gretchen wĂŒrde das gar nicht gefallen.

Doch konfessionslos heisst noch nicht religionslos, und deshalb befindet sich ein Grossteil der europĂ€ischen Bevölkerung vermutlich irgendwo zwischen Faust und Gretchen. Viele Menschen machen sich ein eigenes Bild des Göttlichen, einige setzen auf Esoterik und Astrologie, einige sagen ja zu Gott und nein zur Kirche und wiederum andere sind Religion und Kirche gegenĂŒber indifferent oder gar feindlich.

Bindung durch Distanz

Obwohl ich in der erzkatholischen Innerschweiz aufgewachsen bin und die Grundlagen und die Verfassung der Schweiz stark von sogenannten christlichen Werten geprĂ€gt sind, war eine Identifikation fĂŒr mich nach meinen Kindestagen nie mehr spĂŒrbar. Mein fragiler Draht zu Gott und meinem Glauben zerbrach bereits an der ersten, kritischen Auseinandersetzung am Ende meiner Primarschulzeit. Als Folge davon habe ich den Atheismus als fĂŒr mich richtige Auseinandersetzung mit der Religion entdeckt. Ironischerweise wurde ich durch den subjektiven Religionsunterricht in meiner Entscheidung bekrĂ€ftigt.

Mein unablĂ€ssiges Interesse an den Systemen und Menschen hinter der Religion wurde durch diese Distanzierung jedoch nur noch intensiver. Da GlĂ€ubige etwas besitzen, das mir fehlt und ich glĂŒcklicherweise dennoch nicht vermisse, bleiben die GesprĂ€che mit ihnen fĂŒr mich stets ertragreich und interessant, sofern sie grundehrlich mit ihrem Glauben umgehen und sie nicht doktrinistisch und gnadenlos festgefahren sind. Aber auch hier begegne ich einer paradoxen Bindung: Je mehr ich mich mit Religion auseinandersetze, desto abwegiger wird es fĂŒr mich, je einem Glauben anzuhĂ€ngen.

Förderung des Dialogs

BĂŒcher und Essays von Christopher Hitchens, Richard Dawkins und Sam Harris halfen mir dabei, die zeitgenössische Philosophie der AufklĂ€rung als GegenstĂŒck zur institutionalisierten Religion und blindem Glauben besser zu verstehen und bildeten einen wichtigen BrĂŒckenschlag zum Existenzialismus. Religion wurde fĂŒr mich fassbarer, verstĂ€ndlicher und logischer. Die delphischen Strukturen und Schemen wurden nach und nach aufgebrochen.

Gerade in der heutigen Zeit ist es enorm wichtig, dass man sich wieder intensiver und objektiver mit Religion und Glaube auseinandersetzt. Und dennoch ist in den (sozialen) Medien eine zunehmende VerhĂ€rtung der Fronten zu beobachten. Atheistinnen und Freidenker werden nicht ernst genommen oder schiessen polemisch gegen GlĂ€ubige, wĂ€hrend Christinnen und Christen ĂŒber Churer Bischöfe und Musliminnen und Muslime ĂŒber den Islamischen Zentralrat der Schweiz definiert werden. Diese FrontenverhĂ€rtung kann und muss durchbrochen werden, um einen differenzierten Dialog mit den Religionen zu ermöglichen. Denn unser gesellschaftliches Zusammenleben ist ohne irgendeine Form der Religion gar nicht denkbar. Sie ist ein Spiegel unserer geistigen SouverĂ€nitĂ€t oder eben AbhĂ€ngigkeit.

David gegen Gott

Amerikas «Chefatheist» David Silverman geht mit Religionen und deren Vertretenden gnadenlos ins Gericht. Auf seiner Europa-Tour kam der «American Atheists»-PrĂ€sident nach Basel und ZĂŒrich, um sein neues Buch «Fighting God» und den sogenannten «Firebrand Atheism»vorzustellen: die Universalwaffe gegen die «grösste LĂŒge der Menschheitsgeschichte».

Silverman2
«Hört auf, euch Freidenker zu nennen» – David Silverman bei seinem Vortrag im Karl der Grosse ZĂŒrich. (Bild: SANDRO BUCHER)

 «Sagt, dass ihr Atheisten seid, und hört mit diesem Freidenker-Bullshit auf», proklamiert Amerikas Chefatheist David Silverman bei der Mikrofonprobe im ZĂŒrcher Zentrum «Karl der Grosse» und legt damit vorzeitig den Grundstein fĂŒr ein radikales Referat voller Überzeugung, Tatendrang und Strebsamkeit.

Schonungslose AufklÀrung

Zu Beginn seines Vortrags hebt der PrĂ€sident der amerikanischen Atheisten hervor, dass Hardline-Atheismus sowohl auf persönlicher als auch auf gesellschaftlicher Ebene die effektivste Waffe gegen Religion sei: «Wenn ihr Religionen respektiert, so handelt ihr egoistisch und eigennĂŒtzig.» Ein vorsichtiges Vorgehen im Kampf gegen die Religion sei der falsche Ansatz, wenn man etwas verĂ€ndern möchte: «Religion ist ein Gift, dass aus den Wunden der Befallenen ausgesogen werden muss. Es liegt an uns, ihnen dabei zu helfen.»

Bei dieser Hilfestellung gehe es in erster Linie jedoch nicht darum, religiöse Menschen zum Atheismus zu bewegen: «Unser Ziel ist die Hoffnung der AufklĂ€rung. Religiöse Menschen sind indoktrinierte Opfer ihrer sozialen Umgebung. Wir mĂŒssen die Ideologie angreifen, nicht den Menschen, und uns dabei jeglicher Dogmen enthalten.»

Fakten, keine Beleidigungen

Respektlosigkeit gegenĂŒber jeder Religion: Das ist die unerschrockene «Firebrand Atheism»-Strategie, fĂŒr die der Name David Silverman steht. Unter seiner FĂŒhrung fanden in den USA PR-trĂ€chtige Werbeaktionen und Megaveranstaltungen wie die «Reason Rally 2012» statt, die als grösste atheistische Veranstaltung in die Weltgeschichte eingegangen ist.

Die wichtigste Regel beim «Firebrand Atheism» ist, dass Atheisten die GlĂ€ubigen nicht beleidigen: «Beschimpfungen sind Zeichen schwacher Argumente. Wir haben die stĂ€rksten Argumente auf unserer Seite, nĂ€mlich Fakten und Daten», sagt Silverman, «deshalb sind wir in der Pflicht, das Kind beim Namen zu nennen: Religion ist eine LĂŒge und alle Götter sind falsch.»

Silverman bekrĂ€ftigt, dass er fĂŒr glĂ€ubige Menschen MitgefĂŒhl habe und sie genau deshalb nicht vor der brutalen Wahrheit schone. «Ich respektiere alle Menschen als Person, doch den Glauben respektiere ich nicht. Wer an Gott glaubt, ist nicht dumm, sondern Opfer der grössten LĂŒge in der Geschichte der Menschheit.»

«Hört auf, euch Freidenker zu nennen»

Nicht nur in Amerika, sondern ĂŒberall auf der Welt sei es wichtig, keine Angst davor zu haben, sich als Atheist zu positionieren: «Relativierende Euphemismen wie Skeptiker, Humanisten, SĂ€kulare, Agnostiker und Freidenker schaden unserer Sache», sagt Silverman, «in der Regel werden diese Begriffe von verkappten Atheisten verwendet, um nicht anzuecken.» Nur Atheismus sei der korrekte Terminus, bei dem alle verstĂŒnden, was gemeint sei.

Durch die sprachliche VerwÀsserung entstehe ein falsches Bild von Gottlosen, besonders in Amerika: «Viele denken, es gebe in den USA nur etwa drei Prozent Atheisten. Dabei kommt man durch das ZusammenzÀhlen aller Atheisten, die sich hinter einem Euphemismus verstecken, locker auf rund dreissig Prozent. Dass wir uns nicht klar positionieren, schadet unserer Sache enorm.»

«Ein atheistischer US-PrÀsident wird kommen»

Seine fundamentale Haltung begrĂŒndet der 49-jĂ€hrige Amerikaner unter anderem durch die durchdringenden MissstĂ€nde in seinem Land: «Stets betonen wir die Gleichheit unserer BĂŒrger, doch wer nicht an Gott glaubt, kann beispielsweise eine Karriere in der Politik gleich wieder vergessen.»

Silverman sagt, er wisse aus persönlicher Erfahrung, dass sich im US-Senat Dutzende Atheisten verstecken, die nicht offen zu ihrem Unglauben stehen können. «Bis wir einen offen atheistischen US-PrÀsidenten haben, geht es bestimmt noch einige Jahrzehnte. Aber er oder sie wird kommen. Die religiöse Landschaft in den Vereinigten Staaten entwickelt sich im Eiltempo zu unseren Gunsten.»

Korrektes Kritisieren

MĂ€ngel und UnrechtmĂ€ssigkeiten gegenĂŒber Atheisten beobachtet Silverman nicht nur in der Politik, sondern in fast allen gesellschaftlichen Bereichen: «Als GlĂ€ubiger geniesst man ĂŒberall Privilegien. Viele fĂŒhlen sich nur deshalb beleidigt, wenn man ihren Glauben kritisiert, weil sie Angst davor haben, ihre Sonderstellung zu verlieren.»

In diesen FĂ€llen ist es wichtig, den GlĂ€ubigen klarzumachen, dass sich die Kritik nicht auf die Person, sondern auf die Religion bezieht: «Atheisten mĂŒssen sich bei Religionskritik den Nuancen religiöser Komponenten bewusst sein: Gott, Geister, Wunder und Offenbarungen basieren auf einer LĂŒge. Die karitative Arbeit der Kirche hat damit nichts zu tun und existiert nur, weil helfende Menschen empathisch sind. Das sind soziale Werte ohne religiösen Ursprung, die Respekt verdient haben.»

Fighting God

Silverman schliesst sein Referat mit der Aufforderung, sein atheistisches Manifest fĂŒr eine religiöse Welt, «Fighting God», so schnell wie möglich vorzubestellen: «Durch gute Vorverkaufszahlen sind grosse Zeitungen und religiöse Magazine dazu gezwungen, ĂŒber das atheistische Manifest zu berichten. Dadurch erreicht unsere Botschaft höhere Resonanz.» Das Buch zeige die Wahrheit ĂŒber Religion und deren negative Effekte auf die heutige Gesellschaft sowie die wesentlichen Beweise dafĂŒr auf, wie die Inexistenz Gottes erfolgreich nachgewiesen werden kann. Eine deutsche Fassung ist noch nicht angekĂŒndigt.

___________

Das Interview erschien auf hpd.de.

Adoray – Bunter Katholiken-Konservativismus

Rund 500 Interessierte haben vom 6. bis 8. November das diesjĂ€hrige «Adoray»-Festival im Schweizer Kanton Zug besucht. Die katholische Gebetsgruppe lockt mit einer jugendlichen Frische und umhĂŒllt ihre konservativ-erzkatholische Vision hinter einem Schleier der Aufgeschlossenheit.

kirchenrecht
Nebelhafte Kernbotschaften: Zurzeit ist in gewissen Punkten unklar, in welche Richtung die «Adoray»-Bewegung geht. (Bild: SANDRO BUCHER)

Am Anfang war der Entstehungsmythos. Die GrĂŒndung von «Adoray» geht nĂ€mlich auf eine Legende zurĂŒck: Mehrere  Jahre lang haben BrĂŒder in einem Zuger Kloster dafĂŒr gebetet, dass sich eine junge und frische Gebetsgruppe bilden werde, die die katholischen Werte vertreten wĂŒrde. Bis eines Tages zwei junge MĂ€nner an die KlostertĂŒr geklopft und die BrĂŒder um UnterstĂŒtzung bei der GrĂŒndung einer ebensolchen Gebetsgruppe gebeten haben.

Das war 2004. Heute, elf Jahre spÀter, prÀsentiert sich die Adoray-Gebetsgruppe als bunt verpacktes Erzkatholiken-Geschenk, das trotz oder gerade wegen seiner Farbvielfalt kaum auffÀllt neben all den evangelikalischen Geschenken unter dem Freikirchen-Weihnachtsbaum der Schweiz.

Elegantis Feder

In den Adoray-Gebetsgruppen wird katholisches Gedankengut vermittelt und auch in dem diesjÀhrigen Festival-Flyer scheinen die Organisatoren nur knapp daran vorbeizuschrammen, von einer römischen Linie und Papsttreue zu sprechen: «Adoray wird von engagierten, vom Glauben an Jesus Christus begeisterten, katholischen, jungen Menschen organisiert. Adoray untersteht dem Jugendbischof der Schweizerischen Bischofskonferenz, der die Statuten bestÀtigt hat.»

FlyerAdoray
Auszug des diesjÀhrigen Adoray-Flyers. (Screenshot)

Auffallend ist, dass der Jugendbischof der Schweizerischen Bischofskonferenz nicht namentlich erwÀhnt wird. Nur im Programm des Flyers findet man dessen Namen beim Abschlussgottesdienst am Sonntag: Marian Eleganti. Zur Erinnerung: Marian Eleganti ist jener Bischof, der im Mai dieses Jahres dazu aufgerufen hat, den modernen Menschen zur Umkehr zu bewegen und dass sich nicht die Kirche der heutigen Zeit anpassen solle, sondern umgekehrt.

Eleganti
Elegantis PlĂ€doyer fĂŒr eine rĂŒckstĂ€ndigere Gesellschaft, die sich der Kirche anpasst (Auszug «Bote der Urschweiz», Front, 11. Mai 2015)

Die Schweizer Bischofskonferenz ist dafĂŒr bekannt, dass sie in sozial-ethischen und prophetischen Fragen fĂŒr den römischen Revolutionsgeist Franziskus‘ nicht empfĂ€nglich ist. Unter dieser PrĂ€misse wird sich Adoray nur schwer als zeitgemĂ€sse Institution mit katholischem Gedankengut etablieren können.

Schönborns Rede

Was Adoray dennoch schon jetzt von der römisch-katholischen Kirche abhebt, ist, dass «fehlerhafte» Menschen ĂŒberall und immer willkommen sind. Unter Fehlerhaftigkeit versteht man beispielsweise Sex vor der Ehe oder HomosexualitĂ€t.

So haben die Veranstalter des diesjĂ€hrigen Adoray-Festivals in Christoph Schönborn den perfekten Kandidat fĂŒr die Kanzel  gefunden: der 70-jĂ€hrige Erzbischof von Wien ist ein Kardinal ganz im Sinne von Franziskus. VordergrĂŒndig fĂ€hrt er eine liberale Schiene (ja zu EmpfĂ€ngnisverhĂŒtung, offen fĂŒr Dialog mit anderen Glauben, etc.), hintergrĂŒndig wĂŒrde er jedoch auf ebendieser Schiene das Papstmobil gegen die Wand fahren (Stillschweigen zu Missbrauchsskandalen, Stillschweigen zu Vatileaks, etc.). Diese Zerrissenheit und UnschlĂŒssigkeit widerspiegelt sich, zumindest gegen aussen, auch in den derzeitigen Adoray-Wertvorstellungen.

Adorays Jugend

Die junge Adoray-Community wird sich in den nĂ€chsten Jahren bestimmt noch formen, entwickeln, spezifizieren und mit grosser Wahrscheinlichkeit auch ausdehnen. Die Frage ist, ob sie im Laufe dieses Prozesses noch offener wird oder sich unter der FĂŒhrung der Schweizer Bischofskonferenz noch strenger auf den Hauptgehalt der katholischen Kirche stĂŒtz. Und wie synchron sie den Kurs mit Rom fahren wird. Und wie gewissenhaft sich das jugendliche Publikum ĂŒberhaupt an den gepredigten GrundsĂ€tzen orientiert, oder ob es fĂŒr die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer nur eine «neo-traditionellere» Form eines Jugendtreffs ist. Die Entwicklung der ReligiositĂ€t in der Schweiz deutet darauf hin, dass es eher Letzteres ist.

Interview: FVS-VizeprĂ€sident Valentin Abgottspon

Nachdem Valentin Abgottspon vor fĂŒnf Jahren das Kruzifix aus seinem Klassenzimmer entfernte, wurde er als Lehrer fristlos entlassen. Heute kĂ€mpft der polarisierende Walliser weiter fĂŒr die strikte Trennung von Kirche und Staat. Mit ihm sprach Sandro Bucher.

valentin_abgottspon
«Freidenker haben schlicht die besseren Argumente» (Bild: DOROTHEE SCHMID)

2015 jĂ€hrt sich der Tag deiner fristlosen Entlassung zum fĂŒnften Mal. Wie blickst du heute auf diese Schicksalstage zurĂŒck?
Valentin Abgottspon: GrundsĂ€tzlich blicke ich positiv auf die Zeit zurĂŒck, denn die fristlose Entlassung war der gröbste Blödsinn, den die Schulbehörde machen konnte. Die UnverhĂ€ltnismĂ€ssigkeit des Urteils schockierte Menschen in der ganzen Schweiz, die es nicht fĂŒr möglich hielten, dass solche Dinge in der heutigen Zeit noch passieren. Die Bevölkerung und Lehrerschaft wurde durch diesen Fall sensibilisiert. Das kann ich rĂŒckblickend jetzt so formulieren, da die Sache sozusagen durchgestanden ist. Es gab fĂŒr mich aber auch extrem dunkle Zeiten und eine schwere Niedergeschlagenheit. Und dass ich Zuschriften erhalten habe, in denen beispielsweise steht, dass meine Mutter Krebs habe, weil ich nicht an Gott glaube und dass sie versagt habe, weil sie mich nicht zu einem „anstĂ€ndigen Christenmenschen“ erzogen habe. Solche Dinge können schon etwas an einem nagen.

Hat sich seitens des Staates auch etwas geÀndert?
Nein. Es hat nicht dazu gefĂŒhrt, dass bei den staatlichen Behörden und Departementen im Kanton Wallis etwas gelaufen ist. Die nationalkonservative Schweizer Volkspartei (SVP) wollte gar das Kruzifix in allen Schulzimmern obligatorisch machen. Trotzdem bin ich davon ĂŒberzeugt, dass ich der Letzte war, dem so etwas passierte. So blöd wird keine Schulbehörde in der Schweiz mehr reagieren.

Was war der Auslöser dafĂŒr, dass du das Kruzifix entfernt hast?
Der konkrete Anlass war die Minarett-Initiative. Im Vorfeld der Abstimmung störte mich, dass so getan wurde, als wĂ€re die Schweiz ein christliches Land. Politik und Gesellschaft redeten plötzlich wieder von christlichen Werten und einem christlichen Staat. Da habe ich fĂŒr mich selbst entschieden, das Kruzifix abzunehmen. Ich habe es nicht aus Renitenz gemacht und keinen Streit gesucht, wie mir auch heute noch unterstellt wird.

Hast du mit deinen SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern nicht darĂŒber gesprochen?
Nein, das habe ich selbst entschieden und nie thematisiert, da es meinen Unterricht nicht tangierte. Auch im Nachhinein blieb die Diskussion aus, da es sowieso nicht in allen Schulzimmern Kruzifixe hatte. Erst im Vorfeld der GrĂŒndung der Freidenker-Sektion Wallis bekam ich erste Leserbriefe, SchmĂ€hbriefe und Hassbotschaften. Dann haben es auch die SchĂŒler bemerkt.

Deine Entlassung sorgte auch international fĂŒr Schlagzeilen. Ist die Schweiz in Sachen Religion vergleichsweise konservativ?
Die Gesellschaft ist schon viel weiter als Behörden, Politik und Medien, die noch nicht dort angekommen sind, wo Diskurs und Lebenswirklichkeit sich befinden. FĂŒr ganz viele Personen ist Religion schlicht irrelevant. Dennoch legen sich viele Politiker vor dem Wahlkampf den Mantel des Glaubens um. Nur hat das nicht mehr wirklich viel mit SpiritualitĂ€t zu tun. Wenn man ĂŒber die Burka oder Minarette diskutiert, diskutiert man auch ĂŒber die Unzufriedenheit mit GrenzgĂ€ngern und AuslĂ€ndern. Bei der Minarett-Initiative beispielsweise ging es nicht nur um Religion, sondern auch um Xenophobie und Rassismus.

Wie wĂŒrdest du dein VerhĂ€ltnis zur Kirche beschreiben?
Ich wĂŒrde mich durchaus als Aktivisten bezeichnen, der mittlerweile viele Aspekte bewusster erlebt, mehr Details kennt und sich ĂŒber die vielen Instransparenzen im Klaren ist. Inzwischen blicke ich wieder positiver in die Zukunft: Die junge Generation ist sĂ€kularer und auch Ältere distanzieren sich öfters von der Kirche. Irgendwann wird es einen Dammbruch geben und auch Politiker werden es einfacher haben, sich fĂŒr eine Trennung von Kirche und Staat auszusprechen. Freidenker und Humanisten haben schlicht die besseren Argumente auf ihrer Seite. Trotz der fehlenden Riesenbudgets fĂŒr Medienarbeit können wir uns deshalb gut positionieren und die Argumente glaubhaft rĂŒberbringen.

Freikirchen erleben jedoch einen Zuwachs, vor allem bei der jĂŒngeren Generation.
Das ist sehr bedauerlich. Es ist ja eine Art Katholizismus oder RigiditĂ€t im Denken, die Freikirchen an den Tag legen. Wir mĂŒssen in der Schule FĂ€cher erarbeiten, die kritisches Denken und RationalitĂ€t fördern. Eine Art Anleitung zum und Hilfe beim sauberen Denken. Mit dem Internet haben wir bereits ein durchdringendes Tool, das diesbezĂŒglich krĂ€ftig mithilft. Dadurch wird die Tendenz sinken, dass ein grosser Teil der Bevölkerung in einen Extremismus verfĂ€llt oder den RattenfĂ€ngern von Freikirchen und Sekten in die FĂ€nge geht. Es wird aber immer Menschen geben, die sich gefangen nehmen lassen, insbesondere wenn sie aufgrund von – eventuell vorĂŒbergehenden – Extremsituationen und SchicksalsschlĂ€gen in ihrem Leben besonders verwundbar sind.

Wie schÀtzt du die Lage in der Schweiz hinsichtlich Trennung von Kirche und Staat ein?
Im Alltagsleben der Schweizerinnen und Schweizer ist die Kirche kein bestimmender Faktor mehr. In gewissen Kantonen gibt es bei der SĂ€kularisierung nur noch wenige Baustellen. Bei allen anderen wird die Trennung Schritt fĂŒr Schritt weitergehen. In weiten Landesteilen mĂŒssen erst die Transparenz der Kirchen und religionswissenschaftliche AnsĂ€tze in den Lehrmitteln und im Unterricht der Volksschule etabliert werden. So, dass auch Atheismus und Humanismus in unserer Gesellschaft ihren angemessenen Platz finden.

Welche Rolle spielen dabei die Medien?
Besonders bei den öffentlich-rechtlichen Medien finde ich viele Dinge kritikwĂŒrdig. Das „Wort zum Sonntag“ des Schweizer Radio und Fernsehens (SRF) durften, obwohl die Sendung als christlicher Kommentar definiert wird, auch schon Hindus, Buddhisten und Muslime ergreifen, jedoch keine Freidenker. Dass dies nicht mehr zeitgemĂ€ss ist, wissen das SRF und die katholischen und reformierten Medienbeauftragten. Das sind reine Besitzstandwahrungen und das Krallen an die Moneten, beziehungsweise Privilegien. Das ist schlicht nicht in Ordnung. Das haben mir gegenĂŒber im privaten GesprĂ€ch bei einem Kaffee oder Bier sowohl SRF-Angestellte wie auch hohe kirchliche FunktionĂ€re schon zugegeben. Öffentlich wollen sie sowas aber natĂŒrlich nicht gestehen.

Die Freidenker-Vereinigung Schweiz hat eine Plakatkampagne lanciert, in der ihr, begleitet von einem offenen Brief, fragt: „Liebe Katholiken! Huonder tritt nicht aus. Wie steht’s mit euch?“


hounder_austreten
Kampagnen-Plakat

Wir wollen die Katholikinnen und Katholiken dazu auffordern, ĂŒber einen Kirchenaustritt nachzudenken. Sehr viele von ihnen haben innerlich ihren Kirchenaustritt schon vollzogen und die menschenfeindlichen, intoleranten Äusserungen des Kirchenaustrittskatalysators und Bischof Vitus Huonder sind geeignet, sich selber den Anstoss zu geben und in diesem Verein nicht mehr mitzumachen und ihn nicht mehr mitzufinanzieren. Huonder hat zwar auch innerkirchlich etwas Gegenwind zu spĂŒren bekommen. Er sitzt aber immer noch fest auf seinem Bischofssitz. Und er gibt mit seiner Ablehnung der praktizierten HomosexualitĂ€t nur die geltende Kirchenlehre, wie sie im Katechismus steht, wieder. Es ist etwas unaufrichtig und inkonsequent, wenn Katholikinnen und Katholiken denken, dass sich katholische GrundsĂ€tze und Ehe, Toleranz und Adoptionsrecht fĂŒr alle unter einen Hut bringen liessen.

Was möchtest du neben der Aufwertung der medialen PrÀsenz noch erreichen?
Zentral ist momentan, dass wir Freidenkerinnen und Freidenker bei der Umsetzung der Grundlagen des Lehrplans 21 gut aufpassen. Es ist vorgesehen, dass der konfessionelle Religionsunterricht nicht mehr Aufgabe der Volksschule ist. Viele Kantone werden hier aber von diesem Grundsatz abweichen wollen und den Kirchen viele Privilegien zuschanzen und ihnen den Zugriff auf die Kinder weiterhin gewĂ€hren. Die Kirchensteuern fĂŒr juristische Personen gehören abgeschafft. Abseits davon sehe ich einen Teil meines Engagements auch international. Auch wenn mir schlimme Dinge widerfahren sind, sind sie kein Vergleich zu dem, was Menschen wie Raif Badawi angetan wird. Mein Einsatz hört nicht beim Laizismus auf. Ich bin und bleibe wohl mein Leben lang Aktivist.

___________

Das Interview erschien auf hpd.de.

Interview: Katholische Priesterin Jacqueline Straub

Jacqueline Straub möchte die erste Priesterin der katholischen Kirche werden. Um ihre Berufung leben zu können, mĂŒsste die Theologiestudentin aus Freiburg eine globale Institution mit ĂŒber einer Milliarde Mitgliedern in ihren Grundfesten verĂ€ndern. Im Interview sprach die 24-JĂ€hrige ĂŒber ihren Kampf gegen restaurative Tendenzen und fĂŒr tiefgreifende Reformen in der Kirche.

straub1
«FĂŒr ReaktionĂ€re in der Kirche bin ich ein öffentliches Ärgernis» (Bild: MELI STRAUB/www.meli-photodesign.de)

Du bist ĂŒberzeugt, spĂ€testens in zwanzig Jahren katholische Priesterin zu sein. Ist das realistisch?
Jacqueline Straub: Die Kirche braucht fĂŒr tiefgreifende Reformen immer eine relativ lange Zeit, und in der Frage des Frauenpriestertums hĂ€ngt ziemlich viel dran. Im Vorfeld muss erst klar gemacht werden, dass die Diskussion ĂŒberhaupt möglich ist. Denn kirchenrechtlich ist das Frauenpriestertum kein Dogma. Vor der Entscheidung durch ein Drittes Vatikanisches Konzil braucht es eine lange Vorbereitungszeit. Viele sagen deshalb, dass fĂŒnfzig oder hundert Jahre realistischer wĂ€ren. Ich rechne aber weiter mit einer Vorbereitungszeit von zwanzig Jahren, da wir mit Papst Franziskus eine dialogische Kirche geworden sind.

Hast du keine Angst, dass dein Vorhaben auch in zwanzig Jahren noch eine Kirchenspaltung verursachen könnte?
Es wird extrem konservative, also reaktionĂ€re Gruppen geben, die werden sich so oder so abspalten. FĂŒr die bin ich gerade zu ein öffentliches Ärgernis. Doch es gibt seit ĂŒber fĂŒnfzig Jahren Frauen und MĂ€nner, die auf das Frauenpriestertum hingearbeitet haben. Wenn man die nĂ€chsten zwanzig Jahre darĂŒber spricht, die Zweifel benennt und das Positive eines Frauenpriestertums hervorhebt, dann wird ein ruhiger Verlauf immer realistischer. Zuvor wird aber noch der Zölibat fallen, und Wiederverheiratete und Geschiedene werden die Kommunion empfangen.

Wie reagieren deine Kommilitoninnen auf deine PlÀne?
Ich kenne einige Mitstudentinnen, die auch berufen sind. Die sagen aber nichts, da sie fĂŒrchten, nach den sechs Jahren Theologiestudium keine kirchliche Anstellung zu erhalten. Es gab schon Priester und Bischöfe, die ihres Amtes enthoben wurden, bloss weil sie sich öffentlich fĂŒr Frauen als Priesterinnen aussprachen.

Ist diese Angst bei dir nie aufgetaucht?
Die war mal in den ersten Semestern da, als ich noch Pastoralassistentin werden wollte. Doch mit Schweigen wĂŒrde ich mich nur selbst verleugnen. Mittlerweile stehe ich dazu und nehme das Risiko auf mich, dass ich spĂ€ter nicht im kirchlichen Bereich arbeiten kann. Denn mit Schweigen Ă€ndert sich auch nichts.

Wo siehst du in der Kirche sonst noch VerÀnderungspotential?
Da gibt es viel (lacht). Unsere Kirche muss menschenfreundlicher werden und an die RĂ€nder der Welt gehen. Der Umgang mit Geschiedenen und Homosexuellen muss menschlicher werden. Wie konservative Kreise ĂŒber Homosexuelle sprechen, tut mir wirklich weh. Auch der Pflichtzölibat passt nicht mehr in unsere Zeit. Man muss die Zeichen der Zeit erkennen und danach handeln. Es kann nicht sein, dass wir die nĂ€chste Generation einfach vergessen. Wenn die Jungen heute nicht gefördert werden und keinen angemessenen Platz in der Kirche erhalten, dann habe ich wirklich Angst um die Kirche.

Der Umgang mit Homosexuellen und die Öffnung der Ehe fĂŒr alle erhitzen zurzeit die GemĂŒter. In einem frĂŒheren Interview hast du erwĂ€hnt, dass du am Ehesakrament, Mann und Frau, festhalten möchtest.
FĂŒr eine staatliche Homo-Ehe bin ich auf jeden Fall. Beim Ehesakrament gibt es aber Schwierigkeiten. Die Kirche tut sich immer noch extrem schwer mit dem Frau-Mann-Begriff und muss erstmal selbst definieren, was Ehe heute, mit all ihren Facetten eigentlich bedeutet. Wenn wir die Ehe wie bisher mit den drei Grundprinzipien Treue, Liebe und Sorge fĂŒr die Nachkommen definieren, dann wĂŒrde das auch Homosexuelle nicht ausgrenzen.

WĂŒrdest du eine Trennung zwischen Kirche und Staat also begrĂŒssen?
Auf der einen Seite könnte eine Trennung von Kirche und Staat durchaus nicht nur negative Wirkungen haben. So wĂŒrden mangels Kirchensteuer die kargen Finanzen gewisse Pfarrer und Bischöfe zu einem einfacheren und authentischeren Lebensstil zwingen. Auf der anderen Seite denke ich, dass sich durch eine Trennung eine katholische Elite-Gruppe herauskristallisieren wĂŒrde. Fortschrittlich denkende Katholiken wĂŒrden dadurch vermutlich ins Abseits geschoben werden, was eine elitĂ€re „Fraktion“ hervorbringen wĂŒrde. Solange die katholische Kirche öffentlich-rechtlich anerkannt ist, ist eine gewisse GewĂ€hr vorhanden, die das verhindert.

Die Religion verliert in der Gesellschaft zunehmend an Bedeutung, vielerorts auf der Welt sinken die Zahlen von GlÀubigen. Was löst die zunehmende Abwanderung aus der Kirche Richtung Gottlosigkeit in dir aus?
Dass es heute so viele Atheistinnen und Atheisten gibt, ist auch eine SchwĂ€che der Kirche, die durch ein falsches Auftreten verursacht ist. Wenn es die Kirche nicht schafft, den Glauben mit Herz und Verstand zu vermitteln, dann rennen die Menschen entweder in die fundamentalistische Ecke oder wenden sich dem Atheismus zu. Mir tut es weh, dass man sich in meiner Generation fĂŒr den Glauben rechtfertigen muss. Aber alle wird man nie ins Boot holen können.

Wie kann die Kirche diesem Trend entgegenwirken?
Ich erlebe zu meinem eigenen Bedauern, dass es einige Bischöfen und Priestern gibt, denen das Feuer fehlt. Heute braucht es mehr denn je Überzeugung und Auftreten. Auf Christen und Nicht-Christen wirkt es abschreckend, wenn sich gewisse Bischöfe nie in der Öffentlichkeit Ă€ussern und zeigen. Die Menschen möchten Kleriker, die eine klare Position vertreten, die nachvollziehbar ist. Das fehlt in der Kirche vielerorts.

Dein Handy ziert ein Bild von Papst Franziskus. Ist er fĂŒr dich ein HoffnungstrĂ€ger?
Franziskus interessieren westliche Kirchenthemen wie Zölibat oder das Frauenpriestertum weniger als Armut und fehlende Gerechtigkeit auf der Welt. Doch er ist ein Ă€usserst mutiger Papst, welcher der katholischen Kirche zu viel positiver Berichterstattung verholfen hat. Wenn alle Priester, Bischöfe und KardinĂ€le so entschlossen auftrĂ€ten wie er, könnten sich die Menschen viel eher mit der Kirche identifizieren. Da Franziskus angedeutet hat, wie Benedikt XVI. frĂŒhzeitig aus dem Amt zu scheiden, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass er zumindest noch darauf hinwirkt, dass in den nĂ€chsten zwei bis drei Jahren bestimmte Frauenthemen aufgenommen werden und die Diskussion darĂŒber entfacht wird. Doch das Dritte Vatikanische Konzil wird erst mit dem nĂ€chsten oder dem ĂŒbernĂ€chsten Papst kommen.

___________

Das Interview erschien auf hpd.de.

Wie steht es um die ReligiositĂ€t der Schweiz?

Mit der 2014 veröffentlichten Studie „Religion und SpiritualitĂ€t in der Ich-Gesellschaft“ schliesst der Schweizer Religionssoziologe Dr. Jörg Stolz an eine Forschungsrichtung an, die vor ĂŒber zwanzig Jahren begann. Erstmals wurde auch alternative SpiritualitĂ€t und SĂ€kularitĂ€t berĂŒcksichtigt, um eine noch exaktere Vermessung der religiösen Landschaft in der Schweiz zu gewĂ€hrleisten. An einer Veranstaltung der Freidenker Vereinigung Schweiz (FVS) stellte Stolz seine Befunde vor und sprach ĂŒber die Tendenzen und den Wandel der Schweiz.

stolz (1)
Dr. Jörg Stolz wÀhrend seines Vortrags in Olten. (Bild: Dorothee Schmid)

ReligiositĂ€t und SpiritualitĂ€t zeigen sich in der Schweiz in vier grossen Gestalten, so der Befund von Dr. Jörg Stolz, Professor fĂŒr Religionssoziologie an der UniversitĂ€t Lausanne. Die „Institutionellen“ (17,5 Prozent) sind traditionell und freikirchlich-christlich, wĂ€hrend „Alternative“ (13,4 Prozent) auf Esoterik und Astrologie setzen. „SĂ€kulare“ (11,7 Prozent) sind oft konfessionslos und Religion gegenĂŒber indifferent oder feindlich. Der Löwenanteil der Bevölkerung gehört jedoch den „Distanzierten“ (57,4 Prozent) an. Der distanzierten Gruppe ist Religion nur in bestimmten Situationen wichtig. Ihre religiösen Überzeugungen sind hĂ€ufig diffus und werden fĂŒr die jeweiligen Lebenslagen immer wieder aufs Neue zurechtgebogen und angepasst.

Aufstieg der Konfessionslosen

Innerhalb der letzten fĂŒnfzig Jahre haben sich diese vier Milieus aufgrund von gesellschaftlicher VerĂ€nderung, sozialen Trends und Wertewandel massgeblich verĂ€ndert. Tendenziell wird die Schweiz mit jeder Generation weniger religiös. Diverse Indikatoren zeigen, dass sich die institutionelle religiöse Praxis gerade in den 1960er Jahren, wĂ€hrend des Wirtschaftsbooms, tiefgreifend verĂ€ndert hat. Zum ersten Mal treten 1960 in der nationalen VolkszĂ€hlung die Konfessionslosen auf, damals mit 0,7 Prozent noch ein vernachlĂ€ssigbares MinderheitsphĂ€nomen. Diese Minderheit ist bis im Jahr 2013 auf 21,4 Prozent rasant angestiegen und zĂ€hlt mittlerweile die grösste „Zugehörigkeit“ nach den beiden Landeskirchen.

WĂ€hrend vor einem Jahrhundert noch 58 Prozent der Schweizer der evangelisch-reformierten Kirche angehörten, sind es heute noch 26,9 Prozent. Die katholische Kirche konnte einen Absturz dieses Ausmasses durch den Zuzug von italienischen, portugiesischen und spanischen Gastarbeitern vorerst verhindern und erlebte gar eine Renaissance. Im Jahr 1900 waren die Katholiken mit 42 Prozent klar in der Minderheit, bevor sie Mitte des 20. Jahrhunderts gar an der 50-Prozent-Marke kratzten. Heute ist von diesem Aufschwung nicht mehr viel spĂŒrbar: Die Katholiken sind mit 38,2 Prozent, wie auch die Evangelisch-reformierten, an einem bisherigen Tiefstwert angelangt. Zugunsten von Personen ohne Konfession.

SÀkularitÀt durch Pluralisierung und Individualisierung

Neben ökonomischen Faktoren hat auch eine Pluralisierung des Glaubens, die aufgrund von Immigration und Globalisierung vor rund fĂŒnfzig Jahren ihren Anfang nahm, zu der starken VerĂ€nderung in der Schweiz beigetragen. Durch die Zuwanderung von Buddhisten, Hindus und Muslimen musste sich der Schweizer Staat zunehmend die Frage stellen, wie man allen GlĂ€ubigen zukĂŒnftig gerecht werden könne. Da die Regierungen der Kantone nicht alle Religionen anerkennen konnten, wurde beispielsweise der Religionsunterricht in den Schulen verstĂ€rkt neutraler gestaltet, was zu einer differenzierten Auseinandersetzung des Glaubens bei Kindern fĂŒhrte.

Parallel zur Pluralisierung entstand zusĂ€tzlich eine Individualisierung der Religion: „Die Menschen wurden immer individueller und wollten zunehmend selbst entscheiden, was ihre ganz eigenen BedĂŒrfnisse sind“, erklĂ€rt Dr. Stolz, „dadurch entsteht ein Interessenskonflikt mit der institutionellen Religion, die klare Vorgaben und Richtlinien hat.“

Kampf an den polarisierenden Fronten

„FĂŒr die Schweizer Bevölkerung ist wahrscheinlich, dass es in den nĂ€chsten Jahrzehnten zu einer neuartigen Polarisierung kommen wird“, schliesst Dr. Stolz. Konfessionslosigkeit und GottesunglĂ€ubigkeit werden im Laufe der Zeit immer weniger GemĂŒter erhitzen. Dagegen scheint sich abzuzeichnen, dass das Abschmelzen der selbstverstĂ€ndlichen und traditionell gestĂŒtzten VolksreligiositĂ€t der Landeskirchen zu einem neuen Gegenpol und einer neuen Konfliktlinie fĂŒhren wird.

Auf der einen Seite werden in der Schweiz diejenigen sein, die besonders stark und ausgeprĂ€gt ihren Glauben praktizieren werden. Unter denjenigen wird die Anzahl der Freikirchlichen, die sich aktiv gegen die sĂ€kularen Neigungen der modernen Gesellschaft stellen, steigen. Auf der anderen Seite erstarken die engagierten SĂ€kularisten, die Religion als unnötiges Nebenprodukt oder als Fehler der Evolution bekĂ€mpfen wollen. Dr. Stolz: „In jedem Fall wird es wichtig sein, auf das zu setzen, was unserer Gesellschaft seit Jahrzehnten inneren Frieden gebracht hat: die Mechanismen der demokratischen Auseinandersetzung, des Rechtstaats und der nie endenden Suche nach Integration der gesellschaftlichen GegensĂ€tze.“

___________

Der Artikel erschien zusÀtzlich auf hpd.de.