Von Sportlern mit SuperkrĂ€ften und breitbeinig sitzenden MĂ€nnern

Von Februar bis Juni 2016 habe ich ein Praktikum bei der in der Schweiz fĂŒhrenden Fachredaktion fĂŒr Wissenschaftsjournalismus, Scitec Media, absolviert. WĂ€hrend dieser Zeit entstanden sieben Artikel, die in den Wissensseiten der 20 Minuten publiziert wurden. Hier kann man sie nachlesen.

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Bild: SANDRO BUCHER

Sport-Asse haben den Zoom-Blick

Erfolgreiche Sportler haben die FÀhigkeit, BÀlle vergrössert zu sehen. Das lÀsst sich trainieren. Link zum Artikel.

Schizophrenie trifft FlĂŒchtlinge hĂ€ufiger

Millionen Menschen sind heute auf der Flucht. Darunter leidet ihre psychische Gesundheit. Link zum Artikel.

Sexistische Games rauben MĂ€nnern das MitgefĂŒhl

Durch das Spielen von sexistischen Games empfinden MĂ€nner weniger MitgefĂŒhl fĂŒr weibliche Gewaltopfer. Das zeigt eine US-Studie. Link zum Artikel.

MĂ€nner, die breitbeinig im ÖV sitzen, nerven Frauen

Viele MĂ€nner spreizen beim Sitzen ihre Beine weit auseinander. In den USA geht man nun dagegen vor. Link zum Artikel.

Schon ein gelegentlicher Klaps schadet Kindern

Schweizer Eltern ist es erlaubt, ihre Kinder zu schlagen. Doch bereits einige Ohrfeigen schaden, zeigt eine US-Studie. Link zum Artikel.

Mit diesen cleveren Tricks lernen sie viel leichter

Viele Lehrlinge und Studenten bereiten sich derzeit auf ihre AbschlussprĂŒfungen vor – die meisten jedoch falsch. 20 Minuten zeigt, wie es richtig geht.
Link zum Artikel.

Unsere Vorurteile beeinflussen, wie gut Kinder lesen

MÀdchen lesen besser als Jungs. Doch wird die LesefÀhigkeit unter spielerischen Bedingungen getestet, wendet sich das Blatt. Link zum Artikel.

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Adoray – Bunter Katholiken-Konservativismus

Rund 500 Interessierte haben vom 6. bis 8. November das diesjĂ€hrige «Adoray»-Festival im Schweizer Kanton Zug besucht. Die katholische Gebetsgruppe lockt mit einer jugendlichen Frische und umhĂŒllt ihre konservativ-erzkatholische Vision hinter einem Schleier der Aufgeschlossenheit.

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Nebelhafte Kernbotschaften: Zurzeit ist in gewissen Punkten unklar, in welche Richtung die «Adoray»-Bewegung geht. (Bild: SANDRO BUCHER)

Am Anfang war der Entstehungsmythos. Die GrĂŒndung von «Adoray» geht nĂ€mlich auf eine Legende zurĂŒck: Mehrere  Jahre lang haben BrĂŒder in einem Zuger Kloster dafĂŒr gebetet, dass sich eine junge und frische Gebetsgruppe bilden werde, die die katholischen Werte vertreten wĂŒrde. Bis eines Tages zwei junge MĂ€nner an die KlostertĂŒr geklopft und die BrĂŒder um UnterstĂŒtzung bei der GrĂŒndung einer ebensolchen Gebetsgruppe gebeten haben.

Das war 2004. Heute, elf Jahre spÀter, prÀsentiert sich die Adoray-Gebetsgruppe als bunt verpacktes Erzkatholiken-Geschenk, das trotz oder gerade wegen seiner Farbvielfalt kaum auffÀllt neben all den evangelikalischen Geschenken unter dem Freikirchen-Weihnachtsbaum der Schweiz.

Elegantis Feder

In den Adoray-Gebetsgruppen wird katholisches Gedankengut vermittelt und auch in dem diesjÀhrigen Festival-Flyer scheinen die Organisatoren nur knapp daran vorbeizuschrammen, von einer römischen Linie und Papsttreue zu sprechen: «Adoray wird von engagierten, vom Glauben an Jesus Christus begeisterten, katholischen, jungen Menschen organisiert. Adoray untersteht dem Jugendbischof der Schweizerischen Bischofskonferenz, der die Statuten bestÀtigt hat.»

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Auszug des diesjÀhrigen Adoray-Flyers. (Screenshot)

Auffallend ist, dass der Jugendbischof der Schweizerischen Bischofskonferenz nicht namentlich erwÀhnt wird. Nur im Programm des Flyers findet man dessen Namen beim Abschlussgottesdienst am Sonntag: Marian Eleganti. Zur Erinnerung: Marian Eleganti ist jener Bischof, der im Mai dieses Jahres dazu aufgerufen hat, den modernen Menschen zur Umkehr zu bewegen und dass sich nicht die Kirche der heutigen Zeit anpassen solle, sondern umgekehrt.

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Elegantis PlĂ€doyer fĂŒr eine rĂŒckstĂ€ndigere Gesellschaft, die sich der Kirche anpasst (Auszug «Bote der Urschweiz», Front, 11. Mai 2015)

Die Schweizer Bischofskonferenz ist dafĂŒr bekannt, dass sie in sozial-ethischen und prophetischen Fragen fĂŒr den römischen Revolutionsgeist Franziskus‘ nicht empfĂ€nglich ist. Unter dieser PrĂ€misse wird sich Adoray nur schwer als zeitgemĂ€sse Institution mit katholischem Gedankengut etablieren können.

Schönborns Rede

Was Adoray dennoch schon jetzt von der römisch-katholischen Kirche abhebt, ist, dass «fehlerhafte» Menschen ĂŒberall und immer willkommen sind. Unter Fehlerhaftigkeit versteht man beispielsweise Sex vor der Ehe oder HomosexualitĂ€t.

So haben die Veranstalter des diesjĂ€hrigen Adoray-Festivals in Christoph Schönborn den perfekten Kandidat fĂŒr die Kanzel  gefunden: der 70-jĂ€hrige Erzbischof von Wien ist ein Kardinal ganz im Sinne von Franziskus. VordergrĂŒndig fĂ€hrt er eine liberale Schiene (ja zu EmpfĂ€ngnisverhĂŒtung, offen fĂŒr Dialog mit anderen Glauben, etc.), hintergrĂŒndig wĂŒrde er jedoch auf ebendieser Schiene das Papstmobil gegen die Wand fahren (Stillschweigen zu Missbrauchsskandalen, Stillschweigen zu Vatileaks, etc.). Diese Zerrissenheit und UnschlĂŒssigkeit widerspiegelt sich, zumindest gegen aussen, auch in den derzeitigen Adoray-Wertvorstellungen.

Adorays Jugend

Die junge Adoray-Community wird sich in den nĂ€chsten Jahren bestimmt noch formen, entwickeln, spezifizieren und mit grosser Wahrscheinlichkeit auch ausdehnen. Die Frage ist, ob sie im Laufe dieses Prozesses noch offener wird oder sich unter der FĂŒhrung der Schweizer Bischofskonferenz noch strenger auf den Hauptgehalt der katholischen Kirche stĂŒtz. Und wie synchron sie den Kurs mit Rom fahren wird. Und wie gewissenhaft sich das jugendliche Publikum ĂŒberhaupt an den gepredigten GrundsĂ€tzen orientiert, oder ob es fĂŒr die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer nur eine «neo-traditionellere» Form eines Jugendtreffs ist. Die Entwicklung der ReligiositĂ€t in der Schweiz deutet darauf hin, dass es eher Letzteres ist.