AuserwĂ€hlt von den YouTube-Göttern

FĂŒnf Jahre lang hat mein kleines Gaming-Video auf YouTube rund 200 Views pro Tag verzeichnet. Seit dem 1. April jedoch sind es ĂŒber 30 000. Und das durch reinen Zufall.

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Eigentlich hausiere ich damit nicht sehr gerne. Aber ich habe einen kleinen Gaming-Channel auf YouTube, der sich primĂ€r mit der Computerspielserie «The Elder Scrolls» beschĂ€ftigt. Elder Scrolls ist eine aus Rollenspielen bestehende Game-Reihe, die derzeit zwölf Titel umfasst. Seit dem Release des fĂŒnften Teils ist Elder Scrolls auch einem grösseren Publikum bekannt: Mit 20 Millionen verkauften Kopien ist «Skyrim» (2011) eines der zwanzig meistverkauften Spiele aller Zeiten.

Meine Videos jedoch können weder mit dem Erfolg des Spiels, noch mit den professionellen Produktionen der Berufs-YouTuber mithalten: Sie sind schlecht geschnitten, haben kein Konzept und entstehen je nach Lust und Laune. Kurz: Sie bieten selten einen Mehrwert ausserhalb der reinen Unterhaltung.

So auch mein bisher einziges, erfolgreiches Video: Zu sehen ist ein Zauberer auf der Insel Vvardenfell, dem Spielort von «Morrowind» (2002). Durch geschicktes Austricksen des Leveling-Systems habe ich es geschafft, dass der «Akrobatik-Level» meines Charakters bei 3000 ist. Normalerweise ist das Level-Maximum bei 100. Das heisst, dass mein Charakter mit einem einzigen HĂŒpfer vom sĂŒdöstlichsten bis zum nordöstlichsten Punkt der Map fliegen kann. Das scheint den Leuten zu gefallen, immerhin verzeichnete das Video ĂŒber die letzten fĂŒnf Jahre rund 200 Views pro Tag.

Von zwei zu ĂŒber 50 Kommentaren am Tag

Durch Sinnlos-Videos wie diese habe ich es geschafft, in den letzten elf Jahren rund 600 treue Abonnenten an meinen Channel zu binden. Laut der Social Media-Statistikwebsite «SocialBlade» lande ich damit auf dem ernĂŒchternden, 2 000 000sten Platz der erfolgreichsten YouTube-Channel.

Da YouTube fĂŒr mich aber von Anfang an nur ein Hobby war, war ich damit zufrieden. Ich erfreute mich an den rund zwei Kommentaren pro Tag und versuchte den Gamern, die sich nach dem Spielen von Skyrim auch ĂŒber die frĂŒheren Teile der Serie informieren wollten, ein paar Tipps zu geben.

Am ersten April jedoch wurde diese familiĂ€re Idylle zerstört: Plötzlich wurde ich auf dem Smartphone nicht mehr ĂŒber zwei neue Kommentare pro Tag benachrichtigt. Viel mehr waren es um die fĂŒnfzig. Und sie alle galten dem springenden Zauberer, der seinen majestĂ€tischen Hopser fĂŒr mittlerweile 30 000 Menschen pro Tag vollfĂŒhrt.

Kommentarflut bei Spurensuche

Ich ging davon aus, dass eine grössere Gaming-Seite das Video entdeckt und es in einem Beitrag geteilt hat. Dies, weil das in den letzten fĂŒnf Jahren bereits zwei, dreimal passiert ist. Doch die Videostatistiken zeigten, dass es etwas Anderes sein musste: Der Zugriff durch externe Quellen lag weiterhin bei 4 Prozent.

Als ratloser YouTube-Laie habe ich deshalb einfach mal in die Kommentarspalte gefragt, woher sie denn alle kommen. Nach nur fĂŒnf Minuten erhielt ich schon dutzendmal die gleiche Antwort: Das Video ist in der «Empfohlen»-Liste aufgetaucht, die seit einigen Jahren prominent und auf jeden persönlich zugeschnitten auf der Startseite von YouTube prĂ€sentiert wird.

Einer der Kommentatoren fasste diese kuriose Situation am besten zusammen: «You’ve been chosen by the YouTube Gods». Denn das Video landete nicht nur bei Gaming-interessierten Usern. Sondern auch bei Menschen, die sich ĂŒberhaupt nicht fĂŒr diese Materie interessieren und noch nie etwas von Elder Scrolls gehört haben.

Geld und Abonnenten durch «Fehler»

Wieso der YouTube-Algorithmus mein fĂŒnf Jahre altes Video plötzlich in die Empfohlen-Liste von mindestens 300 000 Usern gespĂŒlt hat, kann wohl nie abschliessend geklĂ€rt werden. Auch frage ich mich, wie vielen weiteren unbekannten YouTubern dies auch schon widerfahren ist.

Was mir jedoch klar wurde, ist, wie einflussreich die Videoplattform von Google sein kann: durch diesen «Algorithmus-Fehler» habe ich in den letzten fĂŒnf Tagen rund 150 neue Abonnenten gewonnen. Ebenso durfte mir Google gestern einen dreistelligen Betrag ĂŒberweisen, da ich vor dem Video Anzeigen geschaltet habe. Und es scheint, als wĂŒrde dies noch einige Tage so andauern. Ohne, dass ich wirklich etwas dafĂŒr geleistet habe.

Interviews mit zwei atheistischen FlĂŒchtlingen

Wie viele FlĂŒchtlinge aus muslimischen LĂ€ndern Atheisten sind, wisse niemand. Manchmal werde ihnen nicht geglaubt. Und oft wĂŒrden sie sich vor Mobbing oder Gewalt fĂŒrchten, schreibt Die Zeit. Auf diesem Blog habe ich bereits zwei FlĂŒchtlinge aus Nationen mit der Staatsreligion Islam vorgestellt.

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Bild: SANDRO BUCHER

«Ich habe immer noch Hoffnung» – Interview mit Kacem El Ghazzali, Marokko

Weil er nicht an Gott glaubt, wurde Kacem El Ghazzali in seiner Heimat Marokko mehrfach attackiert und mit dem Tod bedroht. Vor vier Jahren ist der 24-JĂ€hrige in die Schweiz geflĂŒchtet und hat sein altes Leben hinter sich gelassen. Seine Überzeugung bleibt ungebrochen, auch wenn er damit weiterhin sein Leben riskiert. Link zum Interview.

«Es besteht die Gefahr eines BĂŒrgerkriegs» – Azam Khan, Bangladesch

Anfang April wurde der sÀkulare Blogger Nazimuddin Samad in Bangladesch auf offener Strasse ermordet. Wie bereits sechs Kritiker des radikalen Islamismus vor ihm. Einer von Nazimuddins Freunden, Azam Khan, lebt heute in der Schweiz. Auch er steht auf einer von islamistischen Gruppen zusammengestellten Todesliste von Atheisten. Link zum Interview.

Warum geniesst die katholische Kirche wieder mehr Vertrauen?

Laut einer österreichweiten Umfrage zum Thema GlaubwĂŒrdigkeit geniesst die katholische Kirche das Vertrauen von 46 Prozent der Bevölkerung. Das sind elf Prozent mehr als im letzten Jahr. Wie dieser Aufstieg zu erklĂ€ren ist, zeigt unter anderem ein Blick auf die anderen Gewinner und Verlierer dieser Umfrage.

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Der Vatikan geniesst, zumindest in Österreich, wieder ein hohes Mass an Vertrauen. (Foto: ISABELLA PECHLIVANIS/pixelio.de)

Fast jeder zweite Mensch in Österreich schenkt der katholischen Kirche sein Vertrauen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage, die unter anderem von dem sozialwissenschaftlichen Institut Sora durchgefĂŒhrt wurde. Und auch bei den abgefragten Persönlichkeiten glĂ€nzt die Kirche: Papst Franziskus erreicht mit 82 Prozent den zweiten Platz hinter Ski-Star Marcel Hirscher, dem 83 Prozent der befragten Personen vertrauen.

Was glaubwĂŒrdig macht

Auch wenn Katholikinnen und Katholiken in Österreich noch immer in der Mehrheit sind (60 Prozent), ĂŒberrascht dieses hohe Mass an Vertrauen. Vor allem, wenn man sich ansieht, anhand welcher Eigenschaften das Vertrauen gemessen wurde:

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(Screenshot: Folie klar.SORA GlaubwĂŒrdigkeitsranking 2016)

Die stĂ€rksten statistischen ZusammenhĂ€nge mit GlaubwĂŒrdigkeit zeigen laut den Befragern folgende Beschreibungen: «ist ehrlich», «tut, was er/sie sagt» und «hĂ€lt, was er/sie verspricht»; fast gleich stark wirken «ist offen und transparent» sowie «bei ihm/ihr passt alles zusammen», schreibt ORF.

Auch ohne viel Zynismus und Spott ist kaum von der Hand zu weisen, dass viele dieser Eigenschaften bei der katholischen Kirche nur wenig oder gar nicht zutreffen. Wie aber sind diese positiven Entwicklungen dann zu erklÀren?

«Der Franziskus-Effekt»

In den Skandaljahren 2010 bis 2013 verlor die Kirche nicht nur ihre GlaubwĂŒrdigkeit, sondern auch das Vertrauen hunderttausender Katholiken. Viele GlĂ€ubige konnten ĂŒber die PĂ€dophilie-VorwĂŒrfe an ranghohen Bischöfen, Priestern und Pfarrern nicht hinwegsehen und wendeten der Kirche den RĂŒcken zu. Die Beliebtheit der Kirche war auf einem neuen Tiefpunkt, die Zahl der Kirchenmitglieder sank tĂ€glich im vierstelligen Bereich.

Damals stellten sich viele Theologen und Laien nach dem RĂŒcktritt von Benedikt XVI. die Frage: Kann ein einzelner Mann das Schiff Petri wieder auf Kurs bringen? Mittlerweile hat Franziskus bewiesen: Ja, er kann. Auch wenn er im Vatikan selbst nur wenig bewegt, findet durch seine zukunftsgerichteten und liberalen Aussagen ein Umdenken in der Öffentlichkeit statt. So wie vor ein paar Tagen, als er sagte, dass Homosexuelle, Frauen, Geschiedene und ausgebeutete Kinder eine Entschuldigung fĂŒr ihre Behandlung durch die Kirche verdient haben.

Seit Franziskus Papst ist, findet ein Akt der EntrĂŒmpelung altbewĂ€hrter Traditionen und Ansichten statt. Denn auch ihm war klar, dass an ihm die GlaubwĂŒrdigkeit der Kirche neu bemessen werden wĂŒrde. So hat der sogenannte «Franziskus-Effekt» auf jeden Fall sehr viel damit zu tun, dass die Kirche derzeit einen FrĂŒhling der VertrauenswĂŒrdigkeit erlebt.

Schwere Zeiten

Ein nicht minder wichtiger Faktor ist die momentane gesellschaftliche und politische Unsicherheit in Europa: Viele Menschen, auch solche, die sich nicht als Christen bezeichnen, verlangen derzeit von den Kirchen klare Haltungen und Mithilfe bei aktuellen Problemen, wie beispielsweise der FlĂŒchtlingssituation. Denn dass sich Menschen in Krisensituationen oft zum Glauben hinwenden oder sich wieder ihrer religiösen Wurzeln bewusst werden, zeigte sich in der europĂ€ischen Vergangenheit schon des Öfteren.

Auch drĂŒckt sich die momentane Unsicherheit in den anderen Ergebnissen der GlaubenswĂŒrdigkeits-Umfrage aus: Der österreichischen Regierung vertrauen nur noch 30 Prozent (-7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr), der EU-Kommission 25 Prozent, Eva Glawischnig, einer österreichischen GrĂŒnen-Politikerin, nur noch 42 Prozent (-9 Prozent) und  Angela Merkel nur noch 45 Prozent (-25 Prozent!).

«Es besteht die Gefahr eines BĂŒrgerkriegs»

Anfang April wurde der sÀkulare Blogger Nazimuddin Samad in Bangladesch auf offener Strasse ermordet. Wie bereits sechs Kritiker des radikalen Islamismus vor ihm. Einer von Nazimuddins Freunden, Azam Khan, lebt heute in der Schweiz. Auch er steht auf einer von islamistischen Gruppen zusammengestellten Todesliste von Atheisten.

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Azam Khan. (Bild: zVg)

Ostersonntag. Die Strassen sind wie leergefegt, dicke Nebelschwaden hĂ€ngen ĂŒber dem Kanton Thurgau. In der beschaulichen Gemeinde Tobel-TĂ€gerschen hat der sĂ€kulare Blogger Azam Khan eine neue Heimat gefunden. Eine Heimat, in der er das Haus verlassen kann, ohne mit einem Angriff auf sein Leben zu rechnen.

Auch heute hat er schlecht geschlafen. Wie jeden Morgen nach dem Aufstehen blickt er auf sein Handy und hofft, dass der Bildschirm frei von Schreckensnachrichten aus seiner Heimat bleibt. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein weiterer Freund auf dem Weg nach Hause, zur Arbeit oder zur UniversitĂ€t brutal ermordet wird“, sagt der 32-jĂ€hrige Bengale, der durch seine einnehmende und schĂŒchterne Art wesentlich jĂŒnger wirkt.

Am nĂ€chsten Tag, Ostermontag, hat das Gericht von Bangladesch einen Antrag auf die Streichung des Islam als Staatsreligion abgelehnt. Die Kammer aus drei Richtern wies den Antrag innert Minuten zurĂŒck, wie ein bengalischer Journalist berichtete. Wenige Tage spĂ€ter ereilte Azam die Nachricht vom Tod seines Freundes, Nazimuddin Samad.

Mediale Hetze gegen Atheisten

„Die Konflikte zwischen uns sĂ€kularen Bloggern und den radikalen Islamisten begannen 2013, sieben Jahre nachdem wir unseren Blog gegrĂŒndet haben“, erzĂ€hlt Azam. In den ersten sieben Jahren seien die sĂ€kularen Freidenkenden von der Regierung noch nicht als Bedrohung wahrgenommen worden. Das Ă€nderte sich, als die religiös-konservative Bangladesh Nationalist Party öffentlich gegen die Blogger hetzte und auch die Staatsmedien dazu trieb, Propaganda gegen Atheisten zu betreiben. „TĂ€glich war in gewissen Zeitungen zu lesen, dass UnglĂ€ubige böse Menschen seien, die dem Land schaden wollen.“

Leben auf der Todesliste

Wenige Tage nach der ersten öffentlichen Kundgebung der Bangladesh Nationalist Party wurde ein GrĂŒnder des Blogs auf offener Strasse mit Macheten ermordet. Zwei Jahre spĂ€ter wurde ein atheistischer Blogger wĂ€hrend einer Buchmesse in der Hauptstadt Dhaka erdolcht. „Sie beide standen auf einer von islamistischen Gruppen zusammengestellten Abschlussliste von Atheisten. Zusammen mit 84 anderen Menschen, die von den Fanatikern zum Abschuss freigegeben wurden. Zu diesen zĂ€hle auch ich heute noch.“

Die sunnitischen Gruppierungen nennen sich Hefazat-e-Islam und Jamaat-e-Islami. „Diese Organisationen werden von der Bangladesh Nationalist Party beschĂŒtzt“, ist sich Azam sicher. „Auch von Pakistan, Saudi-Arabien, der TĂŒrkei und den USA werden sie finanziell unterstĂŒtzt.“ Dies, um den Handel und die Beziehungen zu dem Land mit vielen BodenschĂ€tzen und reicher Agrikultur aufrecht zu erhalten.

Verfolgung AndersglÀubiger

Im dem sĂŒdasiatischen Land ist der Islam erst seit 1988 die offizielle Staatsreligion. Der MilitĂ€rmachthaber Hussain Muhammad Ershad verankerte diese, um sich den RĂŒckhalt der islamistischen WĂ€hlerinnen und WĂ€hler zu sichern. Heute ist Bangladesch mit ĂŒber 80 Prozent Musliminnen und Muslimen in der Bevölkerung eines der islamischsten LĂ€nder der Welt. Und radikale Tendenzen und die Gewalt nehmen seit Jahren zu. „Neben Atheisten werden auch Christen und Hindus verfolgt. Aber auch AndersglĂ€ubige innerhalb des Islams, beispielsweise Schiiten, Sufis und Ahmadiyya-Muslime“, sagt Azam.

Angst vor einem BĂŒrgerkrieg

Nach dem Tod von Nazimuddin Samad protestierten mehr als 1.000 Studenten auf den Strassen Dhakas gegen die Regierung Bangladeschs. Sie werfen ihr vor, nicht entschieden gegen gewaltbereite Muslime vorzugehen und fordern, dass die TĂ€ter so schnell wie möglich gefasst und verurteilt werden. „Es besteht seit geraumer Zeit die Gefahr, dass in Bangladesch ein BĂŒrgerkrieg ausbrechen wird“, sagt Azam.

Das Problem sei, dass MilitĂ€r und Polizei seit Jahren schleichend islamisiert werden, so Azam. „Das alles begann, als der Islam als Staatsreligion deklariert wurde. Damit öffneten sie auch dem Islamischen Staat (IS) TĂŒr und Tor.“

Ende April wurde ein bengalischer Professor auf offener Strasse mit Macheten ermordet, weil dieser zum Atheismus aufgerufen haben soll. Vor wenigen Tagen wurde ein christlicher Arzt im Westen Bangladeschs auf Àhnliche Weise getötet. Zu beiden Morden hat sich der Islamische Staat (IS) bekennt.

Flucht in die Schweiz

Azam Khan gelang die Flucht aus Bangladesch im Februar dieses Jahres. „Ich ging zu der Schweizer Botschaft und verlangte ein Visum. GlĂŒcklicherweise wussten sie ĂŒber die MissstĂ€nde in der Regierung und die Ermordungen von Bloggern wie mir. Schon nach wenigen Tagen erhielt ich ein Schengenvisum und durfte ausreisen.“

Mit einem Schengenvisum können Personen bis zu drei Monate in der Schweiz bleiben. „In dieser Zeit werde ich weiter auf Facebook bloggen, ein Buch ĂŒber globalen Terrorismus schreiben und Deutsch lernen.“

Sobald sich die Situation in Bangladesch beruhigt, will Azam in seine Heimat zurĂŒckkehren. „In Bangladesch herrscht nur wenig Armut, es gibt genĂŒgend Nahrung und ArbeitsplĂ€tze. Wir lebten gut, bevor der Islam zur Staatsreligion wurde.“

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Der Artikel erschien auf hpd.de.

Traumberuf Journalist/in – Aus der Sicht von vor 44 Jahren

In einem Berner Brockenhaus habe ich ein interessantes Buch gefunden: «Traumberufe» von Ursula Meier-Hirschi gibt einen kritischen und anschaulichen Einblick in die beliebtesten Jobs junger Schweizerinnen und Schweizer. Dazu zÀhlt auch Journalist/in. Geschrieben wurde das Buch vor 44 Jahren.

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Journalist – damals wie heute ein Traumberuf. (Bild: S. HOFSCHLAEGER / pixelio.de)

Er ist zu finden zwischen dem Ingenieur und der KindergĂ€rtnerin. Der Journalist. «Er befindet sich in der landlĂ€ufigen Vorstellung ununterbrochen auf der Jagd nach dramatischen, welterschĂŒtternden Ereignissen. Er trifft mit lauter berĂŒhmten Leuten zusammen und lebt in einer Welt der Spannung und des Glanzes.»

Das schreibt Ursula Meier-Hirschi in dem Buch «Traumberufe», in welchem sie einige der beliebtesten Berufe junger Schweizerinnen und Schweizer detailliert und plastisch portrÀtiert. Veröffentlicht wurde das Buch 1972.

GesprÀch mit einer Jungjournalistin

Zu Beginn ihres PortrĂ€ts möchte Meier-Hirschi einen «weitverbreiteten Irrtum» aufdecken: «Wer gute AufsĂ€tze schreibt, ist noch lange nicht der geborene Journalist. Ein sicheres SprachgefĂŒhl und ein lebendiger Stil sind Voraussetzungen, aber nur zwei von vielen.»

Alles habe eine Kehrseite, so auch die glanzvolle Vorstellung vom Beruf des Journalisten: «Man mĂŒsse sich vor ihm in Acht nehmen, denken einige. Es handle sich da vorwiegend um Luftikusse, und mit der Wahrheit wĂŒrden sie es nicht allzu genau nehmen.»

Um der Wirklichkeit des Berufes auf die Spur zu kommen, trifft sich Meier-Hirschi mit der jungen Journalistin Marie-Louise Stickelberger, die damals «auf der Redaktion einer grossen Schweizer Tageszeitung» gearbeitet hat.

Meine Recherche hat hervorgebracht, dass Stickelberger am 4. Januar 1979 zur verantwortlichen Redaktorin des «Extrablatts der Jungen» und des Ressorts «Mode» der Neuen ZĂŒrcher Zeitung ernannt wurde. Von 1983 bis 2001 schrieb sie fĂŒr den Tages-Anzeiger, wo sie zwischen 1998 bis 2001 einige der «zĂŒritipps» verfasste. Von 2004 bis 2006 schrieb sie Kulturhinweise fĂŒr das mittlerweile eingestellte Ressort «Ticket» der Neuen ZĂŒrcher Zeitung. 2009 arbeitete sie laut dem Schweizer Mediendienst «Kleinreport» fĂŒr die «Theater-Zeitung».

«Viele Wege fĂŒhren zum Journalismus»

Meier-Hirschi konfrontiert die junge Journalistin mit den Fragen, wie man denn ĂŒberhaupt zu einer Zeitung komme und wie man ĂŒber Zeitfragen, wichtige Ereignisse und Spezialgebiete schreiben könne, obwohl es in der Schweiz gar keine Reporterschulen gĂ€be, wie sie beispielsweise in England seit Jahren bestĂŒnden.

«Viele Wege fĂŒhren zum Journalismus», antwortet die Journalistin, «Oft kommt man auf Umwegen und ĂŒber ganz andere Berufe dazu. Oder ĂŒber ein UniversitĂ€tsstudium, was jedoch keine Bedingung ist.» Heute, also 1972, seien  BerufsverbĂ€nde bestrebt, den Nachwuchs zu fördern.

Studium und Berufsförderung in den Siebzigerjahren

Ein konkretes Beispiel dieser Nachwuchsförderung der BerufsverbĂ€nde ist die «Union Romande de Journaux» in der Westschweiz und der «Verein der Schweizer Presse», die Anfang der Sechzigerjahre ein Schulungsprogramm ausgearbeitet haben. Durch dieses können sich Nachwuchsjournalisten wĂ€hrend einer zweijĂ€hrigen Stage bei einer Zeitung oder Zeitschrift die notwendigen Berufskenntnisse aneignen. «Diese Lehrzeit setzt sich aus einem theoretischen und einem praktischen Teil zusammen», schreibt Meier-Hirschi, «Gebiete aus Geschichte, Geographie, Soziologie und Politik werden behandelt. Die Stagiaires lernen eine Nachrichtenauswahl treffen, eine Meldung gestalten und prĂ€sentieren und werden grĂŒndlich in die technische Zeitung eingefĂŒhrt.»

Lediglich eine theoretische EinfĂŒhrung in den Journalismus bieten die UniversitĂ€ten von Bern, ZĂŒrich, Freiburg, Genf und Lausanne sowie die Handelshochschule (heutige UniversitĂ€t) St. Gallen.

Wache Menschen mit sehr grosser Verantwortung

Aus dem GesprĂ€ch mit Stickelberger und ihren Berufskolleginnen und -kollegen schlussfolgert Meier-Hirschi, dass alle Journalistinnen und Journalisten etwas gemeinsam hĂ€tten: «Es sind wache Menschen, denen am Herzen liegt, was sich ringsum in der Öffentlichkeit zutrĂ€gt. Es sind Menschen mit journalistischem Temperament, einer Mischung aus Neugierde, HartnĂ€ckigkeit, Ausdauer, Unerschrockenheit und Aufgeschlossenheit.»

Die Autorin fĂŒhrt aus, dass Journalistinnen und Journalisten mit beiden Beinen auf der Erde stehen mĂŒssen: «Zwischen den Lesern und einem Problem stellen sie eine BrĂŒcke her. Mit ihren Artikeln fordern sie zur Diskussion heraus, wirken meinungsbildend, formen an unserem Weltbild mit und tragen eine sehr grosse Verantwortung.»

Zeitung als Gemeinschaftswerk

Am Ende des PortrÀts fasst Stickelberger den Beruf mit ihren eigenen Worten zusammen: «Journalisten leben am Puls der Zeit, aber nicht nur acht, sondern vierundzwanzig Stunden am Tag. Journalist sein heisst, sich restlos, mit Haut und Haar, seiner TÀtigkeit verschieben haben. Es bedeutet auch, immer zuvorderst an der Front zu stehen, was unendlich anregend, aber auch entsprechend aufregend und aufreibend ist.»

Meier-Hirschi rekapituliert folgendermassen: «Mag eine Ausgabe am Schluss noch so glÀnzend gelungen sein, es gibt keine Stars zu bewundern. Jede Zeitung ist ein Gemeinschaftswerk, ein Zusammenspiel verschiedener Talente, das nur dann funktioniert, wenn jeder Journalist und jeder Redaktor seinem Beruf und nicht seinem Namen zuliebe arbeitet.»

Das Buch «Traumberufe» kann in der Schweizerischen Nationalbibliothek bestellt werden.

Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?

Da ich mich sowohl beruflich als auch privat mit Religion auseinandersetze, durfte ich jene Frage, die Gretchen dem Faust in Goethes epochalem Werk stellt, schon öfters beantworten. Nicht selten wird die Gretchenfrage dabei begleitet von dem Nachtrag: «Aber du bist doch Atheist, warum beschĂ€ftigst du dich ĂŒberhaupt mit Religion und der Kirche?»

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Faust im Studierzimmer (GemÀlde von Georg Friedrich Kersting, 1829)

Im Schweizer Sonnenkanton Tessin erschlich ich mir vor rund siebzehn Jahren meinen ersten, unlauteren Blick hinter die Kulissen der katholischen Kirche. Vor einem tiefliegenden Pfarrhausfenster bat ich meine Grossmutter, auf ihre Schultern steigen zu dĂŒrfen, um einen Blick ins Innere des Gotteshauses werfen zu können. Von meinem neuen Aussichtspunkt aus, sah ich direkt auf die Halbglatze des Pfarrers und konnte ihn beim Schreiben eines Briefes beobachten – ein Bild, das sich bis heute bei mir eingeprĂ€gt hat.

Weitere Erinnerungen an die ersten Sommerferien in der SĂŒdschweiz beinhalten diverse Kirchen-, Kloster- und Kapellenbesichtigungen sowie meine fortwĂ€hrende Fragerei von «Was bedeutet dieses Symbol?» ĂŒber «Wer ist dieser Heilige?» bis «Was ist der Unterschied zwischen katholisch und reformiert?». Fragen nach dem «Wieso, Weshalb, Warum» wĂŒrden erst spĂ€ter folgen. Wie auch Gretchen habe ich in meinen Kindesjahren die Kirche und die Religion nicht hinterfragt und hĂ€tte sie wohl dabei bekrĂ€ftigt, als sie in Goethes Faust die damalige öffentliche Meinung aussprach: «Man muss dran glauben!»

Steigende Meinungsvielfalt

Die Gretchenfrage zeigt auf, wie viel sich seit Goethes Zeiten verĂ€ndert hat. Fausts zurĂŒckhaltendes «Muss man daran glauben?» muss nicht mehr hinter vorgehaltener Hand geflĂŒstert werden. Eine Befragung des Schweizer Bundesamtes fĂŒr Statistik zeigt, dass 2016 fast jede vierte Person in der Schweiz konfessionslos ist. Gretchen wĂŒrde das gar nicht gefallen.

Doch konfessionslos heisst noch nicht religionslos, und deshalb befindet sich ein Grossteil der europĂ€ischen Bevölkerung vermutlich irgendwo zwischen Faust und Gretchen. Viele Menschen machen sich ein eigenes Bild des Göttlichen, einige setzen auf Esoterik und Astrologie, einige sagen ja zu Gott und nein zur Kirche und wiederum andere sind Religion und Kirche gegenĂŒber indifferent oder gar feindlich.

Bindung durch Distanz

Obwohl ich in der erzkatholischen Innerschweiz aufgewachsen bin und die Grundlagen und die Verfassung der Schweiz stark von sogenannten christlichen Werten geprĂ€gt sind, war eine Identifikation fĂŒr mich nach meinen Kindestagen nie mehr spĂŒrbar. Mein fragiler Draht zu Gott und meinem Glauben zerbrach bereits an der ersten, kritischen Auseinandersetzung am Ende meiner Primarschulzeit. Als Folge davon habe ich den Atheismus als fĂŒr mich richtige Auseinandersetzung mit der Religion entdeckt. Ironischerweise wurde ich durch den subjektiven Religionsunterricht in meiner Entscheidung bekrĂ€ftigt.

Mein unablĂ€ssiges Interesse an den Systemen und Menschen hinter der Religion wurde durch diese Distanzierung jedoch nur noch intensiver. Da GlĂ€ubige etwas besitzen, das mir fehlt und ich glĂŒcklicherweise dennoch nicht vermisse, bleiben die GesprĂ€che mit ihnen fĂŒr mich stets ertragreich und interessant, sofern sie grundehrlich mit ihrem Glauben umgehen und sie nicht doktrinistisch und gnadenlos festgefahren sind. Aber auch hier begegne ich einer paradoxen Bindung: Je mehr ich mich mit Religion auseinandersetze, desto abwegiger wird es fĂŒr mich, je einem Glauben anzuhĂ€ngen.

Förderung des Dialogs

BĂŒcher und Essays von Christopher Hitchens, Richard Dawkins und Sam Harris halfen mir dabei, die zeitgenössische Philosophie der AufklĂ€rung als GegenstĂŒck zur institutionalisierten Religion und blindem Glauben besser zu verstehen und bildeten einen wichtigen BrĂŒckenschlag zum Existenzialismus. Religion wurde fĂŒr mich fassbarer, verstĂ€ndlicher und logischer. Die delphischen Strukturen und Schemen wurden nach und nach aufgebrochen.

Gerade in der heutigen Zeit ist es enorm wichtig, dass man sich wieder intensiver und objektiver mit Religion und Glaube auseinandersetzt. Und dennoch ist in den (sozialen) Medien eine zunehmende VerhĂ€rtung der Fronten zu beobachten. Atheistinnen und Freidenker werden nicht ernst genommen oder schiessen polemisch gegen GlĂ€ubige, wĂ€hrend Christinnen und Christen ĂŒber Churer Bischöfe und Musliminnen und Muslime ĂŒber den Islamischen Zentralrat der Schweiz definiert werden. Diese FrontenverhĂ€rtung kann und muss durchbrochen werden, um einen differenzierten Dialog mit den Religionen zu ermöglichen. Denn unser gesellschaftliches Zusammenleben ist ohne irgendeine Form der Religion gar nicht denkbar. Sie ist ein Spiegel unserer geistigen SouverĂ€nitĂ€t oder eben AbhĂ€ngigkeit.

Illusion eines idealen Internets

Shitstorms, Hetzkampagnen und Videos von Enthauptungen lassen den Ruf nach Regulativen im Internet laut werden. Ein neues Thema des AufklÀrungsdiskurses wird diskutiert. Eine Medienzensur im digitalen Netz kann und darf aber nicht die Lösung sein.

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Nicht nur in elitĂ€r gefĂŒhrten Gesellschaften, sondern auch in jenen Teilen der Welt, die sich fĂŒr aufgeklĂ€rt und demokratisch halten, wird der Ruf nach Medienzensur im digitalen Netz laut. (Bild: SANDRO BUCHER)

Das Internet verÀndert die menschliche Kommunikation so einschneidend, wie dies nur dem Buchdruck, der Reformation und der damit verbundenen «Enthierarchisierung» der Kommunikation zu Beginn der Neuzeit gelang.

Damals wie heute erhofften wir uns durch die neuen Formen der Kommunikation, alle Menschen miteinander zu verbinden und zu einer globalen Gesellschaft ohne Grenzen zu werden. Damals wie heute stellt sich die Frage, ob das Publikum mĂŒndig genug ist, um die verbreiteten Botschaften differenziert genug aufzunehmen, ohne dass es einer Regelung durch Zensur bedarf.

Medienrevolution

Die vernetzte Welt des digitalen Lebensraums lĂ€dt aufgrund ihres unerforschten Wesens fortwĂ€hrend zu Entdeckungsfahrten ein. Jeder Mensch kann sich durch die schier unbegrenzten Kommunikationsmöglichkeiten zu Wort melden und seine Botschaft weltweit Gehör finden lassen. Etablierte Medien scheinen ĂŒberflĂŒssig zu werden. Doch darf die AutoritĂ€t des herkömmlichen Journalismus deshalb hinterfragt werden?

WÀhrend sich etablierte Medien an Richtlinien und Standards eines nationalen Presserates oder unternehmensinternen Bestimmungen orientieren, zwÀngt sich ein Grossteil der Menschen in der digitalen Lebenswelt nicht in ein vergleichbares Korsett.

Internet als Ideal

Dieses Ungezwungene entspricht dem „Ideal einer vollkommenen Zeitung“, das der deutsche Schriftsteller Karl Philipp Moritz 1784 formulierte. FĂŒr ihn ist der Grundgedanke hinter einer erfolgreichen AufklĂ€rung die Miteinbeziehung aller Bevölkerungsschichten in den Dialog. Die „öffentliche Zeitung“ soll eine mediale Öffentlichkeit schaffen, sie sei ein «unbestechliches Tribunal», «der Mund, wodurch zu dem Volke gepredigt, und die Stimme der Wahrheit, so wohl in die PalĂ€ste der Grossen, als in die HĂŒtten der Niedrigen dringen kann.»

Der aktive Austausch ĂŒber die vermittelten Informationen gehört fĂŒr Moritz ebenso zur Einbindung aller Menschen in den Dialog: «Eltern, Erzieher, Menschen die in einer Stadt zusammen, oder entfernt leben, könnten sich einander ihre wichtigsten VorschlĂ€ge und Entdeckungen mitteilen, und sich durch die Zeitung miteinander ĂŒber die angelegentlichsten Dinge besprechen.»

Mit der geforderten Partizipation knĂŒpft Moritz an Immanuel Kants „Beantwortung der Frage: Was ist AufklĂ€rung?“ an. Kant nimmt die Menschen selbst in die Verantwortung, sich aufzuklĂ€ren um damit zur UnabhĂ€ngigkeit zu gelangen, denn «Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so grosser Teil der Menschen, nachdem sie die Natur lĂ€ngst von fremder Leitung frei gesprochen, dennoch gerne zeitlebens unmĂŒndig bleiben.»

Social Media-Terror

Das digitale Neuland wurde im Namen der Freiheit entdeckt. Die GrĂŒndervĂ€ter dieser Technologien feiern ihre neue Welt bis heute als Ort mit endlosem Freiheitspotential und wĂŒrden in ihrer Euphorie auch von Kant und Moritz gestĂ€rkt werden. Doch die Vision, eine „digitale Basisdemokratie“ zu schaffen, birgt auch seine Gefahren.

Das Internet wird von terroristisch agierenden Milizen wie dem Islamischen Staat (IS) genutzt, um ihre Hassbotschaften und vergifteten Vorstellungen von Religion zu proklamieren. ZusĂ€tzlich nutzt der IS die Sozialen Medien, um neue Mitglieder zu rekrutieren. Twitter reagiert, wenn auch mit schwulstiger Sorgfalt. Der Mikroblogging-Dienst beruft sich auf seine selbstauferlegte NeutralitĂ€t, die MĂŒndigkeit seiner Nutzer und die freie MeinungsĂ€usserung, die er auf seiner Kommunikationsplattformen gewĂ€hren will.

Mehr denn je drĂ€ngt sich nicht nur die Frage auf, ob es fĂŒr Inhalte im Internet ebenso Regulierungen und Grenzen braucht wie fĂŒr etablierte Medien, sondern auch, ob solche Normierungen auf globaler Stufe sowohl rechtlich als auch kulturell und gesellschaftlich ĂŒberhaupt umsetzbar sind.

Differenzierung und EinschrÀnkung

«Auch das Elend und die Armut in den verborgnen Winkeln muss aufgedeckt, und nicht aus einer falschen Empfindsamkeit vor unserm Blick in Dunkel eingehĂŒllt werden», schreibt Moritz in seinem Konzept der vollkommenen Zeitung und spricht sich damit gĂ€nzlich gegen eine Zensur von Unmenschlichkeit und Terror aus, fordert aber einen differenzierten und aufklĂ€rerischen Ansatz, der in das Gezeigte einfliessen muss: «Das Elend, wenns einmal da ist, muss unter uns zur Sprachen kommen, und auf Mittel gedacht werden, wie man demselben abhelfen kann.»

Dienen Videoaufnahmen von Enthauptungen als unabdingbares Anschauungsmaterial, oder taugen sie lediglich zum Stillen der Sensationsgier des Publikums? Eine mediale Thematisierung des Terrors und ein AbwĂ€gen von möglichen LösungsansĂ€tzen gegen extremistische Ideologien mĂŒsste in einer aufgeklĂ€rten Gesellschaft auch ohne das gezeigte Bildmaterial möglich sein.

Grenzen der Freiheit

Die von Moritz formulierten Ideale einer vollkommenen Zeitung werden zu Recht kritisch hinterfragt. Globale Konsequenzen wurden vom deutschen Schriftsteller nicht berĂŒcksichtigt. Das Internet wĂŒrde unter seinen Wertvorstellungen zu einem NĂ€hrboden und Brutplatz fĂŒr Terrorismus verkommen.

Freiheit besteht darin, alles tun zu können, was einem anderen nicht schadet. Dieser Gedanke kann nicht isoliert von den GrundsĂ€tzen der AufklĂ€rung betrachtet werden. In der „Dialektik der AufklĂ€rung“, die Max Horkheimer und Theodor Adorno 1944 formulierten, behaupten die beiden Sozialphilosophen, dass ebendieses Denken schon den Keim zu jenem RĂŒckschritt enthalte: «Nimmt AufklĂ€rung die Reflexion auf dieses rĂŒcklĂ€ufige Moment nicht in sich auf, so besiegelt sie ihr eigenes Schicksal.»

Ob ein Korsett der Regulierungen und Zensur das Endprodukt attraktiver macht, oder ob ihm dieser SchnĂŒrleib lediglich die Luft zum Atmen nimmt, ist je nach Sichtweise des Rezipienten unterschiedlich.

AufklÀrung durch Eigenverantwortung

Es ist immanent, dass jeder Mensch etablierte und neue Medien sowie deren AutoritĂ€tsanspruch fortwĂ€hrend hinterfragt. In der „Allgemeinen ErklĂ€rung der Menschenrechte“ festgehaltene Artikel wie «Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie MeinungsĂ€usserung; dieses Recht schliesst die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhĂ€ngen sowie ĂŒber Medien jeder Art und ohne RĂŒcksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten» werden fĂŒr das Internet beharrlich ihre Geltungsdauer haben, da Normierungen an der Mauer der AnonymitĂ€t und Globalisierung gnadenlos zerbrechen.

Eine Umsetzung jedwelcher Zensur im Internet ist ein Kampf gegen WindmĂŒhlen. Es liegt, frei nach Kant, in der Verantwortung jedes Menschen, sich durch eigene Bearbeitung seines Geistes aus der UnmĂŒndigkeit herauszuwickeln und dennoch einen sicheren Gang zu tun.

David gegen Gott

Amerikas «Chefatheist» David Silverman geht mit Religionen und deren Vertretenden gnadenlos ins Gericht. Auf seiner Europa-Tour kam der «American Atheists»-PrĂ€sident nach Basel und ZĂŒrich, um sein neues Buch «Fighting God» und den sogenannten «Firebrand Atheism»vorzustellen: die Universalwaffe gegen die «grösste LĂŒge der Menschheitsgeschichte».

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«Hört auf, euch Freidenker zu nennen» – David Silverman bei seinem Vortrag im Karl der Grosse ZĂŒrich. (Bild: SANDRO BUCHER)

 «Sagt, dass ihr Atheisten seid, und hört mit diesem Freidenker-Bullshit auf», proklamiert Amerikas Chefatheist David Silverman bei der Mikrofonprobe im ZĂŒrcher Zentrum «Karl der Grosse» und legt damit vorzeitig den Grundstein fĂŒr ein radikales Referat voller Überzeugung, Tatendrang und Strebsamkeit.

Schonungslose AufklÀrung

Zu Beginn seines Vortrags hebt der PrĂ€sident der amerikanischen Atheisten hervor, dass Hardline-Atheismus sowohl auf persönlicher als auch auf gesellschaftlicher Ebene die effektivste Waffe gegen Religion sei: «Wenn ihr Religionen respektiert, so handelt ihr egoistisch und eigennĂŒtzig.» Ein vorsichtiges Vorgehen im Kampf gegen die Religion sei der falsche Ansatz, wenn man etwas verĂ€ndern möchte: «Religion ist ein Gift, dass aus den Wunden der Befallenen ausgesogen werden muss. Es liegt an uns, ihnen dabei zu helfen.»

Bei dieser Hilfestellung gehe es in erster Linie jedoch nicht darum, religiöse Menschen zum Atheismus zu bewegen: «Unser Ziel ist die Hoffnung der AufklĂ€rung. Religiöse Menschen sind indoktrinierte Opfer ihrer sozialen Umgebung. Wir mĂŒssen die Ideologie angreifen, nicht den Menschen, und uns dabei jeglicher Dogmen enthalten.»

Fakten, keine Beleidigungen

Respektlosigkeit gegenĂŒber jeder Religion: Das ist die unerschrockene «Firebrand Atheism»-Strategie, fĂŒr die der Name David Silverman steht. Unter seiner FĂŒhrung fanden in den USA PR-trĂ€chtige Werbeaktionen und Megaveranstaltungen wie die «Reason Rally 2012» statt, die als grösste atheistische Veranstaltung in die Weltgeschichte eingegangen ist.

Die wichtigste Regel beim «Firebrand Atheism» ist, dass Atheisten die GlĂ€ubigen nicht beleidigen: «Beschimpfungen sind Zeichen schwacher Argumente. Wir haben die stĂ€rksten Argumente auf unserer Seite, nĂ€mlich Fakten und Daten», sagt Silverman, «deshalb sind wir in der Pflicht, das Kind beim Namen zu nennen: Religion ist eine LĂŒge und alle Götter sind falsch.»

Silverman bekrĂ€ftigt, dass er fĂŒr glĂ€ubige Menschen MitgefĂŒhl habe und sie genau deshalb nicht vor der brutalen Wahrheit schone. «Ich respektiere alle Menschen als Person, doch den Glauben respektiere ich nicht. Wer an Gott glaubt, ist nicht dumm, sondern Opfer der grössten LĂŒge in der Geschichte der Menschheit.»

«Hört auf, euch Freidenker zu nennen»

Nicht nur in Amerika, sondern ĂŒberall auf der Welt sei es wichtig, keine Angst davor zu haben, sich als Atheist zu positionieren: «Relativierende Euphemismen wie Skeptiker, Humanisten, SĂ€kulare, Agnostiker und Freidenker schaden unserer Sache», sagt Silverman, «in der Regel werden diese Begriffe von verkappten Atheisten verwendet, um nicht anzuecken.» Nur Atheismus sei der korrekte Terminus, bei dem alle verstĂŒnden, was gemeint sei.

Durch die sprachliche VerwÀsserung entstehe ein falsches Bild von Gottlosen, besonders in Amerika: «Viele denken, es gebe in den USA nur etwa drei Prozent Atheisten. Dabei kommt man durch das ZusammenzÀhlen aller Atheisten, die sich hinter einem Euphemismus verstecken, locker auf rund dreissig Prozent. Dass wir uns nicht klar positionieren, schadet unserer Sache enorm.»

«Ein atheistischer US-PrÀsident wird kommen»

Seine fundamentale Haltung begrĂŒndet der 49-jĂ€hrige Amerikaner unter anderem durch die durchdringenden MissstĂ€nde in seinem Land: «Stets betonen wir die Gleichheit unserer BĂŒrger, doch wer nicht an Gott glaubt, kann beispielsweise eine Karriere in der Politik gleich wieder vergessen.»

Silverman sagt, er wisse aus persönlicher Erfahrung, dass sich im US-Senat Dutzende Atheisten verstecken, die nicht offen zu ihrem Unglauben stehen können. «Bis wir einen offen atheistischen US-PrÀsidenten haben, geht es bestimmt noch einige Jahrzehnte. Aber er oder sie wird kommen. Die religiöse Landschaft in den Vereinigten Staaten entwickelt sich im Eiltempo zu unseren Gunsten.»

Korrektes Kritisieren

MĂ€ngel und UnrechtmĂ€ssigkeiten gegenĂŒber Atheisten beobachtet Silverman nicht nur in der Politik, sondern in fast allen gesellschaftlichen Bereichen: «Als GlĂ€ubiger geniesst man ĂŒberall Privilegien. Viele fĂŒhlen sich nur deshalb beleidigt, wenn man ihren Glauben kritisiert, weil sie Angst davor haben, ihre Sonderstellung zu verlieren.»

In diesen FĂ€llen ist es wichtig, den GlĂ€ubigen klarzumachen, dass sich die Kritik nicht auf die Person, sondern auf die Religion bezieht: «Atheisten mĂŒssen sich bei Religionskritik den Nuancen religiöser Komponenten bewusst sein: Gott, Geister, Wunder und Offenbarungen basieren auf einer LĂŒge. Die karitative Arbeit der Kirche hat damit nichts zu tun und existiert nur, weil helfende Menschen empathisch sind. Das sind soziale Werte ohne religiösen Ursprung, die Respekt verdient haben.»

Fighting God

Silverman schliesst sein Referat mit der Aufforderung, sein atheistisches Manifest fĂŒr eine religiöse Welt, «Fighting God», so schnell wie möglich vorzubestellen: «Durch gute Vorverkaufszahlen sind grosse Zeitungen und religiöse Magazine dazu gezwungen, ĂŒber das atheistische Manifest zu berichten. Dadurch erreicht unsere Botschaft höhere Resonanz.» Das Buch zeige die Wahrheit ĂŒber Religion und deren negative Effekte auf die heutige Gesellschaft sowie die wesentlichen Beweise dafĂŒr auf, wie die Inexistenz Gottes erfolgreich nachgewiesen werden kann. Eine deutsche Fassung ist noch nicht angekĂŒndigt.

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Das Interview erschien auf hpd.de.

Adoray – Bunter Katholiken-Konservativismus

Rund 500 Interessierte haben vom 6. bis 8. November das diesjĂ€hrige «Adoray»-Festival im Schweizer Kanton Zug besucht. Die katholische Gebetsgruppe lockt mit einer jugendlichen Frische und umhĂŒllt ihre konservativ-erzkatholische Vision hinter einem Schleier der Aufgeschlossenheit.

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Nebelhafte Kernbotschaften: Zurzeit ist in gewissen Punkten unklar, in welche Richtung die «Adoray»-Bewegung geht. (Bild: SANDRO BUCHER)

Am Anfang war der Entstehungsmythos. Die GrĂŒndung von «Adoray» geht nĂ€mlich auf eine Legende zurĂŒck: Mehrere  Jahre lang haben BrĂŒder in einem Zuger Kloster dafĂŒr gebetet, dass sich eine junge und frische Gebetsgruppe bilden werde, die die katholischen Werte vertreten wĂŒrde. Bis eines Tages zwei junge MĂ€nner an die KlostertĂŒr geklopft und die BrĂŒder um UnterstĂŒtzung bei der GrĂŒndung einer ebensolchen Gebetsgruppe gebeten haben.

Das war 2004. Heute, elf Jahre spÀter, prÀsentiert sich die Adoray-Gebetsgruppe als bunt verpacktes Erzkatholiken-Geschenk, das trotz oder gerade wegen seiner Farbvielfalt kaum auffÀllt neben all den evangelikalischen Geschenken unter dem Freikirchen-Weihnachtsbaum der Schweiz.

Elegantis Feder

In den Adoray-Gebetsgruppen wird katholisches Gedankengut vermittelt und auch in dem diesjÀhrigen Festival-Flyer scheinen die Organisatoren nur knapp daran vorbeizuschrammen, von einer römischen Linie und Papsttreue zu sprechen: «Adoray wird von engagierten, vom Glauben an Jesus Christus begeisterten, katholischen, jungen Menschen organisiert. Adoray untersteht dem Jugendbischof der Schweizerischen Bischofskonferenz, der die Statuten bestÀtigt hat.»

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Auszug des diesjÀhrigen Adoray-Flyers. (Screenshot)

Auffallend ist, dass der Jugendbischof der Schweizerischen Bischofskonferenz nicht namentlich erwÀhnt wird. Nur im Programm des Flyers findet man dessen Namen beim Abschlussgottesdienst am Sonntag: Marian Eleganti. Zur Erinnerung: Marian Eleganti ist jener Bischof, der im Mai dieses Jahres dazu aufgerufen hat, den modernen Menschen zur Umkehr zu bewegen und dass sich nicht die Kirche der heutigen Zeit anpassen solle, sondern umgekehrt.

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Elegantis PlĂ€doyer fĂŒr eine rĂŒckstĂ€ndigere Gesellschaft, die sich der Kirche anpasst (Auszug «Bote der Urschweiz», Front, 11. Mai 2015)

Die Schweizer Bischofskonferenz ist dafĂŒr bekannt, dass sie in sozial-ethischen und prophetischen Fragen fĂŒr den römischen Revolutionsgeist Franziskus‘ nicht empfĂ€nglich ist. Unter dieser PrĂ€misse wird sich Adoray nur schwer als zeitgemĂ€sse Institution mit katholischem Gedankengut etablieren können.

Schönborns Rede

Was Adoray dennoch schon jetzt von der römisch-katholischen Kirche abhebt, ist, dass «fehlerhafte» Menschen ĂŒberall und immer willkommen sind. Unter Fehlerhaftigkeit versteht man beispielsweise Sex vor der Ehe oder HomosexualitĂ€t.

So haben die Veranstalter des diesjĂ€hrigen Adoray-Festivals in Christoph Schönborn den perfekten Kandidat fĂŒr die Kanzel  gefunden: der 70-jĂ€hrige Erzbischof von Wien ist ein Kardinal ganz im Sinne von Franziskus. VordergrĂŒndig fĂ€hrt er eine liberale Schiene (ja zu EmpfĂ€ngnisverhĂŒtung, offen fĂŒr Dialog mit anderen Glauben, etc.), hintergrĂŒndig wĂŒrde er jedoch auf ebendieser Schiene das Papstmobil gegen die Wand fahren (Stillschweigen zu Missbrauchsskandalen, Stillschweigen zu Vatileaks, etc.). Diese Zerrissenheit und UnschlĂŒssigkeit widerspiegelt sich, zumindest gegen aussen, auch in den derzeitigen Adoray-Wertvorstellungen.

Adorays Jugend

Die junge Adoray-Community wird sich in den nĂ€chsten Jahren bestimmt noch formen, entwickeln, spezifizieren und mit grosser Wahrscheinlichkeit auch ausdehnen. Die Frage ist, ob sie im Laufe dieses Prozesses noch offener wird oder sich unter der FĂŒhrung der Schweizer Bischofskonferenz noch strenger auf den Hauptgehalt der katholischen Kirche stĂŒtz. Und wie synchron sie den Kurs mit Rom fahren wird. Und wie gewissenhaft sich das jugendliche Publikum ĂŒberhaupt an den gepredigten GrundsĂ€tzen orientiert, oder ob es fĂŒr die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer nur eine «neo-traditionellere» Form eines Jugendtreffs ist. Die Entwicklung der ReligiositĂ€t in der Schweiz deutet darauf hin, dass es eher Letzteres ist.

«Die Entwicklung in der Schweiz ist beunruhigend»

Schon vor der Jugendsession haben sich die 22 Teilnehmenden der Projektgruppe «Datenschutz» aus beruflichen und privaten GrĂŒnden rege mit dem Thema beschĂ€ftigt. Mit ihrer FĂŒrsorge verkörpern sie einen grossen Teil der Schweizer Jugend, der sich seit den EnthĂŒllungen Edward Snowdens vermehrt Gedanken um die Sicherheit seiner persönlichen Daten macht.

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Nicht nur im echten Leben, auch dann, wenn wir uns im Internet bewegen, werden wir ĂŒberwacht. (Bild: BASIL KOLLER/Tink.ch)

Seit das Zeitalter der Digitalisierung eingelÀutet wurde, ist die weltweit gespeicherte Datenmenge explodiert. Nicht nur die Privatwirtschaft und der Staat werden durch die Entwicklung der letzten Jahre vor eine enorme Herausforderung gestellt. Smartphone und Notebook reichen bereits, um selbst in den Sog des Datensturms zu geraten.

Umstrittener Einsatz von Staatstrojanern

In der demokratischen Gesellschaftsordnung der Schweiz gilt, dass jeder Mensch so weit wie nur möglich selber darĂŒber bestimmen kann, welche Informationen ĂŒber ihn wann, wo und wem bekannt gegeben werden. Dass dies so bleibt, gewĂ€hrleistet der Datenschutz.

In der Sommersession dieses Jahres stimmte der National- und StĂ€nderat ĂŒber zwei umstrittene Gesetzesvorlagen ab, die den Datenschutz betreffen: die Revision des Bundesgesetzes zur Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs (BĂŒpf) und des Nachrichtendienstgesetzes. Durch die beiden Erlasse soll die Vorratsdatenspeicherung von einem halben auf ein ganzes Jahr ausgedehnt werden.

Des Weiteren ermöglicht die Revision den Einsatz von sogenannten «Staatstrojanern». Darunter versteht man eine Software, die ohne das Wissen des Anwenders auf Computer installiert werden kann. Einmal installiert, können die Trojaner E-Mails lesen und Internet-Telefonate mitschneiden.

«In einem Rechtsstaat sollte das nicht passieren»

Die beiden Erlasse stossen in der Datenschutz-Gruppe der Jugendsession nicht bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf Zuspruch: «Die geplanten Schritte finde ich beunruhigend. Durch Staatstrojaner können Beweise manipuliert werden, was in einem Rechtsstaat nicht passieren sollte. Damit stellt man die gesamte Bevölkerung unter Generalverdacht», sagt der 19-jÀhrige David Scherer.

Sonja Nussbaumer, 20, sieht im Datenschutz eine anhaltende Gratwanderung: «Zu einem gewissen Punkt brauchen wir die Überwachung. Doch sobald die PrivatsphĂ€re zu fest eingeschrĂ€nkt wird, wird es zu viel.»

Die 16-jĂ€hrige CĂ©line Beutler war vor der Jugendsession klar gegen eine Revision des BĂŒpf. Durch die VortrĂ€ge der Experten versteht sie mittlerweile beide Seiten: «Das Aufkommen von Terrorismus legitimiert die SchĂ€rfung der Gesetze. Trotzdem mĂŒsste man sie in der jetzigen Form einschrĂ€nken.»

FrĂŒhling der DatenschĂŒtzer

Durch die OmniprĂ€senz der sozialen Medien, EnthĂŒllungen von Edward Snowden und die fortwĂ€hrende Datensammelwut globaler Unternehmen setzen sich die Jugendlichen seit einigen Jahren vermehrt mit Datenschutz auseinander.

Dies haben die meisten Mitglieder der Datenschutz-Arbeitsgruppe auch in ihren Freundeskreisen bemerkt: «Es gab bei uns in der Schule einen Vorfall von Datenmissbrauch. Dadurch wurde bei uns allen das Interesse wieder grösser», sagt der 17-jÀhrige Camill Grob.

Auch David Scherer hat bemerkt, dass sein Freundeskreis durch die EnthĂŒllungen Edward Snowdens fĂŒr das Thema sensibilisiert wurde. Sonja Nussbaumer hingegen sah keinen Wandel in ihrem Umfeld: «Viele wissen zwar, wie sie ihre Daten besser schĂŒtzen könnten, doch aus Bequemlichkeit machen sie nichts dagegen.»

Die Diskussionen in der Arbeitsgruppe bleiben durch die verschiedenen Erfahrungen und HintergrĂŒnde der Teilnehmenden differenziert, ausgewogen und abwechslungsreich.

Die von ihnen erarbeitete Forderung hat zum Ziel, fĂŒr die nationale Politik verwendbar zu sein. Sie alle sind sich jedoch einig: Die Eigenverantwortung im Umgang mit den Daten darf dabei nicht vergessen werden.

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Der Artikel erschien auf tink.ch.